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50 Jahre Stadthalle Mülheim: Feiern im Ambiente der Sixties

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Die Stadthalle bei kompletter Bestuhlung. 
Die Mülheimer Stadthalle hat einen Namen in der Szene. Internationale Rockgrößen wie The Cure und Mother´s Finest gaben hier legendäre Konzerte. In diesem Jahr wird der Komplex 50 Jahre. Traurige Berühmtheit erlangte er 1990.  Von
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Es dauerte lange, bis der Mülheimer Stadtgarten musikalisch wurde. Der Park war 50 Jahre alt, als ihm eine Halle zur Seite gestellt wurde, in der es später ordentlich zur Sache ging: In den 1970er und 1980er Jahren pilgerten die Fans kölscher und internationaler Rockgrößen an die Jan-Wellem-Straße. Die Mülheimer Stadthalle – sie hatte einen Namen in der Szene. Und erlangte 1990 traurige Berühmtheit.

Ende Dezember 1963 ging es noch getragen zu. Das Gürzenich-Orchester spielte Händels Wassermusik, bevor Oberbürgermeister Theo Burauen im vollen Saal das Bauwerk feierlich für eröffnet erklärte und der Kammerchor Mülheim zu Händels „Acis und Galatea“ anhob. Es war ein großer Tag für die Mülheimer: Sie hatten endlich einen Nachfolgebau für die im Krieg zerstörte Stadthalle an der Frankfurter Straße bekommen.

Marco Jülich setzt sich auf einen der Stühle im großen Saal. Seit 1963 hat sich hier wenig verändert. Nicht an der Holzvertäfelung, nicht an der sonderbar gezackten Prismendecke und nicht an den daran hängenden Designerleuchten. Seit 1997 führt Jülich die Halle, viele Jahre lang gemeinsam mit seinem Vater Jean Jülich. Nach dem Tod des Gastronomen und bekannten Mitglieds der Edelweißpiraten zur Zeit des Nazi-Regimes managt der 48-Jährige den Betrieb allein.

The Cure, Mother’s Finest, Klaus Lage

Die Architektur des Flachdachbaus nahe dem Wiener Platz fasziniert Marco Jülich noch immer: „Das Gebäude hat eine gewisse Leichtigkeit, die Halle sieht aus, als ob sie abhebt.“ Pläne entstanden schon in den 1950er Jahren, doch erst Anfang der 1960er Jahre fing die Stadt tatsächlich an zu bauen. Auch unter dem Druck der Mülheimer Vereine, die endlich einen geeigneten Veranstaltungsort wollten. Es wurde ein äußerst moderner: „Ende der 1950er Jahre wollte man eine fortschrittliche Halle bauen, so ist das Konzept der Rundumverglasung entstanden“, sagt Jülich.

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Innerhalb der zukunftsweisenden Glasflächen ging es traditionell zu. Am Anfang war der Karneval das Kerngeschäft. In der fünften Jahreszeit läuft das Geschäft noch immer auf Hochtouren. Dann wächst die achtköpfige Stammbelegschaft auf 50 Helfer an. Außerhalb des Karnevals lockt die Stadthalle Jäger, Sammler und Spirituelle an: Antikmärkte, Esoteriktage, Comicmesse oder Filmbörsen gehören zu den regelmäßig wiederkehrenden Ereignissen. Mit dem Rock ist es allerdings vorbei.
Es war in den 1970er und 1980er Jahren, als die Mülheimer Stadthalle zur begehrten Adresse für überregional bekannte Größen avancierte.

The Cure, Mother’s Finest, Klaus Lage und die Zeltinger-Band waren zu Gast. 1400 Fans passten vor die Bühne. „Zwischen 1980 und 1982 war die Hochphase des Rock, zu der Zeit war die Stadthalle auch außerhalb Kölns bekannt“, sagt Matthias Schumacher, der das Musikarchiv Köln aufgebaut hat.

Schreckensmoment: Der Anschlag auf Lafontaine

Wem die Sporthalle zu groß war und das Luxor zu klein, der spielte in Mülheim. Zeitweilig jedenfalls. „Dieser Markt war relativ schnell wieder verschwunden“, sagt Jülich. Mit dem E-Werk und dem Palladium öffneten in den 1990er Jahren Konzerthallen, die geeigneter für Rockkonzerte waren – und auch trendiger.

SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine nach dem Attentat am 19. April 1990. Foto: dpa/dpaweb

Ein weiterer Rückschlag war der 25. April 1990. Auf einer Wahlkampfveranstaltung der SPD hält eine psychisch kranke Frau dem damaligen Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine ein Autogramm-Album hin. Als er unterschreiben will, attackiert sie ihn mit einem Messer, das sie in einem Blumenstrauß versteckt hat.

Lafontaine überlebt nur knapp, dank Erster Hilfe aus dem Publikum. Dann wird er in die Kölner Uniklinik transportiert. Der Ruf der Stadthalle ist vorerst ruiniert. „Viele Leute haben die Halle mit dem Attentat verknüpft“, so Jülich. Die Buchungen brachen ein. Auch Lafontaine ist nie wiedergekommen.

Die Erhaltung des Gebäudes ist kostspielig

Vor acht Jahren stand der ganze Standort auf der Kippe. Wegen des Sanierungsstaus wollte sich die Stadt von der in die Jahre gekommenen Immobilie trennen. Verkauf oder Abriss waren mögliche Szenarien. Doch Politik, Mülheimer Vereine und die Jülichs stemmten sich erfolgreich gegen die Pläne: Über einen Erbbaupachtvertrag mit der Stadt ist Marco Jülich beziehungsweise seine Jülich GmbH mittlerweile vom Pächter zum faktischen Eigentümer geworden. Der Vertrag läuft bis 2030 – die Stadthalle hat Zukunft.

Jülich hat keinen Grund zur Klage, das Geschäft läuft: „2012 war das erfolgreichste Jahr in 15 Jahren.“ Nur die Gastronomie im rückwärtigen Bereich ist geschlossen. Die Terrasse, einst Biergarten mit Blick auf den Stadtgarten, ist verwaist und unkrautbewachsen. Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs hebt den großen Stellenwert der Halle für Mülheim hervor. Aber „insbesondere der Außenbereich könnte gepflegter sein“. Auch stört ihn, dass die Nachbarschaft bei größeren Veranstaltungen chronisch zugeparkt ist.

„Die Erhaltung des Gebäudes verschlingt eine Menge Geld“, sagt Jülich: „Es gehen immer wieder Sachen kaputt, wie bei einem alten Auto.“ Licht, Ton und Technik seien erneuert worden, für die große Sanierung fehle aber das Geld. Den großen Saal zu verändern wäre ohnehin keine gute Idee. Immer mehr Abitur-Jahrgänge wollen im 60er-Jahre-Ambiente feiern, sagt Jülich: Wegen ihres Retro-Looks sei die Stadthalle mittlerweile „extrem beliebt“.

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