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Mongolentreffen: Schöner leben in der Jurte

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Nach getaner Arbeit genießen Rolf (l.) und Gabi Schmitz die Sonne, Frank Dünwald (verkleidet als Mönch) leistet ihnen Gesellschaft.  Foto: Waldschmidt
Rolf und Gabi Schmitz wohnen zurzeit in einer Jurte, in der Nettesheimerstraße. Auf mongolisch heißt das Ger. Und so wie die Erste Kölner Mongolenhorde haben die Menschen damals gelebt, im 13. Jahrhundert in Zentralasien.  Von
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Heimersdorf

So ganz traut Rolf Schmitz der traditionellen Zeltbautechnik dann doch nicht. Ob die mongolische Jurte wirklich allen Wetterunbilden standhalten kann? Schließlich besteht sie inwendig nur aus Holzstäben. „Ich habe das Dach zusätzlich mit Gurten gesichert, falls Sturm aufkommen sollte“, sagt der 62-Jährige, seine Augen blitzen vor Humor. Der Vorruheständler, früher in der Chemieindustrie tätig, trägt eine spitz zulaufende Mütze auf dem Kopf und ein indigoblaues, bordürenumsäumtes Gewand – eine historischen Originalen nachempfundene Tracht, importiert aus der Mongolei. Die Menschen in Zentralasien haben sich also wohl wirklich so gekleidet, damals Anfang des 13. Jahrhunderts, als der Mongolenherrscher Dschingis Khan ein riesiges Reich eroberte.

Gabi Schmitz hat eine floral gemusterte, pastellfarbene Weste an, Hals und Ohren sind mit Perlen geschmückt. Die Eheleute leben sonst in Siegburg, derzeit jedoch bewohnen sie eine Jurte – auf mongolisch heißt die Ger – auf dem Festplatz an der Nettesheimer Straße. Die Erste Kölner Mongolenhorde von 1984, die rund 80 Mitglieder zählt, hat dort ihr Sommerlager aufgeschlagen – zum 16. Mal. Interessierte sind zum Besuch eingeladen. Im April wurden die ersten Zelte errichtet, jetzt sind es 20.

Das Dach wird durch Holzpfosten gestützt.  Foto: Waldschmidt

Für die Schmitzens ist es eine Premiere, ihre eigene Behausung besitzen sie erst seit Dezember. Samt Mobiliar wurde die aus der Mongolei geliefert – auf dem Schiffsweg im Frachtcontainer über China. Rund 3000 Euro habe das gekostet, so Rolf Schmitz. Mal abgesehen von den Zweifeln, ob die Jurte auch wirklich sturmfest ist, hat das Paar beim Aufbau die Grundregeln penibel beachtet: Zuerst wurden die Möbel aufgestellt, links das Bett des Mannes, rechts das Bett der Frau, Stühle, Schränke, Ofen. Durch die winzige Tür würde das alles später nicht mehr hineinpassen.

Jurten verdanken ihre Größe von durchschnittlich 20 Quadratmetern einer luftigen Skelettbauweise, die an die Machart einer Ballonleuchte erinnert. Den Rumpf bildet ein ausziehbares Scherengitter – ähnlich einem Jägerzaun. Das Kuppeldach wiederum besteht aus losen Holzstangen. Die werden oben gehalten von einem Rad in der Dachmitte, das auf zwei Holzpfosten thront. Stricke und Lederknoten festigen das Zeltgerippe. In der Mongolei gelte die Regel, der gesamte Hausrat müsse auf zwei Kamelen zu transportieren sein, schließlich seien die Einwohner Nomaden, berichtet Hobby-Mongole Willi Werner.

Marek Büttner auf seinem Bett, der geschwungene Rahmen passt sich der runden Zeltform an.  Foto: Waldschmidt

„Im Zelt kann ich ganz toll schlafen, weil es optimal belüftet ist“, schwärmt Gabi Schmitz. Dafür nimmt sie in Kauf, auf dem Platz nicht heiß duschen zu können: „Och, dann mache ich eben Katzenwäsche.“ Bei aller Nostalgie – die Kölner Mongolenhorde hat auch die Gegenwart im Blick. Es wurden schon mehrere Benefizprojekte in Ulan Bator angestoßen. Zur Platzweihe ist Rolf Mützenich gekommen. Die Mongolische Republik sei eine parlamentarische Demokratie und habe zudem eine wichtige Scharnierfunktion zwischen Russland und China, sagt der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.

Vom 23. bis 25. August ist das Lager für Besucher geöffnet. Der Eintritt ist frei. Ein Höhepunkt ist die Wahl des Dschingis Khan am Freitag, 23. August, ab 18 Uhr.

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