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Podiumsdiskussion: Im Südkreis vier Hausärzte zu viel

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An der Podiumsdiskussion zum Thema „Südkreis ohne Ärzte“ nahmen Mediziner, Verwaltungsvertreter und Politiker teil.  Foto: Stephan Everling
Mediziner, Politiker und Verwaltungsvertreter debattierten in Nettersheim über das Thema „Südkreis ohne Ärzte“. Laut neuer Bedarfsplanung sind die kleinen Kommunen in der Eifel aber sogar über Gebühr versorgt.  Von 
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Kreis Euskirchen/Nettersheim

Eine böse Überraschung wartete auf jeden, der am Donnerstagabend nach Nettersheim gekommen war, um zu erfahren, wie man den Ärztemangel im Südkreis entgegenwirken kann. Denn im Laufe der Diskussionsveranstaltung im Holzkompetenzzentrum wurde deutlich, dass nach der neuesten Bedarfsplanung nicht etwa zu wenig, sondern ganz im Gegenteil vier Hausärzte zu viel im Altkreis Schleiden praktizieren. Wenn am 1. Juli das neue System der Ärztebedarfsplanung in Kraft tritt, entstehen dagegen im Nordkreis neun zusätzliche Stellen für Hausärzte.

Diese Zahlen sind allerdings vorläufig. Bisher wurden die freien Stellen für Arztpraxen auf Kreisebene betrachtet. Um die ländlichen Regionen gerechter beurteilen zu können, werden nach dem neuen Verfahren kleinere Einheiten als Grundlage genommen. Der Kreis Euskirchen weist künftig drei Bereiche auf: den Nordkreis, das Stadtgebiet Mechernich und den Südkreis.

„Nackte Gewalt der Zahlen“

Die neuen Berechnungen wurden fast beiläufig von Helmut Schneider, dem Direktor der AOK Euskirchen, und Dr. Joachim Oldendörp von der Kassenärztlichen Vereinigung Kreis Euskirchen kurz vor Ende der Diskussionsveranstaltung „Südkreis ohne Ärzte“ bekanntgegeben. In seinem Schlusswort gab Oldendörp schließlich die Begründung für die neue Berechnung, die er als „nackte Gewalt der Zahlen“ beschrieb. Die Einwohnerzahlen seien nur ein Kriterium von vielen für den errechneten Bedarf. Stattdessen fiele ins Gewicht, dass 40 Prozent der ärztlichen Leistungen von Patienten aus dem Kreis Euskirchen ganz woanders anfallen: in Bonn, Köln oder Aachen. „Die Arztbesuche folgen den Pendlerströmen“, erläuterte Oldendörp. Dort, wo die Menschen arbeiten, gingen sie auch zum Arzt. Eine wohnortnahe Versorgung mit Ärzten stelle dagegen kein Kriterium dar.

Welche Bedeutung das Thema für die Einwohner der Region hat, spiegelte die Zusammenstellung der Zuhörerschaft wieder. Neben Medizinern, Apothekern und Ratsvertretern verschiedener Kommunen hofften mit Herbert Radermacher aus Kall, Rudolf Westerburg aus Hellenthal und Wilfried Pracht aus Nettersheim gleich drei Bürgermeister aus der Region auf Lösungen. Als Vertreter von Politik und Verwaltung saßen Peter Preuß, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, und Manfred Poth, allgemeiner Vertreter des Landrates, auf dem Podium.

Fachärzte fehlen

Zu Beginn hatte der Euskirchener CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Voussem die Situation dargestellt, die sich durch die Schließung der Notfallpraxis am Schleidener Krankenhaus noch verschärft habe und für die Einwohner des Südkreises weite Anfahrten notwendig mache. Besonders Fachärzte fehlten auf dem Land, da sie lieber in Ballungsräume gehen würden. Manfred Poth machte deutlich, dass auch vor den Ärzten der Region der demografische Wandel nicht haltmacht und schon jetzt eine deutliche Überalterung der Eifeler Ärzteschaft festzustellen sei. Dies werde zwar erst in zehn Jahren Probleme bereiten, trotzdem sei es unabdingbar, heute schon gegenzusteuern.

Poth zitierte eine Aufstellung des Kreises aus dem vorigen Jahr, nach der 76,5 Prozent der Hausärzte im nördlichen Teil des Kreises Euskirchen, dagegen nur 23,5 Prozent im Südkreis praktizieren. Besonders eklatant ist die Verteilung bei den Fachärzten, deren Praxissitz zu 84,7 Prozent im Nordkreis liegt. „Wir als Kreisverwaltung haben aber keine Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen“, machte Poth deutlich. Er kritisierte lange Wartezeiten und lange Wege.

Sowohl von Preuß als auch von Schneider wurden Medizinische Versorgungszentren (MVZ), wie bereits in Gemünd und Mechernich realisiert, als Möglichkeit genannt, Ärztesitze in der Region zu halten und jungen Ärzten die Möglichkeit zu geben, als Angestellte ihren Beruf auszuüben. Oldendörp widersprach ihnen und kritisierte, hier werde Medizin nach ökonomischen Kriterien betrieben.

AUTOR
Stephan Everling
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