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Ulli Potofski: „Pferde sind keine Geldschränke“

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Zwei Kölner und ein Schalker (M.): Sport-Moderator und Pferdekenner Ulli Potofski auf der Galopprennbahn in Weidenpesch.  Foto: Dahmen
Sportmoderator Ulli Potofski kennt sich als früherer Besitzer im Galopprennsport aus. Zum Saisonstart in Weidenpesch spricht er über den Umgang mit den Tieren und über die Verantwortung für die Zeit nach dem Sport.  Von
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Herr Potofski, wie viele Rennpferde haben Sie in Ihrem Leben besessen?

Ulli Potofski: Da muss ich nachdenken. Ich hatte früher eine sehr erfolgreiche Besitzer-Gemeinschaft. Der Fußballer Didi Hamann war dabei, der Eishockeyspieler Thomas Brandl und noch ein paar Leute. Wir haben uns drei Pferde geteilt, sehr teure Pferde. Alleiniger Besitzer eines Rennpferds war ich aber nur mit Askant, den habe ich fast zehn Jahre gehabt.

Das ist eine lange Zeit.

Potofski: Ja, er hat mit vier Jahren angefangen und mit 13 aufgehört. Ich habe Wert darauf gelegt, dass mein Rennpferd nicht auf die Bahn geht, bevor es ausgewachsen war. Es ist ein Problem, wenn du Zweijährige zu früh auf die Bahn bringst. Das ist nicht gut für die Pferde. Ich habe mein Pferd stehen lassen, bis er vier war. Und er hat nie etwas gehabt.

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Er hat mir das gedankt, er war ein außergewöhnliches Rennpferd. Er hat ungefähr 100000 Euro zusammen galoppiert und ist bis in die Europagruppe 3 gekommen, das ist schon ganz gut – wie Uefa-Pokal im Fußball. Aber man soll Pferde nicht danach beurteilen, was sie gewinnen. Man muss ein Herz für sie haben. Menschen, die Pferde kaufen, damit sie Rendite bringen, sind für mich schlechte Besitzer. Man muss die Art der Bewegung mögen, man muss Sensibilität für Rennpferde haben. Sie sind besonders kompliziert und anspruchsvoll in ihrem Wesen.

Inwiefern?

Potofski: Alle Pferde sind Fluchttiere, und Rennpferde sind besonders ängstlich und hochgezüchtet. Für mich ist es immer wichtig gewesen, dass ich einen Bezug zu dem Tier hatte und es nicht als Geldschrank gesehen habe. Das finde ich ganz schrecklich. Man muss das Pferd auch mal schonen, so dass es zwei Monate kein Rennen hat. Man darf auch den Trainer nicht überfordern.

Sport-Moderator und Pferdekenner Ulli Potofski
Sport-Moderator und Pferdekenner Ulli Potofski

Das ist manchmal das Problem des Galopprennsports: Es gibt leider Leute, die Geld ausgeben für ein Pferd und dann glauben, dass es die Investition ganz schnell wieder reinholen kann. Das funktioniert nicht, mit dieser Haltung sollte man sich besser kein Rennpferd kaufen. Entweder, man hat genug Geld übrig – und weil ich es nicht habe, habe ich im Moment auch kein Pferd – oder man lässt es sein. Es geht um einen respektvollen Umgang mit dem Pferd.

Rennpferde stehen den ganzen Tag in der Box und werden nur ungefähr eine Stunde am Tag bewegt. Ist das ein respektvoller, artgerechter Umgang?

Potofski: Die Kritik teile ich. Auf der anderen Seite ist es so: Die Pferde werden für den Rennsport gezüchtet, und sie leben ein besonderes Leben. Man kann sagen: ein besonders behütetes – oder ein bis auf die Renntage langweiliges Leben. Wenn die sportliche Karriere eines Rennpferds beendet ist, zahlt ihm der Besitzer aber hoffentlich alles zurück. Dafür gibt es viele Beispiele. Viele Pferde dürfen dann relaxen, einfach nur zusammen mit anderen Pferden auf der Weide stehen.

Wann und wie wurde Ihre Begeisterung für den Galoppsport geweckt?

