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Ü-60-Party: Senioren entern die Tanzfläche

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Tanzen in den TV-Terrassen: Das Senioren-Netzwerk Dellbrück lädt einmal im Monat zur „Ü-60-Party“, aber auch Jüngere dürfen kommen. Foto: Christ
Bei den Ü-60-Partys des Dellbrücker Seniorennetzwerks wird ausgelassen gefeiert und getanzt. Ein mal im Monat treffen sich bei der Veranstaltung lebenslustige Tänzerinnen und Tänzer im Restaurant des Turnvereins Dellbrück.  Von
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Dellbrück

Zwischenzeitlich weiß DJ Tobias Berger nicht mehr weiter. Etwas verzweifelt steht er hinter der Theke der Dellbrücker TV-Terrassen, zerrieben zwischen der Schlager- und der Rockfraktion. Die einen, die in der Sitzecke, stehen auf Wolle Petry und Rex Guildo. Die anderen haben sich am Stehtisch zusammengetan und lieben es progressiver. „Wir würden gern die klassischen Oldies hören“, sagt Sigrid von der Stehtisch-Fraktion: „Nicht diese Schlager, Roy Black und solchen Scheiß.“

Ihren Nachnamen will Sigrid nicht verraten: „Der Name interessiert nicht, schreiben Sie »agile 70-Jährige«“. So wie viele ihrer Bekannten will die lebenslustige Frau mit den kurzen grauen Haaren ihre Abende nicht gestalten. Sie hat bessere Ideen, als vor dem Fernseher zu sitzen. Zur „Ü-60-Party“ des Dellbrücker Senioren-Netzwerks gehen zum Beispiel. „Tanzen ist schließlich die gesündeste Bewegungsart, die es gibt“, sagt Sigrid.

Feiern wie in Jugendzeiten

Tanzen, plaudern, Bier trinken – was die Jugend kann, können die Senioren von heute schon lange. Kaffeefahrten waren gestern, heute wird Party gemacht. Jedenfalls in Dellbrück. Laut Michaela Bassiner, Koordinatorin des Senioren-Netzwerks Dellbrück, sucht die Ü-60-Party bisher ihresgleichen: „Das höchste, wovon ich bisher gehört habe, war eine Ü-50-Party“. Bisher standen beim Senioren-Netzwerk Literaturkreise oder Englischkurse auf dem Programm, die Ü-60-Partys sind der neueste Versuch, ältere Menschen zu aktivieren. Beziehungsweise die „neue Generation von alten Menschen“, wie es Bassiner ausdrückt.

Die Ü-60-Party des Kölner Seniorennetzwerks

Die insgesamt 43 Kölner Senioren-Netzwerke werden von verschiedenen Wohlfahrts-Organisationen getragen. Das Deutsche Rote Kreuz ist der Träger des Dellbrücker Netzwerks.

Die Ü-60-Partys, zu der auch Gäste unter 60 willkommen sind, finden im Winter einmal im Monat statt.

Der nächste Termin ist Freitag, 8. Februar, um 19 Uhr in den TV-Terrassen an der Mielenforster Straße 40. Dann steht eine Karnevalsparty auf dem Programm.

Die Karten kosten im Vorverkauf (Buchhandlung Baudach, Dellbrücker Hauptstraße 111) 7 Euro, an der Abendkasse 9 Euro. (cht)

www.seniorennetzwerke-koeln.de

Wer heute zwischen 60 und 70 ist, war jung, als die so genannten 68er auf die Straße gingen, um überkommene Strukturen aufzubrechen. Die Soundtracks zur Studentenbewegung lieferten Jimi Hendrix oder Jim Morrison, Roy Black eher nicht. „Durch die gesellschaftliche Revolution von damals hören die eine ganz andere Musik“, sagt Bassiner, die die Ü-60-Party ins Leben rief, um mal etwas anderes zu bieten als Tanztees mit Allein-Unterhalter und Sahnetorte.

Noch in der Erprobungsphase

Noch hält sich der Ansturm in Grenzen, wenn das Senioren-Netzwerk zur Party in das Restaurant des Turnvereins Dellbrück bittet. An diesem Abend haben sich etwa 15 Gäste eingefunden, die Party-Premiere im vergangenen Jahr war deutlich besser besucht. „Wir sind noch in der Erprobungsphase“, sagt Mona Klutznick, die die Dellbrücker Freizeitgruppe „Komm“ mit“ organisiert und sich für die Partys engagiert.

Noch gehen auch die Meinungen zum Musikprogramm auseinander. Am Ende hat die Sitzecken-Fraktion das Nachsehen: Sigrid und die anderen vom Stehtisch entern die Tanzfläche, denn DJ Tobias Berger hat die Wolle-Petry-CD beiseite gelegt. Als Tina Turner, Johnny Cash und die Bee Gees ertönen, ist auch Heinz Devrient nicht mehr zu stoppen. „Da kann das Fernsehen nicht gegen an“, sagt der 74-Jährige, zieht seine Strickjacke aus und legt eine heiße Sohle aufs Parkett. Seit Jahren schon sei er nicht mehr ausgegangen, so der Witwer und Diplom-Physiker im Ruhestand: „Das hier ist eine gute Möglichkeit, mal wieder unter die Leute zu kommen.“

Sigrid ist sichtlich zufrieden mit dem Abend. „Meine Eltern sind gewandert, das war es dann.“ Sie spiele Tischtennis, singt im Chor, walkt – und geht auf Partys. „Wir wirken doch heute ganz anders als früher die älteren Frauen, mit 60 hatte meine Oma graue Haare und einen Dutt.“ Heute wirken selbst 70-Jährige ganz schön agil.

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