Die „Ruhe vor dem Sturm“ auf dem Nippeser Clouth-Areal östlich der Niehler Straße währt nicht mehr lange: Denn die städtische Projektentwicklungs-Gesellschaft „Moderne Stadt“, die das Gelände seit Sommer 2012 besitzt, wird ab Februar die meisten Industriehallen auf dem rund 15 Hektar großen Gelände abbrechen – um Platz für ein neues Veedel zu machen.
„Derzeit sind wir mit der Planung von Abbruch und Altlastenentsorgung, Straßen- und Kanalbau sowie Versorgungs- und Telekommunikationsleitungen beschäftigt“, erläuterte Geschäftsführer Bernd Streitberger beim Pressegespräch im Noch-Domizil der „Modernen Stadt“ an der Brückenstraße 17 – denn das Team zieht selbst ins Clouth-Quartier.
Traditionsreiches Gelände
Auf dem traditionsreichen Fabrikgelände sollen rund 1000 Wohneinheiten sowie etwa 25 000 Quadratmeter für Büros und Gewerbe entstehen. Zuvor gibt die „Moderne Stadt“ rund 35 Millionen Euro für Abbruch, Sanierung und Erschließung aus – sowie für rund 70 teils öffentlich geförderte Wohnungen, die sie selbst errichten wird. Insgesamt, so schätzt Streitberger, fließen durch alle Beteiligten rund 300 Millionen Euro ins neue Veedel.
Die Clouth-Werke wurden 1862 an der Sternengasse in der City gegründet. Sechs Jahre später siedelte sich die Firma in Nippes an. 1901 beteiligte sich Felten & Guilleaume an Clouth und übernahm den Konzern später komplett. Ab 1966 stieg Continental bei Clouth ein. Während in den 1960er Jahren 2000 Mitarbeiter am Standort arbeiteten, lief das Geschäft ab den 80er Jahren zunehmend schlechter. Zum 31. März 1992 endete die Gummiproduktion in Nippes. 1997 wurde Clouth komplett in den Continental-Konzern eingegliedert. (bes)
„Geplant ist, im Sommer 2014 mit den eigentlichen Bauarbeiten anzufangen, dann startet auch der Vertrieb“, so Mit-Geschäftsführerin Ursula van Holt. „Wir hoffen, Ende 2015 die ersten Bewohner auf dem Areal begrüßen zu können – schon jetzt gibt es Nachfrage nach Wohnraum ohne Ende.“
Anwohnern wird einiges zugemutet
Laut den recht konkreten Entwürfen sollen drei Zufahrten ins Viertel mit seinen rechtwinkligen Straßen führen – eine weitere Einfahrt an der Florastraße ist durch Poller gesperrt. „Dies machen wir deshalb, um Schleichverkehr vom Nippeser Süden zur Xantener Straße zu vermeiden“, so Streitberger.
Im Osten gibt es mehrere Übergänge in den Johannes-Giesberts-Park – und für Licht im Quartier sorgen ausschließlich energiesparende LED-Leuchten.
Wahrzeichen des Veedels soll die „Halle 17“ mit ihrer Backsteinoptik, etwa in der geografischen Mitte des Areals, werden – freigestellt von der umliegenden Bebauung. Vor der Halle entsteht eine große Parkfläche. Der Künstlerverein „Cap Cologne“ wird voraussichtlich die „Halle 29“ an der Niehler Straße beziehen.
Infoabend für die Nachbarn
Auch die Nachbarn kommen bald zu Wort: Am 28. Februar findet ein Info-Abend im Pfarrheim St. Bonifatius statt. „Wir wissen schon, dass wir den Anwohnern einiges zumuten werden – aber es lohnt sich, denn es entstehen neue Nachbarschaften und ein lebendiges Quartier“, so Streitberger.


