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Lärmschutz: Güterzüge stören Anwohner

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Dieter und Renate Jahnke (v.l.) sowie Peter David beklagen den fehlenden Sicht- und Lärmschutz an der Bahntrasse in Mülheim.  Foto: Schäfer
Seit der Fällung von Bäumen an der Bahntrasse klagen Anwohner in Mülheim über eine erhöhte Lärmbelastung. Jetzt schaltet sich auch die Stadtverwaltung ein und verbucht erste Erfolge im Kampf gegen die Baumfäller.  Von
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Die Bewohner der Häuser in der Montanusstraße 22 bis 44 können seit etwa einem Jahr nicht mehr ruhig schlafen. Seit der Mieter eines Bahngrundstücks hinter ihren Wohnblocks etwa 15 Bäume gefällt hat und zahlreiche Büsche entfernte, um mehr Platz für eine Lagerfläche zu schaffen, sind sie verstärkt Lärm ausgesetzt.

Der Grund: Sie leben in Nachbarschaft des Mülheimer Bahnhofs, und der Lärm vorbei fahrender Züge trifft seit der Fällung ungefiltert auf ihre Fenster und Balkons. "Seitdem die Bäume weg sind, klappert bei uns das Geschirr im Schrank, wenn ein Güterzug vorbeifährt", beklagte sich Peter David, der Sprecher des Eigentümerbeirats der ehemaligen Eisenbahnerwohnungen. Die Bäume und Sträucher hätten zuvor als Lärm- und Sichtschutz gedient.

Davids Nachbarn Dieter und Renate Jahnke haben festgestellt, wie sich die Baumfällung auswirkt. "Es ist sehr laut worden, wenn Züge auf Gleis eins fahren", sagt Dieter Jahnke. Besonders schlimm sei es, wenn in der Nacht Güterzüge hier entlang donnern, deren Fahrwerke weniger geräuschdämmend seien als die von Personenzügen. Im Sommer auf der Terrasse frühstücken oder Kaffee trinken können er und seine Frau kaum noch. Bei offenem Fenster zu schlafen, gehöre auch der Vergangenheit an.

Bahn hat das Grundstück vermietet

David beschwerte sich wiederholt bei der Grundstückseigentümerin Deutsche Bahn. Auch mit der Stadtverwaltung nahm er Kontakt auf. Doch die Bahn konnte nicht helfen. "Uns sind die Hände gebunden", bedauert ein Bahn-Sprecher. Zwar habe die Bahn gegen ihren Mieter wegen Sachbeschädigung einen Strafantrag gestellt. Doch sei es zu keinem Verfahren gekommen.

Baumschutzsatzung

Nach § 45 Landschaftsgesetz NRW darf jede Gemeinde eine Baumschutzsatzung erlassen, um Stadtbild und Stadtklima zu schützen. In ihr wird festgeschrieben, wann private Grundstückseigentümer Bäume auf ihrem Grundstück fällen dürfen.

In Köln sind alle Bäume mit einem Stammumfang von 100 Zentimeter in einem Meter Höhe geschützt. Ausgenommen: Koniferen, Säulenpappeln und Obstbäume. Bei Baumgruppen und -reihen reicht ein Umfang von 50 Zentimetern. (aef)

Mehr Glück hatte die Stadtverwaltung: Das Umweltamt verhängte ein Bußgeld, der Baumfäller klagte dagegen, so Achim Moers, Abteilungsleiter im Amt für Umwelt und Verbraucherschutz. Die Bäume seien durch die Kölner Baumschutzsatzung geschützt gewesen. Ein Fällung hätte unter Auflagen - etwa der Pflanzung von Ersatzgehölzen - genehmigt werden müssen. Ende Dezember habe ein Gerichtstermin stattgefunden, bei dem der Grundstücksmieter zu einem Bußgeld verurteilt worden sei. Außerdem wurde er verpflichtet, 25 neue Bäume an der gleichen Stelle zu pflanzen. Moers ist zufrieden: "In solchen Verfahren ist es selten, dass ein Gericht unserer Auffassung folgt." Meist seien die Klagen der Stadtverwaltung wegen Geringfügigkeit abgewiesen worden, was ihn persönlich sehr ärgert. Moers: "Wir hoffen, dass das Urteil ein Anfang ist und die Gerichte endlich umdenken. Mitarbeiter des Umweltamts werden sich nun mit der Bahn und dem Grundstücksmieter treffen, um abzustimmen, wo genau die neuen Bäume gepflanzt werden sollen. "Auf alle Fälle wird es am alten Standort sein", so Moers.

Peter David atmet auf: "So haben wir uns doch noch durchgesetzt." Er habe von Anfang an darauf vertraut, dass eine Neuanpflanzung komme. Zwar werden die neuen Bäume Zeit brauchen, bis sie groß genug gewachsen sind, den gewohnten Lärm- und Sichtschutz gewährleisten. Doch: "Wir haben Geduld und freuen uns."

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