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Rat und Tat: Selbsttherapie auf der Bühne

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Wenn die Nerven blank liegen: Die Gruppe Foufouway spielte einen familiären Konflikt nach. Foto: Hubert Brand
Die vereinseigene Stiftung für psychisch Kranke existiert seit 20 Jahren. Nun wurde das Bestehen in einem Pavillon der Kulturkirche an der Siebachstraße begangen. Der Verein wurde für sein Engagement bereits ausgezeichnet.  Von
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Der in Nippes aufgewachsene Kabarettist und Schauspieler Fatih Çevikkollu hat eine weniger bekannte Seite seiner Biografie: Seine Mutter leidet an einer psychischen Krankheit. Da ist es gut, Menschen zu kennen, denen es ähnlich geht. „Es ist ein geiles Gefühl, in der Situation nicht alleine zu sein. Der Kontakt mit anderen Angehörigen hat mir gut getan“, so der 40-Jährige. „Und man erkennt: Man muss sich nicht immer ein Bein ausreißen. Es ist auch wichtig, mal nach sich selbst zu schauen.“

Hilfe für Angehörige

Der Comedian, der jetzt auf einer Bühne im Pavillon der Kulturkirche an der Siebachstraße improvisierte, ist seit Ende 2011 einer von fünf Kuratoren der Kölner Stiftung für psychisch Kranke und ihre Angehörigen. Rund 70 Gäste feierten das 20-jährige Bestehen. Die Stiftung mit Schirmherr Peter Millowitsch finanziert die Zuwendungen des seit 1985 bestehenden Vereins Rat und Tat, der Familienmitglieder von psychisch Kranken begleitet. Denn neben Sprechstunden und Gesprächskreisen, die der Verein mit Sitz an der Kempener Straße 135 bietet, können seelisch Erkrankte oder Angehörige auch Förderanträge einreichen – etwa für Wohnungseinrichtung, Therapien und Erholungsurlaub.

Der Hilfsetat wird aus den Zinsen gespeist, die das Stiftungsvermögen abwirft. Aus 114 000 Mark Startkapital, die Susanne Heim einbrachte, sind durch Spenden und Erbschaften 570 000 Euro geworden. Doch ebenso ist die Zahl der Hilfsanträge gestiegen. „Außerdem leiden wir unter dem niedrigen Zinsniveau“, so Ulrike Demmig, Vorsitzende von Rat und Tat. Der Verein bekam 2005 den Preis „Köln-Engagiert“, 2009 folgte eine Ehrung vom LVR. Das Netzwerk förderte in 20 Jahren mehr als 600 Vorhaben, im Gesamtwert von knapp 263 000 Euro.

„Vor allem geht es uns darum, die Angehörigen vor einer Erkrankung zu schützen, die aus Überlastung und Kummer resultiert“, verdeutlichte Demmig. „Außerdem kämpfen wir für die Entstigmatisierung psychisch Kranker.“
Selbsttherapie auf der Bühne betreibt die Gruppe Foufouway des Sozialpsychiatrischen Zentrums (SPZ) Ehrenfeld. Neben einer Tanzrevue und Ausschnitten ihres neuen Stückes spielten sie auch eine Szene aus betroffenen Familien: Ein psychisch kranker Sohn hat Wahnfantasien. Die Mutter ist am Ende; die Tochter bemerkt deren Ohnmacht und negative Charakter-Veränderung.

Jochen Blume vom Sozialpsychiatrischen Zentrum Kalk schilderte ein rührendes Beispiel für einen bewilligten Antrag: Ein psychisch Erkrankter brauchte einen Trauerkranz – für die Beerdigung seines Vaters. „Nur mit einem eigenen Kranz traute er sich dorthin – aber den hätte er sich selbst nicht leisten können.“

www.rat-und-tat-koeln.de

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