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Konzert-Reihe: Coverversionen sind verboten

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Sängerin Melanie Ortner mit ihrer Band "Objects in the Mirror". Foto: Stefan Förster/Holger Thomsen/kaw
Einmal im Monat gibt es in der Kneipe „Heimathirsch“ in Nippes "Musik und Schnittchen" in Kombination. Die Veranstaltungsreihe präsentiert Musiker, die zwar noch relativ unbekannt sind, aber trotzdem jedes mal die Zuschauer begeistern.  Von
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Das Gedränge in der Kneipe "Heimathirsch" ist groß. So groß, dass von Melanie Ortner, die mit ihrer Band "Objects in the Mirror" ganz hinten auf der Bühne in dem schummrig beleuchteten Kellerschlauch stand, nur das platinblonde Haar zu sehen ist. "Ich bin hier, weil die Sängerin da vorne die Tochter meiner Nachbarin in Bilderstöckchen ist", sagt eine Mittvierzigerin, die am Tresen sitzt, und stolz hinzufügt: "In Bilderstöckchen werden eben Talente geboren!" Geboren vielleicht, aber nicht entdeckt - entdeckt werden sie in Nippes. Einmal im Monat im "Heimathirsch".

Seit einem halben Jahr findet dort eine Talentshow der etwas anderen Art statt. Die Veranstaltungsreihe heißt "Musik und Schnittchen" und folgt einer bestimmten Arithmetik: Der Eintritt kostet acht Euro (ermäßigt sechs Euro). Dafür gibt es ein Kölsch, zwei belegte Schnittchen und drei Auftritte von Musikern. Initiatorin der Reihe ist Samira Saygili. Die 28-Jährige, gebürtig aus Karlsruhe, hat in Maastricht Gesang studiert. Vor fünf Jahren zog sie nach Köln, seit nunmehr zwei Jahren wohnt sie in Nippes.

Ausschließlich Eigenkompositionen

Als letzter Künstler spielt Peter Autschbach.
Als letzter Künstler spielt Peter Autschbach.
Foto: Waldschmidt

"In Köln ist es leider so, dass es für unbekannte Musiker sehr schwierig ist, öffentlich aufzutreten, denn in den meisten Clubs wird erwartet, dass man für den eigenen Auftritt Geld bezahlt", sagt Saygili. "Es gibt hier aber viele gute Musiker, die nicht berühmt sind." Denen wolle sie mit der Schnittchen-Reihe eine Plattform schaffen. Die Auftretenden werden überdies an den Einnahmen des Abends beteiligt - nach Abzug aller Kosten, versteht sich.

Wer eingeladen wird, entscheidet die Organisatorin. Über die Facebook-Seite der Veranstaltung können sich Bands oder Solisten bewerben. "Ich wähle nach Bauchgefühl aus, die Musik muss ein bestimmtes Niveau haben, und es soll für die Zuhörer abwechslungsreich sein." Diese seien sehr aufgeschlossen: "Das Publikum hier ist der Oberkracher, sehr respektvoll, ja geradezu liebevoll", sagt Saygili. Vorgabe ist, dass stets nur Eigenkompositionen gespielt werden dürfen.

Rauch- und Schnittchenpause

"Coversongs sind nicht erlaubt", ruft Saygili in strengem Ton, als Thomas Rüsche, Sänger der Bonner Band Withless, die als erstes auftrat, eine Version des Oasis-Titels "Wonderworld" ankündigt. Doch dann gibt sie dem allgemeinen Drängen nach und erlaubt eine Ausnahme. Aber nur eine. "Zehn Minuten Rauchpause", verkündet sie danach. Einige gehen raus zum Rauchen, andere stürzen sich auf die am Eingang postierten kalten Platten: Es gibt Brote mit Gurken, Tomaten, Frischkäse, Wildschweinbraten - alles vom Kneipenteam geschmiert.

Ein Kölsch, zwei Schnittchen, drei Auftritte.
Ein Kölsch, zwei Schnittchen, drei Auftritte.
Foto: Waldschmidt

Im Anschluss spielt Peter Autschbach. Er ist mit zwei Gitarren aus Siegen angereist. "1998 war das letzte Mal, dass ich in Köln selbstkomponierte Musik gespielt habe. Es ist schwer, eine Auftrittsmöglichkeit zu finden, wenn man keine Karnevalsmusik macht", sagt der 51-Jährige, der dabei ein wenig melancholisch klingt, nachdem er es sich mit seiner Bariton-Gitarre auf dem Podest bequem gemacht hat. Hinter ihm an der Wand funkelt das mit bunten Birnchen verzierte Hirschgeweih. Mit dem Gitarristen Ralf Illenberger tourt Autschbach, der an der Kölner Musikhochschule Jazzgitarre studiert hat, in diesem Jahr durch Deutschland. Für sein virtuoses Spiel erhält er im "Heimathirsch" begeisterte Pfiffe und Zugabe-Rufe.

Nächster Termin am 23. Januar

Holger Kuckuck aus Bayenthal ist seinetwegen gekommen. "Ich finde es faszinierend, wie man so toll Gitarre spielen kann, er ist so gut, dass er eigentlich viel bekannter sein müsste", zeigt sich Kuckuck, selbst Hobbygitarrist, beeindruckt. Im Internet hat er vor einiger Zeit Notenbücher von Autschbach bestellt, im "Heimathirsch" nutzt er die Gelegenheit, seinem Idol einmal persönlich die Hand zu schütteln. Der nächste Musik-und-Schnittchen-Abend findet statt am Mittwoch, 23. Januar. Einlass: 19.30 Uhr.

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