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Sparpläne: Das Ende des Kulturbunkers droht

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Mit Flugblättern und einem Protest-Café wehren sich Kulturbunker-Aktive gegen die drohende Schließung der Begegnungsstätte. Foto: Christ
Der Kulturbunker Mülheim kämpft gegen die geplanten Etatkürzungen und die drohende Schließung. Ein Ende der Institution wäre nicht nur ein kultureller Verlust für den Stadtteil, sondern würde die Stadt Köln auch viel Geld kosten.  Von
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Das Wetter spiegelt die Situation ganz gut wieder. Es regnet in Strömen, als Helmut Goldau auf dem Marktplatz an der Berliner Straße Flugblätter verteilt. „Rettet den Kulturbunker“ steht groß darauf. Der 64-Jährige mit der randlosen Brille ist in der Geschichtswerkstatt Mülheim aktiv und weiß um die Bedeutung der Begegnungsstätte, die derzeit auch im übertragenen Sinn im Regen steht. Das Kulturamt hat vorgeschlagen, die 80 000 Euro, mit denen der Kulturbunker jährlich bezuschusst wird, zu streichen.

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Für die Verantwortlichen würde dies das Ende des Betriebs bedeuten. Obwohl der Rat noch nicht endgültig entschieden hat, fließt schon jetzt kein städtisches Geld mehr. Die beiden fest angestellten Kräfte werden aus den Mieteinnahmen bezahlt, die in der Karnevalszeit zum Glück kräftiger als sonst fließen. Goldau, in Mülheim seit mehr als 30 Jahren zu Hause, hat kein Verständnis für die Sparpläne: „Es ist schlimm, dass eine Institution, die über so viele Jahre entstanden ist und in einem Stadtteil wie Mülheim nicht ohne öffentliche Unterstützung existieren kann, geschlossen werden soll.“

Kultur für kleines Geld

Auch Helmut Goldau (rechts) wehrt sich gegen die drohende Schließung des Kulturbunkers.
Auch Helmut Goldau (rechts) wehrt sich gegen die drohende Schließung des Kulturbunkers.
Foto: Christ

Im Zweiten Weltkrieg suchten viele Mülheimer in der wuchtigen Betonanlage Schutz vor dem Bombenhagel. Später verrottete der Komplex zusehends, er wurde zum Schandfleck im Mülheimer Norden. Erst Ende der 1980er Jahre entdeckte eine Gruppe von Kulturbegeisterten den in Kirchenform gebauten Hochbunker wieder und veranstaltete dort Theater oder Konzerte. 1991 gründete sich der Kulturbunker-Verein, neun Jahre später wurde das Gebäude grundlegend saniert.

„Es hat lange gedauert, dem Bunker die bedrohliche Seite zu nehmen“, sagt Goldau: „Der Verein hat aus dem Kriegsgebäude ein Kulturgebäude gemacht.“ Der Hobby-Historiker drückt auch Renate Seifert ein Flugblatt in die Hand. Sie wohnt zwar in Lindlar, hat den Kulturbunker aber schon oft besucht. Die Schließung wäre „für die Leute, die hier wohnen, ganz ungünstig“, sagt Seifert. Der Bunker sei für viele Menschen im Stadtteil die einzige Anlaufstelle, die Kultur für kleines Geld biete. Das Ende des Betriebs wäre „furchtbar“.

Freitags kostenloses Protest-Frühstück

Helmut Goldau lädt die Passanten auch zum „Protest-Café“ ein. Jeden Freitag ab 10 Uhr bittet das Bunker-Team ab jetzt zum kostenlosen Frühstück. Die Gäste sollen sich über die prekäre Lage informieren und sich solidarisch zeigen. An diesem Morgen ist auch Brigitte Milhan in das Bunker-Café gekommen. „Was haben wir denn sonst?“, fragt die 73-Jährige energisch: „Für uns ist der Kulturbunker Mülheims Kulturstätte.“ Bei Kaffee und Brötchen regt sich auch Wilhelmine Streuter, bis vor kurzem Sozialraumkoordinatorin für den Mülheimer Norden, herzlich über den städtischen Sparkurs auf. „Die einzelnen Ämter kommunizieren nicht“, sagt sie.

Freitags wird ab sofort regelmäßig das Protest-Café stattfinden.
Freitags wird ab sofort regelmäßig das Protest-Café stattfinden.
Foto: Christ

In Kürze solle die Umgebung des Bunkers für viel Geld neu gestaltet werden: „Ohne den Kulturbunker kann die Belebung des Umfelds aber nicht funktionieren.“ Karnevalspartys, Schulveranstaltungen, Laientheater – das Programm in den dicken Bunkermauern ist vielfältig. Im vergangenen Jahr sei die Nachfrage besonders gut gewesen, sagt Angestellte Vera Peltzer: „Ich hatte das Gefühl, dass es aufwärtsging.“

Ende wäre finanzielles Desaster

Bernd Schönau vom Kulturbunker-Verein steigt die Treppen herauf zu den modernen Technikräumen. Mit Landesmitteln wurde der Bunker vor 13 Jahren umfassend saniert. Würde er nun geschlossen, müsste die Stadt 450 000 Euro Fördermittel an das Land zurückzahlen. Denn das Land zahlte nur unter der Voraussetzung, dass der Bunker mindestens 20 Jahre lang als Begegnungsstätte genutzt wird. Das Ende des Bunkers – für Helmut Goldau wäre es auch finanziell desaströs: „Es wäre keine Sparmaßnahme, sondern eine Mehrausgabe.“

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