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Ausbildung: Lehrstellen nur in NRW knapp

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Ein Auszubildender zum Kfz-Mechatroniker arbeitet in Köln (Nordrhein-Westfalen) im Ausbildungszentrum Butzweilerhof.

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dpa

Berlin/Köln -

Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage auf dem nordrhein-westfälischen Ausbildungsmarkt klafft weiter auseinander. 104 000 Bewerbern stehen im laufenden Bewerbungsjahr nur 86 000 gemeldete Ausbildungsplätze gegenüber, vermeldet die Bundesagentur für Arbeit. NRW ist damit aus Sicht der Suchenden das ungünstigste Bundesland, nur hier und in Berlin gibt es mehr Bewerber als Plätze.

Das Berufsberatungsjahr beginnt im Oktober, jetzt, Anfang April, gelten 43 900 Bewerber als versorgt, 60 243 von ihnen warten noch auf einen Vertrag. Vor allem kleinere Betriebe entscheiden erst nach Ostern, wie viele Azubis sie einstellen wollen. „Die gemeldeten Ausbildungsplätze reichen bei weitem nicht aus. Um allen Jugendlichen eine Chance zu eröffnen sind deutlich mehr Lehrstellen erforderlich“, sagt Torsten Withake, Ausbildungsexperte von der Arbeitsagentur NRW.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Die Qualifikation vieler Bewerbungen habe sich verbessert, es gelinge häufiger, Jugendliche mit hohen Bildungsabschlüssen oder Studienabbrecher für die duale Ausbildung zu gewinnen, die früher ein Studium aufnahmen. Der Anteil der jungen Leute mit Fachhoch- und Hochschulreife erhöhte sich auf 36 000 – gut ein Drittel aller Kandidaten.

Andererseits müssen sich Betriebe zunehmend unterstützend um diejenigen Auszubildenden bemühen, die aus der Schulzeit noch nicht genügend Basiswissen mitbringen. Das sehen die Mitglieder der Handwerkskammer Köln ein – und gehen mit einem „Allzeithoch“ an angebotenen Lehrstellen ins Rennen: 1100 sind es aktuell, und bereits mehr unterzeichnete Verträge als im Vorjahr. Freie Lehrstellen gibt es im Einzelhandel (vor allem Bäckereien), für Jobs im Büromanagement, Bank- und Großhandelskaufleute, aber auch Köchinnen.

Doch die regionalen Unterschiede sind groß, die Bundesdurchschnittszahlen zeigen das. Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind nach Angaben der Bundesregierung „so gut wie nie“. Auf 100 suchende Schulabgänger kamen in 2016 statistisch gesehen 104,2 Angebote. So steht es im Berufsbildungsbericht, den das Kabinett verabschiedet hat. Das klingt aus Bewerbersicht gut. Aber viele Betriebe haben Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden. Während im Jahr 2016 520 300 Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden, sind 43 500 unbesetzte Lehrstellen bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet – Höchststand.

Den unbesetzten Lehrstellen stehen 20 600 unversorgte Bewerber gegenüber. Hinzu kommen 60 000 junge Menschen, die eine Alternative zur Ausbildung begonnen haben, aber weiter eine Lehrstelle suchen.