26.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | „Westspiel“: Berichte von rauschendem Fest bei Mitarbeiterversammlung
15. September 2016
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„Westspiel“: Berichte von rauschendem Fest bei Mitarbeiterversammlung

pic westspiel

Symbolbild

Foto:

imago

Köln -

Es soll ein ausgelassenes Fest gewesen sein. Auf einem Partyschiff der KD-Flotte feierten im November 2014 etwa 550 Mitarbeiter des Spielbank-Betreibers „Westspiel“ den Jahresausklang. Zehn Tage nach dem umstrittenen Verkauf zweier Kunstwerke von Andy Warhol hatten die Verantwortlichen des chronisch defizitären Staatsunternehmens eine Band, Showauftritte, eine Tombola und ein Buffet bestellt.

Nachdem der „Kölner Stadt-Anzeiger“ im März 2016 berichtete, dass das Fest 77.000 Euro gekostet hat, sprach Westspiel von einer „Mitarbeiterversammlung“ mit nur „angeschlossener Weihnachtsfeier“.

In einem Papier für den Landtag muss Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD), dem der Glücksspielanbieter untersteht, jetzt aber einräumen: „Aus meiner Sicht stand die Feierlichkeit im Vordergrund.“ Dies jedoch, so scheint es, ist noch äußerst dezent ausgedrückt.

Denn FDP-Fraktionsvize Ralf Witzel berichtet von Teilnehmeraussagen, bei der Bootsparty sei nahezu ausschließlich gefeiert worden. Der Informationsgehalt des Abends sei demnach minimal gewesen und sei nur „im Rahmen einer kurzen Ansprache zur Lage des Unternehmens berührt worden“.

„Ausblick auf das Geschäftsjahr 2015“

Im Landtags-Papier wurde der offizielle Teil der Veranstaltung nicht gesondert erfasst. Eine „Begrüßungsansprache durch die Geschäftsführung“, bei der es einen Rückblick auf 2014 und einen „Ausblick auf das Geschäftsjahr 2015“ gegeben habe, wurde mit der „Eröffnung des Buffets“ zum gemeinsamen Tagesordnungspunkt deklariert, der von 19.30 bis 21.30 Uhr stattgefunden habe.

Da Teilnehmer berichten, die Ansprache habe nur etwa eine Viertelstunde gedauert, fragte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ bei Westspiel nach den konkreten Zeiten.

Zur Dauer der Begrüßung, während der es wohl die einzigen unternehmensbezogenen Ausführungen gegeben hat, wollte sich der Glücksspielanbieter aber nicht äußern. Das passt ins Bild: Auch in mehreren Unternehmenspublikationen nach der Veranstaltung wird die angebliche „Mitarbeiterversammlung“ mit keinem Wort erwähnt. Vielmehr ist von einem „rauschenden Fest“, einem „atemberaubenden“ Schiff und „sensationellem“ Essen die Rede.

Umgang mit öffentlichen Geldern

FDP-Politiker Witzel jedenfalls bedauert „die mangelnde Sensibilität im Umgang mit öffentlichem Geld beim Partyexzess des Staatscasinos“: „Auch die Umetikettierung in eine betriebliche Versammlung von vermeintlich höherem Nutzen wirkt wenig glaubwürdig“. Die kurzen Anmerkungen zur Lage des Unternehmens seien „in der feucht-fröhlichen Nacht auf der Charterschiff von absolut untergeordneter Bedeutung gewesen.“


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