27.08.2016
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Necati Arabaci ist aus dem Schneider

Köln - „Es tut mir Leid, wenn Sie irgendwelche Unannehmlichkeiten hatten“, sagte Oberstaatsanwalt Egbert Bülles gestern Nachmittag zu Necati Arabaci, nachdem er den Antrag auf nachträgliche Sicherungsverwahrung gegen den 34-Jährigen zurückgezogen hatte. Hätte die 1. Große Strafkammer des Landgerichts dem Antrag stattgegeben, hätte der „Rotlichtpate“ länger als die neun Jahre im Gefängnis bleiben müssen, zu denen er im Herbst 2004 unter anderem wegen Rädelsführerschaft in einer kriminellen Vereinigung, schweren Menschenhandels und Zuhälterei verurteilt worden war.

Der Antrag der Staatsanwaltschaft stützte sich auf Protokolle von Gesprächen, die Arabaci im Besuchsraum der Justizvollzugsanstalt Wuppertal geführt hatte und die heimlich aufgezeichnet worden waren. Aus mehreren Äußerungen schloss die Anklagebehörde, vom Verurteilten gehe weiterhin eine große Gefahr für die Allgemeinheit aus. Er habe die Absicht, nach der Haftentlassung vom europäischen Ausland aus seinen „bestimmenden Einfluss“ auf das Kölner und überörtliche Rotlicht- und Türstehermilieu auszuüben und seine „kriminellen Machenschaften in gewohntem Umfang fortzusetzen“. Ebenso ergebe sich aus den Gesprächen, dass er sich an „bestimmten Personen “ blutig rächen wolle. Allerdings waren vor Beginn des neuen Prozesses die zwei Ermittlungsverfahren eingestellt worden, die von dem Verdacht ausgingen, Arabaci wolle Oberstaatsanwalt Jürgen Botzem ermorden lassen, und von der Vermutung, er wolle die kriminelle Vereinigung weiterführen oder neu gründen.

Gestern wurden Ausschnitte der im Besuchsraum teils auf Deutsch, teils auf Türkisch geführten Gespräche vorgespielt. Bereits beim ersten Ausschnitt, dessen Aufnahmequalität wie die vieler anderer zu wünschen übrig ließ, mühten sich die beiden Dolmetscher, den Wortlaut zu verstehen und exakt auf Deutsch wiederzugeben - und konnten stellenweise die schriftliche Übersetzung nicht bestätigen. Die Verteidiger hielten die Gespräche ohnehin alles in allem für harmlos. „Da ist keine Substanz drin“, sagte Anwalt Steffen Ufer am Rande des Prozesses. Es handele sich um „typische Knastgespräche“; drastisch wirkende Äußerungen seien „situationsadäquat“, etwa die häufige Rede davon, jemanden zu „ficken“ im Sinne von „fertig machen“.

„Sie sollen nicht das Gefühl haben, wir hätten nur zu Ihren Lasten ermittelt“, sagte Bülles zu Arabaci. Man habe sich auf die Übersetzung der Polizei verlassen - und werde künftig zusehen, wie deren Korrektheit besser kontrolliert werden könne. Der Kammer blieb nur festzuhalten, dass der Antrag im Hinblick auf „Übersetzungsdifferenzen“ zurückgezogen werde. Polizeisprecher Jürgen Göbel betonte hinterher, der polizeilich bestellte Dolmetscher, der die Übertragungen angefertigt hat, halte an seinem „Übersetzungsergebnis“ fest. Man nehme „den Vorfall zum Anlass, die Gespräche nochmals von einem unabhängigen Dolmetscher überprüfen zu lassen“.


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