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„Magermodels“: Knapp überm Untergewicht

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Das Gesetz, mit dem Israel verhindern will, dass „Magermodels“ über die Laufstege schlendern, ist reine Symbolpolitik. Foto: dapd
Das Gesetz, mit dem Israel verhindern will, dass „Magermodels“ über die Laufstege der Modenschauen schlendern, ist reine Symbolpolitik. Ehrlicher wäre es, zuzugeben, dass Models eben superschlank sein sollen und ihre Figur nicht „normal“ ist.  Von
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Ich glaube nicht, dass viele neue Gesetze in den Klatschspalten der Tageszeitungen jemals solche Reaktionen auslösten wie jenes, das in Israel in diesen Tagen in Kraft trat. Gut, Paragrafen und Artikel sind naturgemäß auch weniger erotisch als Paillettenpumps und Abendkleider. Aber in diesem Fall ist der Abstand gar nicht so groß. „Magermodels ade“, titelte eine Zeitung enthusiastisch. Denn kein Model darf einen Body-Mass-Index (BMI) haben, der unter dem Wert 18,5 liegt. Ein ärztliches Attest soll das nachweisen. Beschäftigen Fotografen oder Agenturen zu dünne Models, gibt es Ärger.

Ein symbolisches Gesetz? In meinen Augen ja – und nicht mehr. Dabei geht es mir nicht nur darum, dass der BMI in Sachen körperliche Gesundheit wenig aussagekräftig ist. Oder dass man auch die beste ärztliche Untersuchung austricksen kann – ein Model schlug etwa vor, literweise Wasser vor dem Wiegen zu trinken. Bedenklich finde ich, dass mit einem BMI von 18,5 gerade mal die Grenze zum Untergewicht überschritten ist. Auf eine für Models sicher nicht ungewöhnliche Körpergröße von 1,80 Meter bezogen, dürfte die betreffende Person 60 Kilogramm wiegen. Mit einem „Magermodel“ haben wir es dann vielleicht nicht zu tun, aber unter „Normalgewicht“ fällt das auch nicht.

Wenn Designer finden, dass ihre Kollektionen an klapperdürren Models am besten aussehen – von mir aus. Dann sollen sie es aber genau so kommunizieren. Das israelische Gesetz hilft da wenig: Denn es spiegelt uns vor, dass alle, die wir auf Titelbildern oder dem Laufsteg sehen, ganz normal sind. Was eben – siehe die erwähnten 60 Kilogramm – nicht stimmt. Eine gute Figur gehört eben zur Stellenausschreibung eines Models, für die es im Fitnessstudio und an der Gemüsetheke ebenso hart arbeitet wie andere am Schreibtisch. Wer dort sein Geld verdient, kann – und muss – nicht so schlank sein wie Heidi Klum.

Gut: Ziel des Gesetzes soll sein, den Magerwahn zu bekämpfen. Mit dieser symbolischen Gewichtsgrenze ist das aber kaum zu erreichen. Ehrlicher wäre es, zuzugeben, dass Models eben superschlank sein sollen und ihre Figur nicht „normal“ ist. Mit den Kurven von Menschen, die fürs Dünnsein bezahlt werden, würde ich meine winterlichen Extrakilos ohnehin nicht vergleichen.

Die Autorin (22) gehört zum „Junge Zeiten“-Team der Redaktion Rhein-Erft. Die Mitarbeiter gestalten in ihrer Freizeit die Jugendseite des „Kölner Stadt-Anzeiger“, die jeden Donnerstag erscheint.

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