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Interview mit Karl-Heinz Land: „Es fehlt die digitale Vision“

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Die Gesellschaft vernetzt sich zunehmend. Den Firmen bereitet die Digitalisierung dennoch große Schwierigkeiten. Foto: AFP
Karl-Heinz Land, Technologie-Pionier und Marketingexperte, ist einer der Hauptredner beim Festival Interactive Cologne. Mit ksta.de spricht er über die Digitalisierung und warum sich viele Unternehmen damit so schwer tun.  Von 
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Köln

Am Dienstag hat die Interactive Cologne ihre Pforten geöffnet. Eine Themenwoche an dutzenden Orten der Medienstadt Köln soll den Austausch und die Kreativität fördern. Karl-Heinz Land ist einer der Hauptredner der Veranstaltung.

Herr Land, was haben die Digitalisierung und Charles Darwin gemeinsam?

Karl-Heinz Land: Charles Darwin hat die Evolutionstheorie in der Natur beschrieben. Dabei galt das Prinzip: Nicht die großen oder intelligenten Lebewesen werden überleben, sondern die, die sich am besten und schnellsten an die geänderten Umweltbedingungen anpassen können. Dies gilt auch im Falle der Digitalisierung. Denn die Umweltbedingungen für die Unternehmen haben sich gewaltig verändert: „Adapt or Die“ ist auch hier das Prinzip. Deshalb lässt sich die Evolutionstheorie auch im Zusammenhang mit der Digitalisierung anwenden: Ich nenne es digitalen Darwinismus.

In Kürze erscheint eben zu diesem Thema Ihr Buch, das Sie gemeinsam mit Ralf T. Kreutzer geschrieben haben. Der Untertitel lautet: „Der stille Angriff auf Ihr Geschäftsmodell und Ihre Marke“. Was bedeutet das konkret für deutsche Unternehmen?
Land: Der stille Angriff bedeutet, dass es zunächst fast unhörbar passiert. Zu Beginn geht der Umsatz eines Unternehmens nur um einige wenige Prozente zurück, nur ein paar Kunden gehen verloren. Das ist ein schleichender Prozess. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit dem damaligen Telekom-Vorstand Kai Ricke, der mir sagte: „Skype ist keine Gefahr, die Kunden wollen weiter unseren Service“. Heute wissen wir, dass dies eine grobe Fehleinschätzung war.

Zur Person
Karl-Heinz Land wurde 2006 vom Time Magazine als Technologie-Pionier des Jahres ausgezeichnet.

Karl-Heinz Land, geboren 1962, wurde 2006 vom „Time Magazine“ zum Technologie-Pionier des Jahres ausgezeichnet. Er ist Vizepräsident von MicroStrategy, einer US-Computer Firma, sowie Gründer des Beratungsbüros „neuland“ und Mitgründer der Kölner Entwicklerschmiede „Grand Centrix“. Er lebt mit seiner Familie in Bensberg.

In Kürze erscheint sein Buch „Digitaler Darwinismus“, das er gemeinsam mit Ralf T. Kreutzer geschrieben hat. (dj)

Sie sind ein renommierter Marketingexperte und beraten Kunden in der ganzen Welt, vor allem aber in den USA. Wie weit fortgeschritten ist die Digitalisierung in amerikanischen Unternehmen?

Land: Die Firmen in den USA haben wesentlich früher mit der Digitalisierung begonnen. Das liegt sicher auch daran, dass die Konsumenten in den USA noch schneller auf neue Trends und Technologien anspringen als hier in Europa oder Deutschland. Hiesige Unternehmen benötigen dringend eine digitale Transformationsstrategie.

Welchen Ist-Zustand attestieren Sie denn deutschen Firmen?

Land: Einen schlechten.

Sie sagen das sehr resolut. Warum?

Land: Die wenigsten Firmen in Deutschland haben bisher eine digitale Strategie. Man macht die Dinge eher taktisch. Hier eine App zur Kundenbindung, da ein wenig Online-Vertrieb, aber es fehlt die digitale Vision. Die kann nur vom Top-Management kommen – und da liegt das Problem: Oft werden neue Technologien leider zu selten genutzt, um zu verstehen, welcher Nutzen hierin tatsächlich für das Unternehmen liegt.

Da fällt mir spontan das Stichwort Big Data ein. Viele Unternehmen und Medienhäuser nutzen nach wie vor nur spärlich, wenn gar nicht die Datenmenge, die ihnen zur Verfügung steht. Wie ließen sich diese Datenmengen denn für die Unternehmen monetarisieren?

Land: Da gibt es viele Möglichkeiten. Denken Sie an den Händler, der aufgrund der gespeicherten Vorjahresdaten, etwa Wetter, Umsatz, Bon-Daten, Anzahl der Kunden am Tag, vorhersehen kann, wann er wie viele Kassen öffnen muss, damit die Kunden nicht warten müssen. Denken Sie an Amazon oder iTunes, hier macht Ihnen das System Vorschläge, welche Artikel Sie vermutlich auch noch mögen würden – und regt Sie damit zum Kauf weiterer Produkte an. Ohne Big Data und die Analyse über die wesentlichen Trends des Marktes, meiner Kunden und Interessenten, meines Wettbewerbs, meiner Mitarbeiter und Produkte, fliegen wir blind. Ich habe schon vor mehr als zehn Jahren gesagt, wer hierfür keine Strategie hat, weiß nicht, was seine Kunden und der Markt wünschen – und diese Unternehmen werden nicht überleben.

Und welche Unternehmen werden es am Ende dann sein, die den digitalen Darwinismus überleben?

Land: Die Unternehmen, die den Kunden in den Mittelpunk stellen. Die Unternehmen, die einen Spitzenservice liefern. Diejenigen, die wissen, was ihre Kunden wünschen und den Kunden relevanten, bequemen und guten Service bieten und ihn so zum freiwilligen Markenbotschafter machen.

AUTOR
Daniela Jaschob
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