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SPD in NRW: Michael Groschek – Der Mann, der die SPD aus dem Tief holen soll

Schulz Groschek

Michael Groschek mit Martin Schulz

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dpa

Düsseldorf -

Als Michael Groschek in dieser Woche auf der Treppe des Landtags  gefragt wurde, ob es stimme, dass er Parteichef werde, rang er kurz mit sich selbst. „Ach wissen sie, der beste Parteichef, den die SPD je hatte, war Willy Brandt“, sagte der Noch-Verkehrsminister schließlich, als ob das eine Antwort wäre. Typisch Groschek. Er hat immer einen Spruch parat.

Jetzt will der 60-Jährige aus Oberhausen die SPD aus dem Tal der Tränen führen. Bis zur Bundestagswahl soll die Partei wieder eine schlagkräftige Truppe werden. Das ist kein leichter Job, denn der Schock über die Wahlpleite sitzt tief. Mit Hannelore Kraft hat die NRW-SPD ihre Lichtgestalt verloren. Bei den SPD-Ortsvereinen, die in dieser Woche  über die Niederlage diskutierten, herrschte Trauerstimmung.

Groschek an der Basis beliebt

Groschek ist nun einer, der die Genossen zumindest wieder zum Schmunzeln bringen kann. Ein Haudegen alter Prägung, mit klarer Kante und lauter Stimme. Er gehörte zum „System Kraft“, weil sie ihn 2012 ins Kabinett berief, aber seine Wurzeln reichen viel tiefer.  Schon Franz Schartau hatte ihn 2001 zum Generalsekretär der NRW-SPD gemacht, das Amt übte er elf Jahr lang aus. Groschek kennt die Untiefen und Befindlichkeiten der Partei wie kaum ein anderer.

 An der Basis  ist der künftige Chef beliebt. Der Wahlerfolg im Jahr 2012 wurde auch ihm zugerechnet. In den fünf Jahren als NRW-Verkehrsminister wurden die Staus zwar eher länger als kürzer, aber er konnte gut erklären, dass  das an den kaputten Straßen und maroden Brücken lag – und nicht an ihm.  Mit seiner Kritik an der „durchgrünten Gesellschaft“, die sich dem Ausbau der Infrastruktur in den Weg stelle, sprach er vielen Genossen aus der Seele. Dem ehemaligen Manta-Fahrer liegen die staugeplagten Autofahrer mehr am Herzen als der Schutz von Feldhamstern.

Als Welterklärer ein Allrounder

Groscheks raue Art hat sich in seiner Bundeswehrzeit ausgeprägt. Bei der Marine leistet er auf dem Zerstörer „Z3“ als Maat (Unteroffizier) seinen Dienst. Er spricht in einfachen Sätzen und kann komplexe Zusammenhänge auf den Punkt bringen. Als Welterklärer ist er ein Allrounder, der völlig unvorbereitet unfallfrei in TV-Kameras sprechen kann. Ein Talent, dass nur wenigen Landespolitikern vergönnt ist.

Michael Groschek hatte seine Karriere bei der SPD eigentlich hinter sich.  Der Vater von zwei Kindern fährt an den Wochenenden gerne in die Eifel und geht mit dem Hund spazieren. Als  die Partei ihm ein Landtagsmandat antrug, lehnte er dankend ab. Jetzt hat er sich noch mal in die Pflicht nehmen lassen, um „den Übergang zu organisieren“, wie es heißt.   Dabei fungiert er als Platzhalter für einen künftigen Hoffnungsträger. Der könnte aus den Reihen der Fraktion nach ganz oben gelangen. Ob der amtierende Fraktionschef Norbert Römer ihm das Zepter zeitnah überlässt, ist bislang unklar. Der bisherige Justizminister Thomas Kutschaty würde gerne sofort dessen Nachfolge antreten.  Auch der scheidende NRW-Innenminister Ralf Jäger rechnet sich noch Chancen auf den  Posten an der Fraktionsspitze aus.