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Mädchenzentrum: Familiäre Atmosphäre, nur für Frauen

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Lobby-Besucherinnen (v.l.): Carmen, Mitarbeiterin Berivan, Mogultay, Queenisha und Gueneba. Foto: Christ
Der Mädchentreff an der Buchheimer Straße in Mülheim hat sein Angebot ausgeweitet und bietet nun auch Gesundheitsberatung und Hilfe beim Berufseinstieg an. Für viele Besucherinnen ist das Zentrum zu einer zweiten Familie geworden.  Von
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Jeden Tag kommt Queenisha an die Buchheimer Straße 56 – ihren echten Namen will die junge Frau nicht verraten. Dann diskutiert sie mit anderen Mädels über Gott und die Welt. Toleranz werde großgeschrieben, sagt die 19-Jährige, die einst in Togo geboren wurde: „Wir sind offen für jeden, wir grenzen hier niemanden aus.“ Zu Hause sei es oft langweilig – hier nicht.

Bisher hieß die Anlaufstelle in Mülheims Zentrum interkultureller Mädchentreff der Lobby für Mädchen – ein Rückzugsraum ganz ohne Jungs und Männer. Weil das Angebot seit Kurzem um ein Gesundheitsprojekt sowie Hilfe bei der Berufsfindung erweitert wurde, ist daraus das Mädchenzentrum geworden. Bei einem Tag der offenen Tür machten sich die Besucher ein Bild von den Aktivitäten des Trägervereins Lobby für Mädchen, der auch in Ehrenfeld einen Standort betreibt.

Probleme werden ernst genommen

Bereits seit Längerem gibt es den offenen Treff, in dem sich die jungen Besucherinnen kreativ und handwerklich betätigen. Bei der Mädchenberatung geht es um handfeste Probleme. Wegen sexualisierter Gewalt, Essstörungen oder – immer häufiger – Mobbing im Internet wenden sich heranwachsende und junge Frauen an die Mitarbeiterinnen. „Viele Mädchen kommen aus Verhältnissen, in denen sie von den Eltern nicht genug Unterstützung bekommen können“, sagt Frauke Mahr, Gesamtkoordinatorin des Vereins Lobby für Mädchen. „Hier werden sie ernst genommen.“

Neu ist das Gesundheitsprojekt „Leib & Seele“. Die jungen Teilnehmerinnen aus nicht-europäischen Ländern lernen das deutsche Gesundheitssystem und ihren eigenen Körper kennen. „Oft sind die Mädchen nicht aufgeklärt“, sagt Mahr. Ihr Verhältnis zum eigenen Körper sei schambesetzt. Ärztinnen kommen in die neu angemieteten Räume, um über Sexualität, Ernährung und Hygiene mit den Mädchen zu sprechen. Für drei Jahre ist das Projekt dank Spenden der Aktion Mensch gesichert: Mit 151.000 Euro trägt die Förderorganisation den Hauptteil der Kosten.

„Wie eine kleine Familie“

Die Ausbildungsinitiative wird von der Rhein-Energie-Stiftung Jugend und Wissenschaft gefördert. Hier werden Mädchen ab 14 Jahren beim Start ins Berufsleben unterstützt: Sie sollen ihre Stärken herausfiltern und lernen, sich richtig zu bewerben oder ein Praktikum zu finden. Auch ihr Selbstbewusstsein braucht manchmal Nachhilfe. Oft werde Mädchen zu wenig zugetraut, hat Mahr festgestellt: „Gewisse Möglichkeiten werden bei ihnen nicht in Betracht gezogen oder sie trauen es sich selbst nicht zu.“ Bisher reichen die Sponsorengelder in Höhe von 15 000 Euro nur für ein Jahr. „Wir hoffen, dass es eine Verlängerung gibt“, sagt Mahr.

Zwischen 60 und 100 Mädchen im Alter von zehn bis 24 Jahren kommen regelmäßig an die Buchheimer Straße. 13 Mitarbeiterinnen sind Ansprechpartner für sie in dem Treff. „Hier haben sie einen Ort, an dem es nicht um das Gefallen und die Attraktivität geht“, sagt Mahr. Ein Ort, den viele Mädchen „ausgesprochen gut brauchen können“. Für Queenisha ist das Mädchenzentrum „wie eine kleine Familie“: „Es ist total praktisch, dass man hier unter Mädels ist.“ Wahrscheinlich komme sie noch, wenn sie 30 Jahre alt sei, sagt sie.

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