Am Colonia-Haus am Riehler Rheinufer rücken die Kräne an: An einem Balkon in der fünften Etage, auf der zum Niederländer Ufer zeigenden Südostseite das Hauses, lässt die Hausverwaltung derzeit im Auftrag der Eigentümergemeinschaft auf rund vier Metern die Betonbrüstungen entfernen.
Diese sollen in einem Beton-Fachlabor überprüft werden – um herauszufinden, welche Arbeiten für eine nachhaltige Instandhaltung oder -setzung der Hochhaus-Fassade erforderlich sind.
Das 1973 eröffnete Colonia-Hochhaus ist 155 Meter hoch – nur zwei Meter niedriger als der Dom – und hat insgesamt 45 Etagen. Nachdem die Colonia-Versicherung, die dem Haus ursprünglich seinen Namen gegeben hatte, 1997 vom Axa-Konzern aufgekauft wurde, wurde die Leuchtreklame an der Spitze ausgetauscht, seitdem spricht man auch vom Axa-Hochhaus. Der offizielle Name ist jedoch weiterhin Colonia-Haus.
Die Arbeiten an der in diesem Bereich eingerüsteten Fassade sollen etwa bis Ende der Woche andauern. Anlass der Untersuchung sind eine Vielzahl von Fassadenschäden, die bei zwei Untersuchungen in den Jahren 2008 und 2010 festgestellt worden seien (siehe „Beton an der Fassade abgeplatzt“).
Pläne sorgten für Unruhe
Bei einem Pressegespräch im Veranstaltungsraum in der obersten Etage des Hauses, dem „Top of Cologne“, erläuterten Michael Petr, geschäftsführender Gesellschafter der Münch Wohnungsverwaltung GmbH, sowie der Eigentümer-Beiratsvorsitzende Karl-Wilhelm Müller den Hintergrund der Arbeiten – und gaben einen Ausblick aufs weitere Vorgehen.
„Die Hauptaufgabe ist, den Zustand der Stahlhülse zu überprüfen – um zu schauen, wie die Fassade saniert werden kann“, schildert Petr das Vorhaben. Grundlage der Arbeiten, die rund 25 000 Euro kosten sollen, sei ein Beschluss der Eigentümerversammlung von Februar 2012 gewesen. Später einigte man sich im Gremium darauf, nicht – wie zunächst geplant – einen ganzen Eckbalkon, sondern aus Kostengründen nur das jetzige Teilstück zu demontieren. Für Unruhe im Haus mit 373 Wohneinheiten und rund 300 verschiedenen Eigentümern hatte zuvor die Pläne gesorgt, die Betonbrüstungen durch Stahl- und Glaselemente auszutauschen.
Ganzheitliches Sanierungsprojekt
Die damals für das Gesamtprojekt veranschlagten rund 17 Millionen Euro seien jedoch differenziert zu betrachten, so Petr und Müller. So seien im Rahmen eines ganzheitlichen Sanierungsprojektes – als einer von mehreren Punkten – der Austausch des auf Nachtspeichern basierenden Heizsystems gegen eine zentrale Fernwärmeversorgung und die Überarbeitung des Lüftungsanlagen vorgeschlagen worden. „Allein diese Vorhaben kosten rund 2,6 Millionen Euro“, so Petr.
Die Kosten einer reinen Fassaden-Sanierung ständen dagegen noch nicht fest. Man erhoffe sich durch die Untersuchung an dem ausgewählten Balkon, die Kalkulation transparenter und nachvollziehbarer zu gestalten.
Ob letzten Endes die Glas-Stahl-Variante komme oder die Betonbalkone im Bestand saniert würden, sei daher offen. „Wir ringen um den richtigen Weg“, betonte Müller. „Es geht nicht darum, auf Teufel komm raus zu modernisieren, sondern zur richtigen Entscheidung für alle zu kommen.“


