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Tilo Jungs Videoprojekt: Jung, naiv und auf Spendensuche

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Wie funktioniert eigentlich dieses Betreuungsgeld? In Folge 11 von „Jung und naiv“ ließ sich Tilo Jung das von der CSU-Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär erklären. 
Mit seinem Format „Jung und naiv - Politik für Desinteressierte“ feiert Tilo Jung bei YouTube Erfolge. Jetzt versucht der Polit-Blogger sein Projekt über die große Masse querzufinanzieren — ein Beispiel, wie Crowdfunding in den Medien funktionieren kann.
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Tilo Jung ist 27 Jahre jung, Journalist, in den sozialen Medien bestens verknüpft und jüngst auch permanent auf YouTube aktiv. In seinem Video-Format „Jung und naiv - Politik für Desinteressierte“ fühlt er Politikern, Medienmenschen und Fachexperten als naiver, junger Mann auf den Zahn und lässt sich von ihnen alles ganz genau erklären. Nun versucht er, sein Projekt über die große Masse querfinanzieren zu lassen und hat sich beim Crowdfunding-Portal „krautreporter“ angemeldet. Technisches Equipment benötigt er. Und reisen möchte er im Idealfall auch noch. Ein Gespräch über die Hintergründe, was „Jung und naiv“ eigentlich sein sollte und wie er sich die Zukunft des Projekts vorstellt.

Tilo, du bewirbst „Jung und naiv“ damit, dass es für mehr politisches Verständnis sorgen soll. Gibt es denn ein Schlüsselerlebnis für dich, was dich dazu bewogen hat, das Format ins Leben zu rufen oder ist es eher eine allgemeine Reaktion auf die „Politikverdrossenheit der Jugend“?

Tilo Jung: Der ausschlaggebende Punkt für „Jung und naiv“ war lustiger Weise, dass ich einfach nur Interviewtraining haben wollte. Ich habe sonst immer nur für Zeitungen und das Radio gearbeitet, aber ich wollte einfach mal speziell trainieren, wie ich Interviews vor der Kamera mache. Und ich wollte mich selbst unter Druck setzen, indem ich die Dinger hochlade. Ich hatte aber nicht im Kopf, dass ich das politische Verständnis angehe. Das kam dann erst nach fünf, sechs Folgen, wo auf einmal Feedback kam.

Du bist jetzt bei Folge 29, im Schnitt hast du etwas um 700 Aufrufe. Wie zufrieden bist du denn jetzt mit „Jung und naiv“, gerade unter dem Gesichtspunkt, das es eigentlich nur ein persönliches Training für dich war?

Jung: Ich sehe das noch immer so an, weil mich die Klickzahlen nicht interessieren. Ich wollte auch keine spezielle Seite bauen, weil ich es erstens noch immer als Experiment ansehe. Zweitens will ich sehen, wie es organisch wachsen kann - einfach nur durchs Teilen und Weiterreichen. Ich nehme zwar wahr, dass das eine Video mehr geguckt wird, als das andere und mir ist auch klar warum. Aber mir ist das völlig egal.

Aber dass dich die Klickzahlen nicht interessieren steht ja konträr zu dem Punkt, dass du dich jetzt auf krautreporter.de angemeldet hast und das Projekt jetzt auch noch von außerhalb finanzieren lassen möchtest.

Jung: Mich interessieren die Klickzahlen nicht, weil ich die Klickzahlen nur bedingt beeinflussen kann. Ich bin kein PR- oder Promo-Mann und daher interessiert es mich nicht, wie viele Klicks das Format hat. Die Reaktion ist aber eine ganz andere Sache. Ich wollte auch eigentlich gar kein krautreporter-Projekt machen. Aber dann habe ich rumgefragt, ob die Leute es sich sowas vorstellen könnten. Ich hatte dabei auch ein unangenehmes Gefühl, aber auf der anderen Seite: Das Ding macht mir Spaß und den Leuten anscheinend auch. Also warum nicht beides miteinander verbinden?

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Du hast jetzt über 1.900 € zusammengesammelt in den letzten drei Wochen. Denkst du, du erreichst die 2.500 Euro in den nächsten 18 Tagen, um das Geld dann nachher auch zu bekommen?

Jung: Die 2.500 Euro werden auf jeden Fall erreicht - wahrscheinlich schon diese Woche. Das ist ja auch nur die Mindestmarge, ab 2.500 Euro ist das Projekt live, dann werden die Leute ihr Geld nicht mehr zurückbekommen. Also, damit rechne ich voll und ganz, klar.

Auf krautreporter.de hast du angegeben, dass du mit 5.000 Euro reisen willst und Leute interviewen möchtest, die nicht in Berlin wohnen. Wer wäre denn dein Lieblingsreiseziel?

Jung: Bleiben wir vielleicht mal bei Deutschland, da würde ich wahrscheinlich zuerst mal nach Bayern reisen und da mit ein paar CSUlern reden. Ich überlege auch, ob ich das Format ein bisschen öffne und nicht mehr nur über parlamentarische Politik rede, sondern auch Dinge wie Sportpolitik mache. Da könnte ich mir auch vorstellen, mal zu Uli Hoeneß zu fahren. Ansonsten mache ich das an den Gästen fest, wo die sind. Der Hund kommt zum Knochen und nicht andersrum.

Crowdfunding ist ja insbesondere für Projekte sinnvoll, die ein einzelnes Produkt rausbringen wollen. Bei „Jung und naiv“ ist es aber so, dass es immer fortlaufend weitergehen soll. Ich würde das Geld also eher so verstehen, dass es dir den Anfang finanziert, du dich aber schon bald refinanzieren musst, um weiter machen zu können.

Jung: Ich werde die bei krautreporter versprochenen 50 Folgen machen, aber - wie du schon sagst - es muss irgendwann mal einen neuen Schritt geben. Das Crowdfunding wird jetzt der nächste Schritt sein, damit man das ein bisschen professionalisiert und ein hübscher macht, aber das Endziel kann ja wirklich nur sein, dass irgendeiner das Format kauft.

Du versprichst auf krautreporter für eine 50 Euro-Spende ein persönliches Dankeschön-Video. Was denkst du denn, wie viele Videos du am Ende dafür drehen musst?

Jung: Das habe ich mich auch schon gefragt, das kann lustig werden. Ich bin mal gespannt, das werden bestimmt 20-30 sein. Vielleicht binde ich das auch in die Videos ein, sodass sich jeder Gast bei einem Spender stellvertretend bedankt. Mal schauen. 

Das Gespräch führte Tobias Gillen.

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