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Kunstwerke: „Hall of Fame“ für Graffiti-Künstler

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Foto: Ingrid Bäumer
Gebäudewände, an die Graffiti-Künstler legal ihre Werke sprühen können, gibt es in Niederkassel nicht. Gerade im ländlichen Raum gilt Graffiti immer noch als Schmiererei. Nun wollen sich die Künstler an die Politik wenden.  Von
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„Wenn es hier im Ort eine Wand gäbe, könnten wir spontaner sein.“ Was da aus dem Mund von André Stahl kommt, muss man für Erwachsene erst mal übersetzen: Der 16-jährige Gymnasiast versucht sich seit knapp einem Jahr als Graffiti-Künstler. Wenn er von „Wand“ redet, meint er: eine öffentlich zugängliche Gebäudewand, die er mit Sprühfarben kreativ bearbeiten kann.

In Niederkassel gibt es so etwas nicht – jedenfalls nicht auf legale Weise. Von illegalen und meist ziemlich amateurhaften Versuchen hingegen zeugt die Bushaltestelle am Schulzentrum Lülsdorf. Was noch bis vor wenigen Monaten an der Rückseite der Realschule Mondorf zu sehen war, ließ nicht nur künstlerische Ansprüche unbefriedigt, es verstieß zum Teil auch gegen Grundregeln sprachlicher Umgangsformen.

Darum rang sich die Stadtverwaltung als Schulträger durch, der Schul-Rückseite neben dem Skaterpark eine frische helle Farbschicht zu spendieren.

Jetzt ist zwar von Kritzeleien nichts mehr zu ahnen – aber in den Augen eines jeden Graffiti-Malers schreit die lange, hohe Wand geradezu nach Verschönerung. Bisher haben sie sich zurückgehalten – wohl auch, weil das Gelände unlängst eingezäunt wurde. Außerhalb der Öffnungszeiten des Jugendzentrums „Routemaster“ ist es damit nicht mehr zugänglich.

25 bis 30 ernsthafte Graffiti-Enthusiasten gibt es im Stadtgebiet, schätzt André Stahl. Legale Wände sind rar, Nachwuchskünstlern fehlt Raum zum Ausprobieren. André hatte Glück, durfte in der heimischen Garage experimentieren. Dort entstand sein erstes größeres „Piece“ (Jargon-Übersetzung: siehe Infobox). Doch der Raum einer Garage ist naturgemäß sehr begrenzt, wohin also danach? Während Graffiti in der Kunstwelt als eine Art der Wandmalerei schon gleichberechtigt neben anderen Kunstformen steht, ist es vor allem im ländlichen Raum immer noch als Schmiererei verschrien. Viele fürchten, dass es noch mehr „Tags“ geben wird – also Namenskürzel, die manche wie Duftmarken überall hinterlassen –, sobald das Sprayen an bestimmten Wänden erlaubt wird. „Ich sehe diese Gefahr eigentlich nicht“, überlegt der 16-Jährige, „wenn es genug legale Angebote gibt.“

Legale Wände für Graffiti-Sprayer in Niederkassel?

In einem Farben-Fachgeschäft fragte André nach freien Flächen und erhielt eine Liste. Mit einem Kumpel fuhr er nach Frechen-Königsdorf, nutzte die Wand an der S-Bahn-Station. Gelohnt habe sich die Stunde Fahrtzeit pro Weg: Stolz stellte der Zehntklässler den verschnörkelten grünen Crew-Schriftzug „Chan“ im September bei Facebook ein. Doch seine Ambitionen gehen noch weiter: Auch Niederkassel soll eine „Hall of Fame“ erhalten, eine Wand für besonders hochwertige Pieces. Bei einem Schulpraktikum im Jugendamt hat der Gymnasiast Praktikum erste Erfolge erzielt: Demnächst darf er im Jugendclub im Norden der Stadt das grüne Trafohaus besprühen. Den Entwurf hat die Verwaltung genehmigt. Acht Meter lang ist die Wand, erzählt André.

Denn sein Credo lautet: Graffiti braucht Platz. Den Plan von Frank Assenmacher, Leiter des Routemaster, sieht André daher etwas kritisch: Assenmacher will den Zaun am Zentrum flächendeckend mit Kunststoffplatten abdecken, die dann zum Besprühen zur Verfügung ständen. Nachteil: Die Flächen sind nur rund zwei Meter hoch, alle drei Meter stören Zaunpfeiler. Lieber wäre den Sprayern eine geräumige Wand. Demnächst will André sein Anliegen beim neu gewählten Kinder- und Jugendparlament vortragen.

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