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Kriminalität: Täter schlagen spontan zu

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Weniger als 30 Sekunden braucht ein Einbrecher, um eine unverschlossene Wohnungstür zu öffnen. Ein Fenster lässt sich noch viel schneller aufhebeln. Mit Beginn der dunklen Jahreszeit nehmen die Wohnungseinbrüche zu. Foto: dpa
Die Zahl der Einbrüche ist in Köln seit 2008 um mehr als 50 Prozent gestiegen. Doch mit einfachen Mitteln kann man es Ganoven schwer machen. Beim Bürgerverein im Bilderstöckchen informiert die Polizei über Schutzmaßnahmen.  Von
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Bilderstöckchen

Ist der Stadtteil zwischen Blücherpark und Bahndamm ein "Magnet" für Einbrecher? Dem sei nicht so, beruhigten Bernd Eiling und Bernhard Münchhoff, die für Bilderstöckchen zuständigen Bezirksbeamten der Polizeiwache Nippes, die rund 40 Besucher in der Hauptschule Reutlinger Straße. "Bilderstöckchen unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen Stadtteilen, wenngleich die Einbruchszahlen hier etwas auffälliger sind", sagte Münchhoff. Dies liege unter anderem an der Anonymität in einigen Häusern - und den beiden Autobahn-Anschlüssen, über die man schnell fliehen könne. "Trotzdem besteht kein Grund zur Panik."

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Vor dem Hintergrund der in jüngster Zeit gehäuften Einbrüche im Veedel hatte der Bürgerverein Bilderstöckchen zu einem Informationsabend in die Schule eingeladen. Neben Johannes Boos vom Bürgerverein stellten sich die zwei Bezirkspolizisten auf dem Podium den Fragen der Bürger. Während Eiling für die südliche Stadtteilhälfte bis zum Schiefersburger Weg zuständig ist, betreut sein Kollege Münchhoff den Norden, einschließlich des Gewerbegebietes in Richtung Longerich. In der knapp zweistündigen Veranstaltung gaben sie Ratschläge, wie Einbrecher fernzuhalten sind, schilderten deren Arbeitsweisen und gaben Tipps, worauf Bürger achten sollten. "Das Gefühl, Einbruchsopfer zu werden, ist schrecklich - auch bei meinem Haus hat es mal jemand versucht", sagte Eiling. "Doch ein Drittel der Einbruchsversuche scheitert - nicht eingerechnet sind natürlich die Fälle, wo Einbrecher es wegen vorhandener Sicherungen und Ähnlichem erst gar nicht probiert haben", so Münchhoff.

Auf fremde Autokennzeichen achten

"Wie in allen Großstädten wird in Köln seit einigen Jahren verstärkt eingebrochen, besonders in der sogenannten dunklen Jahreszeit", schilderte er die Entwicklung. Doch im Gegensatz etwa zum Hahnwald, wo Täter Objekte lange auskundschafteten, schlügen sie in Bilderstöckchen fast immer spontan zu. "Unser großes Problem sind derzeit Banden aus dem Ausland, die gezielt einreisen, um einzubrechen", so Münchhoff. "75 Prozent unserer Einbrecher sind derzeit Südosteuropäer, das ist nun mal Fakt", ergänzte Eiling. "Achten Sie daher besonders auf fremde Kennzeichen - viele besorgen sich auch in Frankreich oder Belgien ihr Tatfahrzeug."

Das Arbeitswerkzeug Nummer eins sei der Schraubendreher - seltener ein Brecheisen -, mit denen die Verbrecher Fenster und Türen aufhebelten. Auch veraltete Haustechnik machten sich die Täter zunutze, hat Eiling beobachtet. "Hier gibt es teils Nachkriegsbauten, die noch die erste Generation Türen haben. Die halten nicht viel aus - von denen haben wir schon genug eingetreten", sagte er schmunzelnd. Es lohne sich daher nachzurüsten; dies gelte auch für Fenster. "Die meisten hat ein Zwölfjähriger in 20 Sekunden aufgehebelt, weil die Falzrollen keinen Widerstand bieten - besser sind Pilzkopf-Beschläge, die ein Hebeln stark erschweren." Andere Methoden seien selten. "In meiner ganzen Karriere habe ich bisher nur drei Einbrüche aufgenommen, bei denen Fenster eingeschlagen wurden - das macht einfach zu viel Lärm", so Eiling. Manchmal übernähmen auch Vermieter einen Teil der Nachrüstkosten. "Schließen Sie unbedingt eine Hausratversicherung ab, für eine normal große Wohnung kostet soviel wie eine Schachtel Zigaretten pro Monat."

