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Ginsterpfad: Naturschutz statt Naherholung

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Blick vom Aussichtsplateau auf den See in der Schutzzone, am Horizont die Heilig-Geist-Klinik. Foto: Schöneck
Auch eine begrenzte Zahl an Badegästen ist im Naturschutzgebiet Ginsterpfad am Nordrand von Weidenpesch weiterhin nicht erlaubt. Ein Bürgerantrag die ehemalige Kiesbgrube zumindest teilweise zur Erholung freizugeben wurde abgelehnt  Von
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Weidenpesch

Die ehemalige Kiesgrube am Ginsterpfad ist ein Paradies für knapp 70 Pflanzen- und Gewächsarten – darunter Sanddorn, Wilde Möhre und Schwarzer Holunder. Außerdem laichen dort seltene Kröten; viele Vögel haben hier ihre Brutstätte sowie ein Durchzugs- und Winterquartier. Ihren Nachwuchs aufziehen können sie jedoch nur, wenn Menschen dabei nicht stören. Deshalb ist die rund 22 Hektar große Fläche am Nordrand von Weidenpesch seit mehr als 20 Jahren als Naturschutzgebiet ausgewiesen – eines mit besonders strengen Schutzvorkehrungen. So dürfen Personen das Gebiet grundsätzlich nicht betreten.

Naturschutzgebiete in Köln

In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit 3035 Naturschutzgebiete plus den im Jahr 2004 offiziell ausgewiesenen Nationalpark Eifel. Insgesamt ist eine Fläche von knapp 2700 Quadratkilometern auf diese Weise geschützt.

In all diesen Gebieten sind laut Bundes-Naturschutzgesetz sämtliche Handlungen verboten, die „zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebiets oder seiner Bestandteile oder zu einer nachhaltigen Störung führen“ könnten.

Die Allgemeinheit hat zu den Arealen nur Zutritt, wenn das dem Schutzzweck nicht entgegen steht. In der Praxis gibt es zum Beispiel häufig gekennzeichnete Wege für Spaziergänger, die nicht verlassen werden dürfen.

Immerhin 22 dieser Natur-Schutzzonen befinden sich in Köln, zusammen umfassen sie 34,2 Quadratkilometer Fläche – ein Gebiet größer als der gesamte Stadtbezirk Nippes.

Die stadtweit größten Schutzgebiete sind Königsforst und Wahner Heide, von denen anteilig 9,9 beziehungsweise 7,7 Quadratkilometer innerhalb der Kölner Grenzen liegen – am Rande des Stadtbezirks Porz.

Die größten „rein“ städtischen Naturschutzgebiete befinden sich im Kölner Norden: Der Chorbusch (4,3 Quadratkilometer), sowie die Rheinauen Merkenich/Langel (2,5) und Worringen/Langel (2,1). Das Worringer Bruch, ein ehemaliger Seitenarm des Rheins, liegt mit seinen knapp 1,7 Quadratkilometern stadtweit an siebter Stelle – hinter der Rheinaue im rechtsrheinischen Flittard (1,8). (bes)

Einzige Ausnahme ist der Südosten des Areals, das Grundstück einer ehemaligen Hochdeponie. Vom Heckpfad aus, an der kompletten Kleingartensiedlung vorbei, ist es auf schmalen Wegen zu erwandern; eine kleine Aussichtsplattform, die Helfer angelegt haben, erlaubt wunderschöne Blicke auf die Seenplatte. Zahlreiche Hinweisschilder informieren in diesem Bereich die Besucher, wie sie sich zu verhalten haben. So sollen sie etwa Hunde anleinen; weder Vier- noch Zweibeiner dürfen die gekennzeichneten Wege verlassen. Weil einige Bürger das Verbot jedoch beharrlich ignorieren – vor allem im Sommer, wenn viele unerlaubterweise im Baggersee baden –, hat eine Bürgerin eine Eingabe an die Bezirksvertretung Nippes gerichtet. Darin schlägt sie vor, auch das übrige Gebiet unter Aufsicht für eine begrenzte Personenzahl zu öffnen – vor allem, damit Erholungssuchende bei schönem Wetter im Baggersee baden können. Zugleich regt sie an, die Bevölkerung stärker über den Sinn des Naturschutzgebiets aufzuklären, um die Sensibilität für Tiere und Pflanzen zu erhöhen.

Jagd auf Badende

Das Stadtteilparlament schloss sich nach seiner Beratung jedoch der Verwaltung an: Demnach soll der Zugang für die breite Öffentlichkeit weiter gesperrt sein. „Die meisten Menschen, die diesen Ort kennen, können nicht nachvollziehen, warum man sich dort nicht erholen darf“, hatte die Bürgerin beobachtet, die seit vier Jahren in Weidenpesch lebt. Deshalb seien die Besucher verärgert, wenn sie vom Ordnungsamt zur Rechenschaft gezogen würden – etwa Hundehalter, die ihre Lieblinge frei laufen ließen. „Viele lassen sich erst recht gehen, aus Ärger, dass dort praktisch Jagd auf Leute gemacht wird“, schilderte sie in ihrer Eingabe – andere Bürger versuchten sich vorbildlich zu verhalten. Ihrer Meinung nach liegt daher eine Lösung darin, den Zugang einerseits teilweise und beaufsichtigt zu ermöglichen, andererseits aber auch Aufklärungs- und Informationsarbeit zu verstärken.

Die Initiative fanden die Bezirksvertreter gut, sahen jedoch keine Chance auf eine Umsetzung. „Wir finden es wichtig, dass sich Menschen für ein Naturschutzgebiet interessieren, doch viele wollen sich nun mal nur dort amüsieren und lassen die Natur dafür leiden“, so SPD-Mitglied Winfried Steinbach. „Einige haben sogar ihre Hunde shampooniert und im See abgewaschen.“ Daher sei es richtig, wenn der Schutz aufrecht erhalten bliebe. Ähnlich hatte es die Untere Landschaftsbehörde im Umweltdezernat gesehen: Wegen der Schutzfunktion gebe es keine Alternative zum großflächigen Betretungsverbot; das müsse man auch weiter stichprobenartig vor Ort kontrollieren.

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