Potofski: Ich bin als Arbeiterjunge in Gelsenkirchen zwischen der Trab- und der Galopprennbahn groß geworden. Zum Pferderennen ist man als Schalker damals nicht gegangen, da gingen nur die oberen Zehntausend hin, die es damals in Gelsenkirchen noch gab. Durch Zufälle und viele Umstände kam ich dann doch zum Galopprennen – und ich habe gedacht: Ich würde gern einmal ein Rennpferd haben, und diese reichen Leute einmal schlagen. Der Arbeiter Potofski gewinnt gegen den Baron von Ullmann. Das war mein Traum. Ich sah das als einen Stellvertreterkampf. Und was soll ich sagen? Mein Askant hat auch Pferde von Ullmann geschlagen.

Was ist aus Ihrem Askant geworden?

Potofski: Er ist jetzt 16 Jahre alt und ein Reitpferd geworden – in Litauen. Man schickt mir ab und zu Fotos. Er erfreut sich bester Gesundheit. Er ist ein Wallach und war immer ein sehr liebes und ausgeglichenes Pferd. Die Leute haben ihn geliebt, weil er so grundehrlich war. Er hat immer alles gegeben, es war einfach toll mit ihm, ein Traum. Ich bin jetzt fast 61 Jahre alt, und wenn ich über alle meine Geschichten nachdenke, dann war das eine der schönsten.

Glauben Sie, dass es allen Rennpferden nach der Karriere so gut geht wie Askant?

Potofski: In letzter Konsequenz kann ich das nicht sagen. Ich hoffe, dass die Leute nicht auf die Idee kommen, die Tiere zum Pferdemetzger zu bringen. Für 400 Euro – das ist jämmerlich, da will ich gar nicht drüber nachdenken. Wenn du dir ein Rennpferd kaufst, hast du auch die Verantwortung für die Zeit nach dem Sport. Du musst dafür sorgen, dass es ihm gut geht. Was aber zum Glück auch oft der Fall ist.

Haben Sie die Karriere der berühmten Stute Danedream verfolgt?

Potofski: Ja, ich habe in der Zeit eine Sendung über Galopprennsport auf Sport1 moderiert. Deshalb habe ich ihre Laufbahn komplett verfolgt, vom ersten Tag an. Als sie dann im Oktober 2011 beim Arc in Paris gelaufen ist, war ich zu Hause und habe es mir im Internet angesehen, in schlechter Qualität auf meinem Laptop. Ich werde es nie vergessen: Ich hatte an diesem Tag aus purer Sympathie 50 Euro Sieg und 50 Euro Platz auf Danedream gewettet. Für die 100 habe ich 1600 Euro wiedergekriegt. Aber das war nicht das Wichtigste. Es war ein sehr emotionaler Moment, weil ich miterlebt hatte, wie dieses Pferd nach vorn gekommen ist. Eine absolute Sensation, dass ein Pferd aus Deutschland, das nur 9000 Euro gekostet hat, dieses Rennen gewinnt.

Eine schöne Aschenputtel-Geschichte.

Potofski: Ja, und sie gibt Hoffnung für alle, die sagen: Ich kaufe mir ein Rennpferd. Denn so kann es auch gehen. Jetzt wird Danedream Mutter, sie ist ja von Frankel (englischer Wunderhengst, d. Red.) gedeckt worden. Man kann sehr gespannt sein, was dabei herauskommt. Es gibt keine Garantie. Vor zehn Jahren, glaube ich, gab es auch eine Kreuzung von zwei Wunderpferden; ein Scheich in Dubai hat Millionen für das Fohlen bezahlt, und es hat kein einziges Rennen gewonnen.

Durch die Quarantäne auf der Kölner Galopprennbahn ist Danedream um ihren letzten Start gebracht worden, sie sollte im November ja noch beim Japan Cup starten...

Potofski: …das war einerseits schade, aber vielleicht war es auch besser. So ist der Mythos erhalten geblieben, denn man sagt: Da hätte Danedream auch noch mal gewinnen können. Womöglich wäre sie aber auch unter ferner liefen eingelaufen. Das weiß man nicht.

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