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Eröffnung: Jubiläum im Waldbad Dünnwald

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Martin Stahl,(vorne rechts), der Vorsitzende des Ortskartells, und Ex-Olympiasieger Stephan Volkert begutachten den Saisonauftakt  Foto: Norbert Ramme
Das Waldbad Dünnwald feiert 2013 sein 90-jähriges Bestehen. Beim Eröffnungsfest wurde ein buntes Programm geboten und es herrschte großer Besucherandrang. Das Gelände ist für viele Kölner ein fester Bestandteil der Naherholung.  Von
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Dünnwald

Die Freibadsaison ist auch im rechtsrheinischen Köln gestartet. Kaum hatten sich im Dünnwalder Waldbad die Türen geöffnet, stürzten sich die ersten Gäste in das mit 25 Grad wohltemperierte Wasser. Später verfolgten viele Schwimmer ein Unterwasser-Rugbyspiel, andere traten unter Anleitung von Ex-Weltmeister und Olympiasieger Stephan Volkert zum Rudertraining an. Den Jungen und Mädchen der Tanzgruppe Ühlepänz war es noch etwas zu frisch – sie wollten zum Saisonauftakt in dem idyllisch gelegenen Schwimmbadgelände neben Wildpark, Campingplatz und Minigolf-Anlage am Peter-Baum-Weg lieber tanzen als schwimmen.

Mehrere Vereine und Bürger aus dem Veedel hatten auf den Wiesen Spiel-, Info- und Flohmarktstände aufgebaut. In den Wochen vor dem Fest war die Soccer- und Beach-Volleyball-Anlage hergerichtet worden. „Zudem haben wir im Winter alle Wasserleitungen mit Zu- und Abflüssen erneuert und technisch auf den neuesten Stand gebracht“, berichtet Schwimmmeister Christian Olthoff. Auch Martin Stahl, Vorsitzender des Trägervereins, ist zufrieden und hofft „auf einen guten Sommer“.

Das älteste private Schwimmbad Kölns

Vorsitzender Martin Stahl eröffnete die Badesaision 2012 auf der Wasserrutsche.
Vorsitzender Martin Stahl eröffnete die Badesaision 2012 auf der Wasserrutsche.
Foto: Schäfer

Ein so umfangreiches Eröffnungsprogramm wie in diesem Jahr hatten die Badbetreiber des Freien Ortskartells Dünnwald zum Saisonstart vor 90 Jahren nicht geboten. Damals wurde das Waldbad eröffnet – und ist damit das älteste private Schwimmbad Kölns. Das Kartell wurde 1923 als Zusammenschluss von SPD, Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften und Vereinen aus dem Veedel gegründet, darunter der Volkschor Loreley sowie der Arbeiter-Radfahrverein Frisch Auf 1906. Vorsitzender war der SPD-Stadtverordnete Peter Baum, der 1944 von den Nazis im KZ Oranienburg ermordet wurde.

Rund um eine Kultur- und Bildungsstätte wurde seinerzeit in gemeinsamer Arbeit ein Becken ausgehoben, durch das der Mutzbach floss. Dieses erste Schwimmbad auf der Schäl Sick erhielt den Namen Strandbad Loreley – im Volksmund oft auch „Schlammbad Loreley“ geheißen.

Badbetreiber 1933 von Nazis vertrieben

In den Anfangsjahren schlossen sich weitere Vereine dem Ortskartell an. Naturfreunde und Freidenker, Turnverein und Schachclub, die KPD, der Fabrikarbeiter-Verband und der Arbeiter-Mandolinen-Bund. Zudem entstanden Ende der 1920er Jahre im Umfeld des Bads dank des Ortskartells eine Waldschule, eine Turnhalle und drei Sportplätze mit Aschenlaufbahnen. „Das Waldbad war ein Sozi-Bad. Da ging man zu der Zeit als konservativer Katholik nicht hin“, weiß Vorsitzender Stahl. „Der Pastor hat damals sogar gepredigt, dass in dem Schwimmbad der Teufel hause. Heute sieht das anders aus, da veranstalten die Pfarrer hier Pfingstgottesdienste.“

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten war es mit dem Arbeiter-Badespaß vorbei: Im März 1933 wurden die langjährigen Badbetreiber von SS-Angehörigen angepöbelt und vertrieben: „Volksbetrüger und Volksverbrecher haben auf diesem naturschönen Gelände nichts zu suchen“, hieß es.

