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Katastrophen: Wenn man trotzdem lacht

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Haben gut lachen: Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.  Foto: dapd
Humor inmitten von Katastrophen ist kein Ausdruck von lebensfeindlichem Zynismus – sondern oft ein überlebenswichtiges Geschenk. Lachen nach einem schweren Verlust erinnert die Menschen daran: Das Leben geht weiter - egal wie.  Von
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Manche Katastrophen sind zu ernst, um darüber Witze zu machen. Doch selbst wenn es eigentlich nichts zu lachen gibt, werden Menschen immer etwas finden, worüber sie lachen können – auch um sich zu befreien und für einen Moment den Druck von sich zu nehmen. Natürlich dauert es nach einer schlimmen Katastrophe länger, bis der Humor wiederkehrt. Ich kenne keine Witze über die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA. Es wird auch niemandem einfallen, angesichts des Amoklaufs in Newtown, Connecticut, zu witzeln.

Hurrikan Sandy jedoch war ein Beispiel dafür, wie schnell Menschen vom Drama zu einem befreienden Lachen zurückkehren können. Etwa mit der angeblichen Stellenanzeige eines Restaurants, das Mitarbeiter sucht, die unter Wasser kellnern können. Im Internet kursierte ein Foto einer überfluteten Straße mit folgendem Text: „Wenn Ihr Haus von einem Delfin getroffen wird, gehen Sie nicht raus, um zu schauen, ob es dem Delfin gutgeht. So locken Hurrikans Sie nach draußen!“ Darüber werden Menschen bei allem Elend zumindest lächeln.

Das Leben geht weiter

Lachen nach einem schweren Verlust, sogar in Kriegszeiten, erinnert die Menschen daran: Das Leben geht weiter, egal wie. Lachen schafft Abstand, macht Mut und erzeugt ein Gemeinschaftsgefühl. Denn Menschen lachen über eine komische neue Sicht der Dinge gemeinsam. Das Wort „Galgenhumor“ bedeutet all dies – Humor beweisen, wenn man schon unterm Galgen steht. Ebenso fällt Menschen mit Humor selbst dann noch etwas Komisches ein, wenn der Hurrikan das Wasser schon bis unter die Wohnzimmerdecke drückt.

Dabei geht es nicht darum, sich zynisch und tatenlos in sein Schicksal zu fügen, sondern es geht darum, mit Dingen klarzukommen, die man ohnehin nicht ändern kann – wie Stürmen. Wenn etwas unabänderlich ist, kann man auch versuchen, es zu überlachen.
Im Rheinland weiß man um diese lebenswichtige Wirkung des Humors. In einem älteren Karnevalslied heißt es: „Tränen, die du lachst, brauchst du nicht zu weinen.“ Die Fähigkeit, trotzdem zu lachen, ist ein überlebenswichtiges Geschenk.

Die Autorin (16) gehört zum „Junge Zeiten“-Team der Redaktion Leverkusen. Die Mitarbeiter gestalten in ihrer Freizeit die Jugendseite des „Kölner Stadt-Anzeiger“, die jeden Donnerstag erscheint.

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