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Kunstmeile: Von Schützen und Künstlern

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Im Fahrradgeschäft Pützfeld stellt Richard Fleischmann Ölgemälde mit Longerich-Motiven aus. Foto: Waldschmidt
Die Schützenbruderschaft St. Hubertus feierte ihr traditionelles Volksfest zusammen mit der Eröffnung der Kunstmeile. Zu dieser Zusammenlegung war es durch ein Versehen gekommen, doch ohne Nachteile für die Beteiligten.  Von
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Longerich

Da staunten die Schützen: Auch unter Künstlern gibt es so etwas wie eine Ehrennadel für jahrelanges Engagement. Nur ist das keine Metallspange, sondern ein vergoldeter Pinsel. Mit einem solchen wurde Gerd Maulbecker geehrt – zu seinem 50. Künstlerjubiläum. Der 71-Jährige hat an der Grethenstraße ein Bildhaueratelier. Bernd Schößler persönlich überreichte ihm den Ehrenpinsel auf einem roten Kissen.

Im Pfarrheim St. Dionysius gab der Bezirksbürgermeister den offiziellen Startschuss für die Kunstmeile. Und bewies auch gleich Sinn für Ästhetik: „Ihre rote Fliege und Ihr roter Pullunder passen perfekt“, sagte er zu Maulbecker, dann wandte er sich an die grün uniformierten Schützen im Saal: „Danke, dass ihr euch für die Kunst öffnet!“

Die Schützenbruderschaft St. Hubertus feierte nämlich gleichzeitig ihr traditionelles Volksfest. Die Parallelität der Ereignisse war freilich eher ein Versehen. Dass sie den Beginn der Kunstmeile, die noch bis kommenden Samstag läuft, auf das Schützenfest-Wochenende terminiert hatte, bemerkte Organisatorin Annegret Thurn im allerletzten Augenblick, kurz vor Drucklegung des Veranstaltungsplans. Die Schützen aber hatte es kalt erwischt: Mitte Juni waren ihre Flyer bereits gedruckt und verteilt – ohne dass das Kunstevent Erwähnung gefunden hätte.

Exponate in mehr als 20 Geschäften

Thurn nahm sogleich Kontakt zu den Schützen auf, die waren einverstanden, die beliebte Kunstmeile – 2009 aus der Taufe gehoben – in ihre Obhut zu nehmen und eine gemeinsame Auftaktveranstaltung zu organisieren – wenn auch durchaus mit Bauchgrimmen. „Wenn ich höre, wir Schützen würden uns nur an die Kunstmeile dranhängen, ärgere ich mich“, grantelte Brudermeister Franz-Josef Olligschläger zunächst. Später schlug er versöhnliche Töne an: „Ich habe sogar vor, ein Bild von Richard Fleischmann zu kaufen, der im Fahrradgeschäft ausstellt.“

Zentrum der Meile ist das Veedel rund um die Longericher Hauptstraße. In mehr als 20 Geschäften sind Exponate zu sehen: Gemälde, Skulpturen, Fotos, Porzellan, Schmuck. Für ihren Rundgang war Roswita Link aus Heimersdorf gekommen. „Es gibt hier so viel Potenzial, und das auf hohem Niveau“, so die 68-Jährige anerkennend.

Majestät nach 247 Schüssen

Vor der LBS-Filiale saß Kunstmaler Sascha Reichert auf einem Barhocker und hielt Hof. Mehrere mannshohe Ölgemälde hatte er kurzerhand auf dem Bürgersteig positioniert, andere hängen derzeit im Schalterraum. Im Transporter des Solingers lagerten weitere Bilder. „Wenn Köln ruft, komme ich“, scherzte der 42-Jährige und gab sich regelrecht kölntrunken: „Die Leute hier sind alle cool, um einiges cooler als in Düsseldorf!“

„Wenn ich Zeit hätte, würde ich auch gern über die Kunstmeile bummeln“, sagte Heinz Longerich (58), der neue Schützenkönig, der vor drei Jahren auch schon als Longericher Karnevalsprinz amtierte. Der Steuerberater lebt seit 35 Jahren im Stadtteil, der zufällig so heißt wie er selbst. Gegen seinen Konkurrenten hatte er sich beim Schießen um die Majestätenwürde mit dem 247. Schuss durchgesetzt: „Ein harter Zweikampf, der zwei Stunden dauerte, aber fair ablief. So wie es unter Schützenbrüdern üblich ist.“

www.kunstmeile-longerich.de

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