1951 wurde restauriert

Das Waldbad heute.
Das Waldbad heute.
Foto: Ramme/Privat

Das Vermögen des Ortskartells von rund 200 000 Reichsmark (Stahl: „Das war richtig viel“) wurde beschlagnahmt. Zwei Wochen später feierte die Hitlerjugend mit propagandistischem Aufwand im Dünwalder Waldbad die Einweihung ihres neuen Heimes. Vor angeblich 4300 Kölner Jugendlichen sprachen Gauleiter Josef Grohé, Bürgermeister Richard Schaller und HJ-Bannführer Wallwey. Der unterstrich den Anspruch der NS-Organisation auf die Jugenderziehung. Mitglieder der Hitlerjugend durften das Bad kostenlos nutzen, das fortan Norkus-Bad hieß – benannt nach einem SA-Jungen, der bei einer Demonstration in Berlin unter ein Auto gekommen war.

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„Nach dem Krieg war das gesamte Inventar weg“, sagt Stahl. „Der Nazi-Pächter hatte alle beweglichen Güter zu Geld gemacht und sich dann abgesetzt.“ Rund fünf Jahre nach Kriegsende wurde das Ortskartell neu gegründet. 1951 begann man mit der Restaurierung des Bades. Bekannte sozialdemokratische Politiker unterstützten den Wiederaufbau: so Oberbürgermeister Theo Burauen, NRW-Ministerpräsident Heinz Kühn und Bundesminister Hans-Jürgen Wischnewski. „Den Besuchern bietet sich ein Bad, das nicht nur wegen seiner idyllischen Lage, sondern auch durch seine schmucke Ausgestaltung viel Freude bereitet“, hieß es im Juli 1952 im „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Konzerte im Waldbad

Heute sind es vor allem prominente Künstler, die den Fortbestand des Waldbades sichern. Tommy Engel, Gerd Köster und Jürgen Becker; Brings, das Stunksitzungs-Ensemble (Martina Klinke: „Ich bin schon als Kind regelmäßig im Waldbad geschwommen“), Köbes Underground und andere sorgen mit ihren Auftritten dafür, dass Geld in die Vereinskasse kommt. Nur mit Einnahmen durch diese Events könne der Badebetrieb dauerhaft erhalten werden. „Schließlich erhalten wir keinerlei städtische Zuschüsse und sind dennoch das preiswerteste Schwimmbad in Köln“, sagt Stahl. „Wir sind gerade dabei, den Pachtvertrag für das gesamte Gelände um 25 Jahre zu verlängern.“

Das Waldbad Dünwald ist bis Mitte September täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Kinder, Jugendliche und Studenten zahlen 2,50 Euro, Erwachsene 4,50 Euro. Geburtstagskinder und Kinder unter vier Jahren haben freien Eintritt.

Sommerprogramm im Waldbad

Köbes Underground (12. Juli) und Brings (13. September) sind seit Jahren musikalische Stammgäste im Waldbad. Hinzu kommt das Ensemble der Stunksitzung mit Stunk Unplugged (15. Juni), die Band Dicke Luft (29. Juni), das „Loss mer singe“-Sommerfest (7. Juli) und „Escht Kabarett auf dem Grill“ (7. September).

Karten kosten acht bis 25 Euro. Der Eintritt für Kinder unter 13 Jahren ist frei.

www.waldbad-camping.de

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