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Twitter: Wenn Sportler sich ins Abseits twittern

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Foto: dapd
Boris Becker erntet einen Shitstorm, Fernando Alonso gibt Samurai-Weisheiten von sich und Lance Armstrong löscht seine Tour-Titel. Rund um Twitter war in diesem Jahr mächtig viel los. Und nicht alles verlief freundlich.
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Köln

Boris Becker stand mit einem Mal im Shitstorm. Es prasselte nur so auf die Tennislegende ein. Und das wegen 118 Zeichen, die der dreimalige Wimbledonsieger nachts in die Tasten getippt hatte. Wohl etwas arglos, denn nicht nur die Grammatik ließ beim 8273. Tweet zu wünschen übrig.

Becker hatte wohl einfach die Freude übermannt. „Grosser Bewunderer von Angela Merkel! Ich bin sehr stolz und werde Patriot,als Sie Friedensnobelpreis gewonnen hat !!!“, schrieb der 45-Jährige. Natürlich war nicht die Bundeskanzlerin, sondern die EU ausgezeichnet worden. Ein gefundenes Fressen für die Internetgemeinde. Vor allem in Kombination mit den vielen Fehlern.

Becker wurde von den heftigen Reaktionen überrascht, eigentlich bevorzugt der Dauer-Zwitscherer eher Nichtigkeiten. So schickt Becker gerne belanglose Fotos, wie etwa von leeren Sitzen im Flugzeug, oder schreibt Kommentare über andere bedeutende Personen der Weltgeschichte („Der Papst faehrt Mercedes...cool!“). Ganz ohne Konsequenzen.

Doch der Ausflug in die Politik ging mächtig schief. „Ich glaube, Buchstabensuppe kann er!“, war noch einer der harmloseren Retweets. Twittern gehört für Boris Becker zum Alltag.

Morgens, mittags, abends, nachts. Genauso wie für viele andere, ob prominent oder nicht. Denn ein Tweet hält nicht lange auf. Er ist schnell geschrieben, schnell gesendet und schnell online. Doch die Nachwirkungen können lange anhalten.

An der Grenze der Geschmacklosigkeit

Mit den auf 140 Zeichen begrenzten Kurzmitteilungen hat sich schon so mancher Sportler ins Abseits befördert. Meist sind es Beleidigungen, die Diskussionen, Kritik und Strafen nach sich ziehen. Früher wurde sich nur um Kopf und Kragen geredet, heute wird sich auch um Kopf und Kragen geschrieben.

Die Grenzen der Geschmacklosigkeit werden immer wieder übertreten. „Ich könnte alle Südkoreaner verprügeln. Geht euch alle abfackeln, ihr Bande von Mongos!“, schrieb der Schweizer Fußballer Michel Morganella während der Olympischen Spiele nach der Niederlage gegen die Asiaten. Die Delegation schloss den Profi von US Palermo sofort aus. Etwas anderes blieb den Verantwortlichen in London auch nicht übrig.

Lange Liste von Social-Media-Übeltätern

Lang ist die Liste von sanktionierten Social-Media-Übeltätern - und sie wird länger werden. Zu verlockend ist die Chance, mit wenig Aufwand Viel(e) zu erreichen. Auch deshalb gehört das Zwitschern bei Prominenten zum guten Ton, sogar Franz Beckenbauer sitzt seit diesem Jahr mit „im Nest“.

Die Begrüßung war standesgemäß. „God bless Der Kaiser! Willkommen, mein guter Freund Beckenbauer“, schrieb etwa Pele. So fleißig wie Becker ist Beckenbauer nicht, dafür gibt es kaum Einträge, die wahlweise unter den Kategorien „sinnlos“ oder „überflüssig“ einzuordnen sind. Die kaiserlichen Botschaften haben fast immer einen Kurznachrichtenwert.

Einen anderen Weg hat da Fernando Alonso gewählt. Während der Titelkampf in der Formel 1 tobte, gab der Spanier immer wieder Samurai-Weisheiten via Twitter von sich. „Wir kämpfen lieber, als dass wir die Ehre verlieren, weil wir es nicht getan haben“, teilte der Ferrari-Pilot mit, oder auch: „Wenn das Schwert bricht, kämpfe mit der Hand.“ Alonso ist ziemlich fleißig, genau wie Lance Armstrong.

Das gefallene Radsportidol hat sogar mehr Tweets abgesetzt als Boris Becker. Bald sind es 10.000. Die Zahl der Follower, also derer, die Armstrongs Mitteilungen im „Abo“ verfolgen, liegt bei über 3,8 Millionen.

Das Interessanteste auf dem Draht des Amerikaners war in diesem Jahr aber nicht das, was zu sehen war. Sondern das, was nicht (mehr) zu sehen war. Stunden nach der Aberkennung seiner sieben Tour-Siege ließ Armstrong die Titel aus seinem Profil verschwinden. Der „Entrepreneur, Tennispro, Wimbledonchampion“ musste nicht Hand anlegen.

Und der Sturm hat sich gelegt, Boris Becker ist ganz der Alte. Vor wenigen Tagen hat er mal wieder ein Foto von sich selbst veröffentlicht. „Ich liebe die Kamera“ stand darunter. Es musste wohl sein. (sid)

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