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Feuerwehr: Lebensretter hausen in Notcontainern

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In den Containern vorn sind Ärzte und Sanitäter untergebracht.  Foto: Schäfer
Die Mülheimer Feuerwehr braucht neue Räume. Die 1924 errichtete Wache ist seit Jahren zu klein und muss zudem dringend saniert werden. Zurzeit behilft sich die Feuerwehr mit Containern, denn die Politik sieht noch „Beratungsbedarf“.  Von
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Die Stadtverwaltung plant, die Mülheimer Feuer- und Rettungswache der Berufsfeuerwehr an der Ecke Bergisch Gladbacher Straße/ Mülheimer Ring zu erweitern. 2,5 Millionen Euro würde das kosten. Den Planungen stimmte die Bezirksvertretung Mülheim auf ihrer jüngsten Sitzung einstimmig zu. Doch wenige Tage später entschied der Gesundheitshausschuss, der neben dem Finanzausschuss ebenfalls mit dem Thema beschäftigt ist, eine Vertagung auf die Sitzung am Dienstag, 29. Januar. Es bestehe noch „Beratungsbedarf“.

Die Teams des Rettungsdienstes campieren schon seit zwölf Jahren in Containern auf dem Hof der Wache.
Die Teams des Rettungsdienstes campieren schon seit zwölf Jahren in Containern auf dem Hof der Wache.
Foto: Schäfer

Die Feuerwache wurde 1924 an der Stelle errichtet, wo zuvor das Geburtshaus Willi Ostermanns gestanden hatte. Sie war für sechs Rettungskräfte ausgelegt. In den Jahren 1962 und 1992 wurde die Anlage um je zwei Fahrzeughallen erweitert. Neue Räume für Pausen, Ruhezeiten oder Toiletten entstanden damals nicht. Das will die Feuerwehr jetzt nachholen. Auf dem Hof, wo derzeit Container stehen, soll eine weitere Wagenhalle gebaut werden, in deren Obergeschoss die dringend benötigten Sozialräume untergebracht werden sollen.

Undichte Abwasserrohre

Im Keller der Feuerwache stehen die Spinde der Einsatzkräfte sogar unter maroden Abwasserleitungen.
Im Keller der Feuerwache stehen die Spinde der Einsatzkräfte sogar unter maroden Abwasserleitungen.
Foto: Schäfer

Manfred Fiß, Leiter der Mülheimer Wache, kann nicht nachvollziehen, dass die Politik noch Beratungsbedarf sieht: „Es wird in der Stadt zwar viel über die Kosten für Brandschutz und Rettungsdienst diskutiert, doch bei uns herrscht Notstand.“ Bei einem Rundgang zeigt er, in welchen beengten Verhältnissen seine 104 Mitarbeiter – jeweils 26 leisten gleichzeitig Dienst – arbeiten müssen. „Wir nutzen jede noch so entlegene Ecke, um für jeden einen Spind aufzustellen“, sagt Fiß. Alle Kellerräume sind mit Spinden vollgestellt. Über einigen hängen Eimer an der der Decke. „Die mussten wir anbringen, weil die Abwasserrohre an den Decken marode und undicht sind.“
Es mangele auch an Ruheräumen. Drei Mitarbeiter müssen sich einen 15 Quadratmeter großen Raum teilen. Fiß: „Das muss man immer vor dem Hintergrund sehen, dass meine Feuerwehrleute pro Schicht 24 Stunden im Einsatz sind, der Rettungsdienst jeweils zwölf Stunden am Stück.“

Damit nicht genug. Die 24 Mitarbeiter der Rettungswagen-Besatzungen sowie die acht Notärzte seien schon seit zwölf Jahren in behelfsmäßigen Containern auf dem Hof der Wache untergebracht. Auch ein Rettungswagen sowie ein Notarztwagen warten in einer beheizten Container-Garage auf ihren Einsatz. „Wir müssen die Garage ständig heizen, weil sich in den Fahrzeugen empfindliche Medikamente befinden“, erklärt der Chef der Wache. Allein die Miete für alle Container belaufe sich auf rund 25 000 Euro pro Jahr. Über die Heizkosten für die nicht gedämmten Notbehausungen will Fiß nicht reden. Sie seien hoch. Außerdem laufe der Mietvertrag für die Behelfsunterkünfte 2014 aus. Fiß befürchtet, eine Vertragsverlängerung könnte höhere Mietzahlungen mit sich bringen.

Ratten im Container

Notarzt Suhail Rahmini  in der Enge seines Containers.
Notarzt Suhail Rahmini in der Enge seines Containers.
Foto: Schäfer

Suhail Rahmini ist einer der acht Notärzte, die in Mülheim Dienst tun. Er muss pro Schicht zwischen neun und 15 Mal ausrücken. „Ein Beamter würde sich weigern, hier zu arbeiten“, sagt Rahmini. Er zeigt Löcher im Boden seines Containers: „Hier haben sich Ratten vom benachbarten Bahndamm förmlich reingefressen.“ Etliche Notärztinnen und Assistentinnen hätten sich wegen der Ratten geweigert, ihre Einsätze von Mülheim aus zu fahren.
Im Aufenthaltsraum des Containers sitzt auch die Besatzung eines Rettungswagens und wartet auf den nächsten Einsatz. Ansonsten verfügt jeder Mitarbeiter über eine Kammer, in der ein Bett und ein Stuhl Platz haben. Für einen Spind reicht es nicht. „Unsere Praktikantin hat nicht mal einen Raum, um sich mal zurückzuziehen“, erzählt Patrik Lievertz. Einige der Einsatzgeräte seien in einem sehr schmalen Gang untergebracht, in den nur einer passe. Männer und Frauen haben auch keine getrennten Toiletten und Duschräume. Rahmini sagt: „Dabei entsprächen getrennte sanitäre Anlagen den Mindestanforderungen.“

„Ich kann nicht verstehen, was die Ratspolitiker noch diskutieren müssen“, wundert sich Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs über den Aufschub, den sich der Ausschuss erbeten hat. „Hier wird doch kein Luxus geplant.“

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