Nippes
Bilderstöckchen, Longerich, Mauenheim, Niehl, Nippes, Riehl, Weidenpesch

Vorlesen
0 Kommentare

St. Mikael: Äthiopisch-orthodoxe Kölner

Erstellt
Die Mitglieder der Äthopisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland feierten in Longerich das Fest des Erzengels Michael. Foto: Elsen
Die Äthiopisch-orthodoxe Gemeinde hat in Longerich mit Trommeln und Rasseln ein Fest veranstaltet. Seit fast 30 Jahren sitzt die Gemeinde in Köln und besitzt mit der ehemaligen Lutherkapelle seit 2009 auch ein eigene Kirche.  Von
Drucken per Mail
Longerich

Das metallische Klappern der „Tsanatsel“, einer Handrassel, und Trommelschläge der „Kebero“ erklingen über den Kirchenvorplatz von Sankt Mikael. Mit einem melodischen Gesang ehren die in weiße Leinenkleidung gehüllten Gläubigen den Namenspatron ihrer Kirche, den Erzengel Michael, dem zu Ehren sie ein Fest veranstalten. Fröhlich mit den traditionellen äthiopischen Instrumenten musizierend ziehen sie in einer farbenfrohen Prozession aus dem Gotteshaus am Lindweilerweg. Dabei tragen die Gemeindemitglieder einen Tabot, eine Nachbildung der israelitischen Bundeslade, ein goldumschlagenes Evangelium, ein goldenes, reich verziertes Festkreuz und Bilder der Mutter Gottes sowie des Erzengels Michael. Die Stimmung ist sehr feierlich und gleichzeitig beschwingt.

Erzpriester Merawi Tebege (mit Mikrofon) spricht vor  der Sankt-Mikael-Kirche.
Erzpriester Merawi Tebege (mit Mikrofon) spricht vor der Sankt-Mikael-Kirche.
Foto: Elsen

Die Teilnehmer des Festzugs gehören der äthiopisch-orthodoxen Kirche Deutschlands an, die ihren Sitz bereits seit fast 30 Jahren in Köln hat. Im Sommer 2009 hatten die Orthodoxen die denkmalgeschützte ehemalige Lutherkapelle nach langen Jahren als Mieter sogar gekauft. Erzpriester Merawi Tebege ist stolz auf diesen Andachtsort, der farbenfrohe Wandgemälde, kunstvolle Ikonen und einen reich geschmückten Altar beherbergt. Tebege gründete 1983 die äthiopisch-orthodoxe Kirche in Deutschland. Nach dem Sturz von Kaiser Haile Selassie und der Gründung einer sozialistischen Militärdiktatur im Jahr 1974 flüchteten viele äthiopische Christen von Afrika nach Europa, zahlreiche kamen ins damalige Westdeutschland.

Über Glauben und Tradition austauschen

Tebege wollte einen Ort schaffen, an dem sie sich über ihren Glauben und ihre Traditionen austauschen können. „Wir geben den Gläubigen in unserer Gemeinde ein Stück Heimat – auch wenn die meisten natürlich längst in Deutschland Wurzeln geschlagen haben“, erläutert der Erzpriester. „Im Großraum Köln leben etwa 500 Gläubige, in ganz Deutschland sind es rund 25 000“, erklärt Tebege, der der Kirche wie ein Dekan vorsteht.

Die  Handtrommel „Kebero“ gehört zu den traditionellen Musikinstrumenten Äthiopiens.
Die Handtrommel „Kebero“ gehört zu den traditionellen Musikinstrumenten Äthiopiens.
Foto: Elsen

Der Festgottesdienst, der bereits um fünf Uhr morgens mit einem Weihrauchgebet begonnen hatte, wurde auf „Ge’ez“, der äthiopischen Kirchensprache, gehalten. Um dem Andrang der mehr als 300 Besucher zu bewältigen, waren alle Kirchenbänke ausgeräumt worden.

Frisch gerösteter Kaffee

Im Anschluss an die offiziellen Feierlichkeiten saßen die Gemeindemitglieder noch lange in weißen Zelten zusammen. Es gab das Nationalgericht „Ingera“, ein Fladenbrot mit Rindfleisch und scharfen Linsen. Dazu frisch gerösteten, gemahlenen und heiß aufgebrühten Kaffee. Schließlich ist Äthiopien das Ursprungsland der Bohnen, die aus der Region Kaffa stammen. „Auch das Essen und die Kaffeezeremonie sind so etwas wie ein Stück Heimat“, freut sich Tebege.

Hintergrundinfo Äthiopisch-orthodoxe Kirche

Die äthiopisch-orthodoxe Kirche zählt zu den ältesten christlichen Glaubensgemeinschaften der Welt. Sie soll mit mehr als 35 Millionen Gläubigen weltweit auch eine der größten der orientalisch-orthodoxen Kirchen sein.

Einer äthiopischen Legende nach soll der spätere äthiopische König Menelik – der Sohn von König Salomon und Makeda, der Königin von Saba – um das Jahr 1000 vor Christus seinen Vater in Jerusalem besucht haben. Als der ihn auf Drängen der Hohepriester jedoch nach Äthiopien zurückschicken musste, hatte Menelik die Bundeslade, also die originalen Gesetzestafeln, die Mose von Gott bekommen hat, im Gepäck und brachte sie in seine Heimat. Mit ihr führte er auch das Judentum in Äthiopien ein.

Um das Jahr 328 nach Christus entstand daraus die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde. (els)

Auch interessant
KVB Fahrplan
Start
Ziel
Datum
Zeit
 
Videos
FACEBOOK
Blog
Digitale Themen
Das Logo von Rheinklick

Mini-Coding-Schulungen, Analysen oder Veranstaltungen, hier geht es um Themen rund um die digitale (Kölner) Szene.

Weitere Serien
Nachwuchs-Autoren

Szene, Lifestyle, Trends, coole Events: Schüler, Studenten und Auszubildende schreiben für junge Leute.

Kleinanzeigen
ipad
Tablet-Ausgabe

Jetzt noch lokaler und umfangreicher: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Tablet lädt zur Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein. Jetzt 20 Tage lang gratis testen!