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Kriminalität: Drastisch mehr Vergewaltigungen – Meiste Tatverdächtige sind Deutsche

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dpa

Düsseldorf -

Die Zahl der schweren Gewalttaten in Nordrhein-Westfalen ist deutlich angestiegen. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2016 hervor, die NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) in Düsseldorf vorgestellt hat. Danach gab es bei den gefährlichen Körperverletzungen einen Zuwachs um 9,2 Prozent auf 33 329 Fälle. Die Zahl der Morde stieg um 8,7 Prozent auf 113 Fälle an. Die steigende Tendenz setzt sich bei den Totschlagsdelikten fort. Hier wurde eine Zunahme um 12,1 Prozent auf 258 Fälle registriert. Der Germanwings-Absturz mit 194 Toten zeigt sich als ein versuchtes Tötungsdelikt in der Statistik. Der Absturz war zwar im Jahr 2015, da die Ermittlungen aber erst 2016 abgeschlossen waren, schlägt sich das Geschehen in dieser Statistik nieder.

Als „besorgniserregend“ bezeichnete Landekriminaldirektor Dieter Schürmann den drastischen Anstieg bei den schweren Sexualdelikten. Vergewaltigungen und schwere sexuelle Nötigungen nahmen um 24,9 Prozent auf 2320 Fälle zu. Nach Angaben von Schürmann flossen 162 Sexualdelikte, die in der Kölner Silvesternacht 2015/16 begangen wurden, in die Statistik mit ein. Diese Fälle könnten den Anstieg aber nicht erklären. Der Anteil der Kölner Fälle an diesen Delikten liegt bei 12,3 Prozent. 1569 Sexualstraftäter sind Deutsche. Mit großem Abstand folgen Tatverdächtige aus der Türkei (165), Syrien (92), Afghanistan (66), Irak (65), Marokko (53) und Serbien (43).

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NRW-Innenminister Ralf Jäger präsentiert die Kriminalstatistik für NRW.

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Erstmals wurde in der Statistik auch die Kriminalität von Zuwanderern erfasst. Im Rahmen der Flüchtlingsbewegungen kamen 2016 rund 500 000 Menschen nach NRW, von denen 300 000 dauerhaft geblieben sind. Von den 494 885 Tatverdächtigen, die landesweit ermittelt wurden, waren 47 754 Zuwanderer. Die häufigsten Delikte waren Schwarzfahren und Ladendiebstahl.

Weniger Wohnungseinbrüche

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist erstmals seit vielen Jahren um fast 10 000 Fälle auf 52 578 gesunken gesunken. Der Rückgang zeige, dass die Anstrengungen der Polizei zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität wirken würden, sagte Arnold Plickert, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in NRW. Die Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbrüchen ist allerdings mit 16,2 Prozent weiterhin niedrig. „Dies macht deutlich, dass die Kriminalitätsbekämpfung in Nordrhein-Westfalen noch immer vor gewaltigen Problemen steht“, sagte Theo Kruse, Innenexperte der CDU-Landtagsfraktion.

Auch die Zahl der Taschendiebstähle sank gegenüber 2015 um fast sieben Prozent auf 50 893 Fälle. Rund 70 Prozent wurden von Rumänen, Bulgaren, Marokkanern und Algeriern begangen. Insgesamt wurden in NRW 2016 rund 1,47 Millionen Straftaten verübt – das ist ein Rückgang um 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 

Hier finden sie die gesamte Kriminalstatistik für NRW 2016.