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Jubiläumsfest: Himmlisch schöner Schall

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Reinhold Müssel, früherer Küster (l.), und Heinz Kleu, Pfarrer im Ruhestand, erzählen in der Immanuelkirche von der Vergangenheit.  Foto: Waldschmidt
Vor 50 Jahren glaubte man noch an das Wachstum der Gemeinde - heute ist die Immanuelkirche viel zu groß. Zum Jubiläum diskutieren die Gläubigen über eine ausgeweitete Nutzung des Gotteshauses als Kulturkirche.  Von
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Longerich

Thomas Diederichs, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Nippes, ließ den Blick aufmerksam umher schweifen. In der Immanuelkirche nahm er an einem Podiumsgespräch teil, bei dem es um die künftige Nutzung der Kirche ging. „Die Akustik ist hier besser als bei uns, die Beschallungsanlage scheint mir etwas schlechter zu sein, doch das lässt sich ändern. Es gibt zwei Fluchtwege, das ist schon mal gut.“

70 Events im Jahr

2002 entwickelte Diederichs das Konzept, die Lutherkirche an der Merheimer/Siebachstraße als Veranstaltungskirche zu nutzen – im Abendbetrieb, während das Gemeindeleben ganz normal weiterläuft. Seither firmiert das neugotische Gotteshaus unter dem Beinamen „Kulturkirche Nippes“. Jährlich finden dort rund 70 Events statt, oft in Kooperation mit etablierten Partnern wie der lit.Cologne und dem WDR. „Vielleicht war es Glück oder Naivität, es hat eben geklappt, wir haben die richtigen Leute angerufen und die richtigen Entscheidungen getroffen“, sagte Diederichs.

Jürgen Mocka, Pfarrer der Immanuel-Gemeinde, saß neben seinem Nippeser Kollegen und lauschte aufmerksam. Bei dem Podiumsgespräch spielte Diederichs die Rolle des Ratgebers. Die Moderation übernahm der WDR-Journalist Kay Bandermann. Schon lange plagt sich die evangelische Immanuel-Gemeinde mit der Frage, wie ihre Hallenkirche besser zu nutzen sei. Gebaut wurde sie vor 50 Jahren, mit 450 Sitzplätzen ist sie für heutige Verhältnisse zu groß. 1963 aber war man noch von einem Wachstum der Gemeinde ausgegangen.

Feier in mehreren Etappen

Das Jubiläum des Baus der Immanuelkirche wird in mehreren Etappen gefeiert. Nach dem Gemeindefest im September 2012 zur Grundsteinlegung beging man jetzt den 50. Jahrestag des Richtfestes im April 1963. Diesmal hielt die Gemeinde Rückschau – Zeitzeugen aus nah und fern waren angereist – und widmete sich zudem der Frage „Wie locken wir Menschen in unsere Kirche?“

Eine Option wäre, sie zur Kulturkirche mit Schwerpunkt klassische Musik umzuwandeln. Denn das Gebäude besticht mit seiner herausragenden Akustik, schon jetzt ist es vor allem bei Chören als Aufführungsort beliebt. „Der Bau ist unschlagbar, ein Glücksfall“, schwärmte Kreiskantor Thomas Pehlken, der ebenfalls zur Diskussions-Runde gehörte. Höchstens die Clarenbach-Kirche in Braunsfeld könne mithalten. Die Milieus im Umfeld genau zu analysieren, empfahl wiederum Thomas Diederichs.

Freier Eintritt für die Anwohner

Eine Kirche als Kulturkirche zu positionieren erzeuge eine Wechselwirkung. „Die Türen aufzumachen, verändert die Gemeinde“, so der Nippeser, der Konflikten geschickt aus dem Weg zu gehen weiß. Den Anwohnern etwa, die unangenehmen Begleiterscheinungen des Besucherandrangs wie Lärm und Parkdruck ausgesetzt sind, räumte er großzügig freien Eintritt bei allen Veranstaltungen ein.

Weitere Kulturkirchen im Kölner Norden

Immer mehr Kölner Gemeinden, katholische wie evangelische, entdecken das Konzept der Kulturkirche. Die Nippeser waren 2002 die ersten im Evangelischen Kirchenverband. Pionier ist auch Sankt Peter in der Innenstadt: Die Jesuitenkirche ist seit 1987 als „Kunst-Station“ ein Ausstellungsort für Bildende Kunst. Im Kölner Norden gehen jetzt auch St. Heinrich und Kunigund am Schillplatz („klangraum kunigunde“) und St. Gertrud an der Krefelder Straße („kirche + kultur“) diesen Weg. Beide Kirchen sind architektonische Kleinode: St. Heinrich und Kunigund, 1850/52 erbaut, ist ein Werk von Vincenz Statz. Für St. Gertrud bekam Gottfried Böhm 1967 den Deutschen Architekturpreis. (kaw)

Inge Tucholski, 86-jährige Witwe von Gottfried Tucholski, des Architekten der Immanuelkirche, saß im Publikum. „Ich finde sie immer noch schön, auch wenn sie zu groß ist“, sagte sie. Die Idee, den Bau als Konzertsaal zu nutzen, gefalle ihr. „Man sollte aber nicht nur Klassik spielen, sondern auch zeitgenössische Komponisten.“

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