Das neue Wissen teilen

Bei einigen Besuchern wurde vor kurzem selbst eingebrochen - oder dies zumindest versucht, wie sie berichteten. "Wir wurden im Sommer selbst Opfer", so eine Besucherin. "Sind die tatsächlich so dreist, hier mit bulgarischen Kennzeichen herumzufahren?" Man solle verdächtige Autos melden, so Eiling. "Nicht alle Südosteuropäer sind Einbrecher. Aber ausländische Nummernschilder sind auf jeden Fall für uns interessant", merkte er an. "In unsere Wohnung in der Hunsrückstraße ist gestern Abend eingebrochen worden, daher bin ich ganz aktuell betroffen", sagte eine weitere Frau. Sie sei länger in der Stadt geblieben als geplant - dies hätten die Täter ausgenutzt. "Genau das sind die Gefahren, gerade im Advent, wo man sich auf Weihnachtsmärkten trifft, Geschenke kauft oder es auf der Arbeit länger dauert", sagte Eiling. "Holen Sie eine Zeitschaltuhr für Ihre Lampen, dann sieht die Wohnung nicht so verlassen aus."

Am Ende gab es viel Applaus für die Beamten. "Wir sind zwei, die sehr gut mit den Leuten im Veedel zurechtkommen", so Eiling. "Wenn wir die Anonymität noch etwas aufbrechen und stärker aufeinander zugehen, wäre viel gewonnen." Und Münchhoff appellierte, das neue Wissen zu teilen: "Wir freuen uns über jeden, der unsere Anregungen weiterträgt."

Wie man Einbrüche verhindern kann
Wohnungseinbrüche in Köln
Foto: KStA-Grafik

Schließen Sie Türen und Fenster, auch wenn Sie nur kurz weg sind. Die Fenster zu kippen reicht nicht, denn diese sind für geübte Einbrecher sekundenschnell zu öffnen. "Gekippte Fenster sind offene Fenster", so Münchhoff.

Nutzen Sie die Tür-Sprechanlage und fragen Sie nach dem Besuchsmotiv, wenn es klingelt - drücken Sie nicht einfach den Summer.

Lassen Sie die Jalousien nicht herunter, wenn Sie in Urlaub fahren. Fragen Sie besser einen Nachbarn Ihres Vertrauens, sie regelmäßig hoch- und runterzulassen.

Fragen Sie unbekannte Personen im Hausflur nach dem Ziel des Besuchs und bieten Sie Ihre Unterstützung an ("kann ich Ihnen helfen?"). Soziale Kontrolle schreckt potenzielle Einbrecher ab.

Notieren Sie die Nummer von Fahrzeugen, die offensichtlich ziellos umherfahren; merken Sie sich am besten auch Anzahl und Aussehen der Insassen. "Viele Einbrecher kennen wir, da wir sie in der Datei haben", so Münchhoff.

Auch Fotos von Verdächtigen können helfen. "Aber machen Sie sie möglichst unauffällig und so, dass Sie keinen Ärger verursachen", bittet Münchhoff.

Keine Scheu, auch scheinbar "unwichtige" Beobachtungen der Polizei zu melden. "Überlassen Sie die Bewertung ruhig uns", betont Münchhoff. Ein Notruf-Missbrauch liegt, entgegen landläufiger Meinung, keinesfalls vor.

Bemühen Sie sich um eine gute Nachbarschaft und pflegen Sie Kontakte zu Mitbewohnern. Anonymität begünstigt Einbrüche.

Gehen Sie "komischen" Geräuschen nach; schauen Sie nach, ohne sich zu gefährden. (bes)

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