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Stegerwaldsiedlung: Eine Siedlung fast ohne Geschäfte

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Nach dem Aus für den Pennymarkt haben für Willi Schäfer vor allem die Senioren das Nachsehen. Foto: Christ
Vor allem für ältere Menschen ist die Schließung der Penny-Markt-Filiale im Zentrum der Stegerwaldsiedlung ein Ärgernis. Jetzt bleibt den Anwohner eine Apotheke, eine halbtags geöffnete Bäckerei und ein Discounter am Rande der Siedlung.  Von
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Auf die Überraschung folgt das Unbehagen. Immer wieder wundern sich Leute, dass sich die roten Türen nicht öffnen wollen. Es hat sich noch nicht überall herumgesprochen, dass der Penny-Markt – der einzige Supermarkt mitten in der Mülheimer Stegerwaldsiedlung – nach 15 Jahren für immer geschlossen bleibt: Am vergangenen Wochenende war der letzte Verkaufstag in dem Flachdachgebäude an der Adam-Stegerwald-Straße.
„Das finde ich nicht in Ordnung“, sagt Hildegard Schoenemakers, die in der Stegerwaldsiedlung aufgewachsen ist und regelmäßig dort zu Besuch ist: „Viele Ältere waren auf den Supermarkt angewiesen.“ Die Schließung sei ärgerlich, sagt die Stammheimerin, für die das Ende dieser Einkaufsmöglichkeit ebenfalls aus heiterem Himmel kam.

Ladenfläche ist zu klein

Für einen anderen Kunden geht sogar so etwas wie ein Treffpunkt im Quartier verloren. „Das war der einzige Meeting-Point hier“, sagt der Mann und eilt davon.

Die Filiale sei wegen der großen Konkurrenz durch einen neuen Discounter an der Deutz-Mülheimer-Straße geschlossen worden, sagt Engelbert Müller, Prokurist der Deutschen Wohnungsgesellschaft „Dewog“, der die meisten Gebäude in der Siedlung gehören. Ein Sprecher der Rewe-Group, zu der Penny gehört, bestätigte wirtschaftliche Zwänge: Durch den Discounter habe sich der Wettbewerb „deutlich verschärft“. Außerdem habe der Zuschnitt der Filiale nicht mehr den Anforderungen an einen zeitgemäßen Supermarkt entsprochen. Sie sei zu klein, außerdem fehle es an Parkplätzen. Zuletzt seien nur noch kleinere Einkäufe getätigt worden, so der Sprecher.

Einen neuen Supermarkt wird es wohl nicht geben. Die 600 Quadratmeter Ladenfläche seien uninteressant für Supermarkt-Betreiber, sagt Müller: „Andere Filialisten gehen nicht mehr auf diese kleinen Flächen.“ Wegen des begrenzten Platzangebots sei auch eine Erweiterung nicht möglich. Stattdessen werde nun über den Bau neuer Mehrfamilienhäuser oder Reihenhäuser auf dem Grundstück nachgedacht.

Versorgung gesichert oder nicht?

Viele Lokale, wie hier an der Sonnenscheinstraße, stehen leer.
Viele Lokale, wie hier an der Sonnenscheinstraße, stehen leer.
Foto: Christ

Für Müller ist die Nahversorgung durch den Discounter gesichert. Willi Schäfer, Vorsitzender der Bürgerinteressengemeinschaft Deutz-Nord, sieht das etwas anders: Zumindest für die vielen Senioren der Siedlung sei der Weg dorthin beschwerlich. So liege der Discounter am Rand der Stegerwaldsiedlung, der Penny-Markt befand sich hingegen im Zentrum und war von allen gut zu erreichen. Besonders diejenigen, die im nördlichen Teil der Ulitzkastraße wohnten, hätten es nun weiter zum Einkaufen, so Schäfer.

Der 77-Jährige hat schon viele Geschäfte in der Stegerwaldsiedlung eingehen sehen. Ab Mitte der 1950er Jahre wurden die dortigen Mehrfamilienhäuser in die Höhe gezogen, wegen seiner Insellage wird das Viertel auch Krim genannt. „Wir hatten mal zwei Blumengeschäfte, einen Metzger, zwei Bäckereien und drei Supermärkte“, sagt Schäfer, der einst selbst einen Supermarkt betrieb. Bis Mitte der 1980er Jahre hinein sei die Versorgungslage gut gewesen: „Dann ging es abwärts.“ Zuletzt machte auch die Sparkassen-Filiale dicht. Vor allem die Sonnenscheinstraße macht wegen ihrer verwaisten Ladenlokale einen düsteren Eindruck.

Wohnungen statt Gewerbe

„Die Gewerbeflächen, die wir haben, sind für die heutigen Ansprüche nicht groß genug“, sagt Müller. Möglicherweise würden auch die ehemaligen Ladenlokale an der Sonnenscheinstraße durch öffentlich geförderte Mietwohnungen ersetzt. Dafür gebe es reichlich Nachfrage in Köln. Eine Apotheke, eine halbtags geöffnete Bäckerei und der Discounter – das sei alles, was die Stegerwaldsiedlung noch zu bieten habe, klagt Willi Schäfer. Gleichzeitig gebe es immer mehr ältere Menschen, für die weite Wege eine Belastung seien.

Für Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs ist das Problem nicht neu. Auch in der Bruder-Klaus-Siedlung und in der Donewaldsiedlung in Dünnwald gebe es Schwierigkeiten mit der Nahversorgung. Die Kaufkraft sei dort zu gering für einen florierenden Einzelhandel, so Fuchs. Die großen Filialisten interessiere vor allem der Umsatz. Daran könne auch die Politik nichts ändern. Möglicherweise spüle eines Tages die unter dem Titel „Euroforum Nord“ geplante Wohnbebauung gegenüber der Stegerwaldsiedlung mehr Kaufkraft in das Quartier, sagt Fuchs. Das Bauprojekt „wird der Stegerwaldsiedlung gut tun“. Allerdings gebe es noch keinen Investor. Schnelle Hilfe für die Stegerwaldsiedlung ist nicht in Sicht.

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