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Skandal-Rapper: Bushidos gezielter Tabubruch

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Skandal als PR-Programm: Bushido Foto: dpa
Die jüngste, indiskutable Veröffentlichung des Gangster-Rappers Bushido erhält durch die von ihm erwünschte Skandalisierung leider viel zu viel Aufmerksamkeit. Das Verhalten der betroffenen Prominenten ist nicht gerade souverän.  Von
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Bushido schuf den Sound meiner Jugend. Nicht etwa, weil ich glühender Fan der zweifelhaften Rap-Ikone gewesen wäre, sondern weil Unterschichtenmythos, Gewaltfantasien und verbale Entwürdigung unglücklicherweise den Geschmack meines Freundeskreises trafen. Demonstrative Dauerbeschallung in den Pausen war Rebellion pur, der Reiz des Verbotenen und der Tabus. Da Bushido so ziemlich alle Register in Sachen Provokation zog, war er eben ziemlich angesagt. Die Reaktionen unserer Lehrer gingen von fassungslos-schockiert über amüsiert-gelassen, auch in den Medien verschaffte sich Bushido mit seinem harten Stil schnell den Titel als Porno-Rapper.

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Zu Beginn der Oberstufe war das Thema durch, der Musikgeschmack hatte sich wieder normalisiert. Kriminell, frauenverachtend oder schwulenfeindlich ist durch diese Phase niemand geworden, parallel dazu wurde auch der Medienwirbel um die derben Texte des Gangster-Rappers leiser.

Nach einer kurzen Skandalpause ist Bushido jetzt wieder auf Krawallkurs. Da der Rüpel des Hip-Hop-Geschäfts eigentlich schon alle Tabus des schlechten Geschmacks gebrochen hat, werden im neuen Titel „Stress ohne Grund“ auf primitivste Art Tötungsfantasien über Politiker und einen Comedian verbreitet. Claudia Roth, Klaus Wowereit, Serkan Tören und Oliver Pocher sind darüber verständlicherweise alles andere als erfreut, Strafanzeigen von Tören und Wowereit sind auf dem Weg. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat Bushidos allerneustes Werk auf den Index gesetzt.

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Der Gangster-Rapper hat mit der gezielt dosierten Provokation wieder einmal aus seiner Sicht ins Schwarze getroffen. Allerdings ist das Verhalten der betroffen Prominenten nicht gerade souverän: Die juristische Reaktion gießt Öl ins Feuer, gilt in der Rapper-Branche doch der Konflikt mit der Justiz als das ultimative Qualitätssiegel. Eine Indexierung ist quasi ein Ritterschlag für den neuen Titel und verschafft „Stress ohne Grund“ eine noch höhere Aufmerksamkeit. Schade, dass Wowereit, Roth und Co. nicht die Chance nutzten und zeigten, dass man nicht auf jede plumpe Beleidigung eingehen muss. Denn von den Schulhöfen werden sie die Alben von Bushido und seinen Kollegen so sicher nicht verbannen.

Der Autor (20) gehört zum „Junge Zeiten“-Team der Redaktion Rhein/Sieg. Die Mitarbeiter gestalten in ihrer Freizeit die Jugendseite des „Kölner Stadt-Anzeiger“, die jeden Donnerstag erscheint.

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