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Lesung: Autor und Held als Seelenverwandte

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"Es ist gar nicht so einfach hier zu sein, weil ich ja in der Nähe geboren bin", erklärte Hanns-Josef Ortheil bei seiner Lesung in Nippes. Foto: Schöneck
Der Hochschullehrer und Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil gab in der ausverkauften "Scheune" des Bürgerzentrums Altenberger Hof ein umjubeltes Gastspiel im Veedel seiner Kindheit und las dort aus seinem neuen Roman.  Von
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Der Anblick des schneebedeckten Ätna am Horizont und die aromatische, nach Orangen und Zitronen duftende sizilianische Luft: Das sind die ersten Eindrücke von Benjamin Merz, der Roman-Hauptfigur aus "Das Kind, das nicht fragte", als er in Catania aus dem Flugzeug steigt. Im Küstenstädtchen Mandlica will der Ethnologe über einen langen Forschungszeitraum Alltag und Gebräuche der Bewohner ergründen. Schon nach kurzer Zeit fühlt er sich nicht mehr als Fremder - und nimmt die mediterrane Lebensart und die außergewöhnliche Kommunikationsfreude der Sizilianer in sich auf.

"Der ganze Tag ist ein einziges Sprechen, mit immer gleichen Versatzstücken an immer neuen Orten", notiert der Protagonist. Es sei daher kein Zufall, dass die Oper mit den zahlreichen Interaktionen ihrer Figuren in Italien ihren Ursprung habe - ebenso, wie die Masse von kleinen Läden und Geschäften für die Region im Süden des Landes typisch sei. Es seien im Grunde genommen "Sprechzentren", in denen sich die Einwohner begegneten - und bei dieser Gelegenheit nebenbei auch ihre Einkäufe erledigten.

Hermann-J. Ortheil

"Das Kind, das nicht fragte", Verlag Luchterhand, ISBN 978-3630873022. 423 Seiten, 21,99 Euro.

In der mit rund 300 Besuchern restlos ausverkauften "Scheune" des Bürgerzentrums Altenberger Hof gab der Schriftsteller und Hochschullehrer Hanns-Josef Ortheil nun ein umjubeltes Gastspiel im Veedel seiner Kindheit - nicht weit entfernt von seinem Elternhaus, das sich am Erzbergerplatz befindet. Organisiert hatten den Leseabend unter anderem das Bürgerzentrum und die Buchhandlung Blücherstraße von Inhaberin Christiane Blut.

"Es ist gar nicht so einfach, hier zu sein, weil ich ja in der Nähe geboren bin", bekannte der Autor, bevor er zum ersten Mal Passagen aus seinem soeben erschienenen Roman vorlas. "Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich einmal hier ein Buch vorstellen würde, hätte ich es nicht geglaubt", sagte der 51-Jährige.

Im stark autobiografisch inspirierten Roman gibt es zahlreiche Gemeinsamkeiten und Wechselwirkungen - jedoch auch Gegensätze - zwischen Protagonist und Autor, die Ortheil den Zuhörern nahebrachte. "Benjamin ist ein wenig ein Alter Ego von mir, vielleicht auch ein Freund", erläuterte der Autor. So haben beide vier ältere Brüder - während jene des Hauptdarstellers es jedoch zu Erfolg und Geld gebracht haben, sind Ortheils Geschwister in jungen Jahren allesamt während der Kriegs- und Nachkriegszeit gestorben. "Ich hätte mir selbst Brüder gewünscht, mit denen ich hätte aufwachsen können - insofern ist der Roman eine Spiegelung meines Vorgängerromans »Die Erfindung des Lebens«", so der Autor auf die Frage einer Besucherin.

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