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Auszeichnung: Danke erhält Holzbaupreis Eifel

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Gemeinsam mit den Gastgebern und Juroren formierten sich die innovativen Architekten und Bauherren zum abschließenden Gruppenfoto.  Foto: Claudia Hoffmann
Der Gehner Architekt Michael Danke hat den Holzbaupreis Eifel gewonnen. Bei seinem Massivholzhaus handelt es sich laut Jury-Urteil um ein besonders nachhaltiges Bauwerk mit hoher Wärmespeicherung und einem hervorragendem Raumklima.  Von
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Kreis Euskirchen/Nettersheim

Eigentlich war es ein traumhaft schöner Apfelbaum, der letztlich dafür gesorgt hatte, dass die Winkelkonstruktion des Wohnhauses von Michael Danke architektonisch noch einen Tick pfiffiger wurde. Um den Baum bewahren und seinen Anblick auch nach der Realisierung des Bauprojekts genießen können, hatte der Gehner Architekt die Wände des monolithischen Holzhauses in seinem Garten kurzerhand schräg geschoben.

Innerhalb von nur sechs Monaten und mit einem Budget von 200.000 Euro war das Gebäude Ende Juli 2011 fertiggestellt worden – ohne Leim und einen einzigen Nagel. Am Freitag wurde das Haus im Nettersheimer Holzkompetenzzentrum unter großem Publikumsbeifall mit dem „Holzbaupreis Eifel“ ausgezeichnet.

22 Tonnen Weißtanne

Der Clou ist die Massivholzbauweise aus 22 Tonnen Weißtannenbohlen, die untereinander mit Buchendübeln verbunden sind. Durch die unterschiedliche Ausdehnung der beiden Holzarten verspannen sich die Dübel und verbinden die 20 bis 40 Zentimeter dicken Holzbohlen der Wand-, Decken- und Bodenelemente.

Holzbaupreis
Im Wohnzimmer gibt ein riesiges Glasaufenster den Blick auf den vier Meter tiefer gelegenen Garten frei. Laut Jury erscheint die Natur dort „wie in einem Bildausschnitt“.
Foto: Hoffmann

Zur Winddichtigkeit war das gesamte Gebäude mit einer Weichfaserplatte umhüllt worden und auf Lattung gegen Regen mit einer Faserzementplatte in Spitzschablonendeckung „schuppenartig“ geschützt– eine in der Eifel schon immer verwendete Verkleidung an den Wetterseiten der Häuser.

„Die Innenräume bestechen durch ihre den Himmelsrichtungen zugeordneten, divergierenden Ausblicke“, sagte der Jury-Vorsitzende Joachim Seinecke in seiner Laudatio. In diesem Zusammenhang war man vor allem von der rahmenlosen Konstruktion des 4,60 Meter mal 3 Meter großen Glasfensters im Wohnzimmer begeistert, das den Blick in den vier Meter tiefer gelegenen Garten freigibt und die Natur „wie einen Bildausschnitt“ darstellt.

Kubischer Baukörper

Als Raumtrenner fungiert in dem modernen kubischen Baukörper eine zweite, rechteckige Röhre, in der das kleine Badezimmer untergebracht ist. Dort wurde eine Decke auf 2,30 Meter Höhe eingezogen, die auf beiden Längsseiten Öffnungen erhielt, damit das Sonnenlicht über die darüber liegenden Dachflächenfenster in den Raum fluten kann.

Bei dem Massivholzhaus handelt es sich laut Jury-Urteil um ein besonders nachhaltiges Bauwerk mit hoher Wärmespeicherung und einem hervorragendem Raumklima, denn der massiv hölzerne Innenraum ist bauphysikalisch außerordentlich feuchtigkeitsausgleichend und bei der Berührung immer warm.

Die Auskühldauer beträgt mehr als 240 Stunden. Um die Alterung des Holzes zu verhindern, wurden alle Innenwandseiten und Deckenuntersichten mit einer milchfarbigen Weißlasur versehen.

Keine leichte Entscheidung

Wie schon bei der Premiere des „Holzbaupreises Eifel“ im Jahr 2008 hatten es die elf Juroren auch diesmal nicht leicht, Preisträger aus den insgesamt 31 eingereichten Arbeiten auszuwählen. „Sie alle belegen, mit welcher Freude und mit welchem Engagement die Einsender ihre Ideen in den Holzbau eingebracht haben“, skizzierte Laudator Seinecke.

Wie innovativ der nachwachsende Rohstoff sogar auf engstem urbanen Raum einsetzbar wird, hatte zuvor Professor Jörg Wollenweber aus Aachen in einem Vortrag aufgezeigt.

Der zweite Preis des Abends ging in die Nachbarregion. Dem Friedhofspavillon in Düren, der ein Café und Versammlungsräume für Trauergäste vereint, bescheinigte die Jury eine besondere „skulpturale Qualität“ mit Beispielcharakter „für die hochwertige und innovative Verwendung des Baustoffes Holz“.

Separate Anerkennung zollte die Jury überdies einem Hotelnebengebäude mit Außenbekleidung aus Zedernholz im belgischen Stavelot und einer Lagerhalle in Weidingen, die einer Feldscheune nachempfunden worden war. Dies sind Gebäude, die in den Augen der Juroren „den Weg für ein verantwortungsvolles Bauen weisen, wirtschaftlich und architektonisch attraktive Lösungen hervorbringen und gleichermaßen die Anforderungen an Umwelt und Ressourcenschonung erfüllen“.

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