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Mühlen-Tag: Neues Mühlrad aus uraltem Holz

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Foto: Stephan Propach
In Windeck entsteht derzeit das bisher größte Projekt von Steffen Hollatz, der originalgetreue Nachbau eines historischen Mühlrades. Dazu verwendet der Fachmann 200 Jahre alte Eiche. Das neue Mühlrad besteht aus zwei Scheiben.  Von
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Windeck

Er hat Vordächer gezimmert, Fachwerk saniert, Türme und zusammen mit Kollegen ganze Häuser gebaut. Eine Leidenschaft von Steffen Hollatz aber ist der technische Denkmalschutz. Und wenn er sich in das Verständnis früherer Generationen hineindenkt, deren Umgang mit Holz studiert und nachvollzieht, ist er ganz in seinem Element. In einer Halle in Leuscheid entsteht derzeit sein größtes Projekt, der originalgetreue Nachbau eines etwa 300 Jahre alten Mühlrades.

Ursprünglich, so Hollatz, habe sein Auftraggeber aus dem Oberbergischen lediglich das zu einem Drittel weggefaulte Originalrad restaurieren wollen. Das sei so aufwendig gewesen, dass in Absprache mit dem Denkmalschutz ein Neubau als sinnvollere Lösung gewählt wurde, berichtet der Schreiner und Zimmerer. Das Nebeneinander von Altem und Neuem hätte zu einer gewaltigen Unwucht führen können.

Als Vorlage für seinen Neubau stehen die Teile des uralten Mühlrades mit immerhin 3.50 Metern Durchmesser noch an der Stirnwand der Werkstatthalle. Von ihnen hat er die Maße eins zu eins übernommen und auf frisches Holz übertragen. Immerhin 200 Jahre sind auch die „frischen“ Eichenbretter schon alt. Vor 30 Jahren wurden sie geschlagen und geschnitten. Seitdem lagerten die Bohlen fachgerecht in einem Sägewerk. Aus dem Holz von 200 seinerzeit gefällten Eichen suchte sich Hollatz die 22 passenden, 60 Zentimeter breiten Bretter heraus.

Das neue Mühlrad besteht wie auch das alte aus zwei Scheiben, die aus jeweils zwei Bohlen-Lagen zusammengeschraubt sind. 24 Bohlen hat Steffen Hollatz zurechtgeschnitten, die Nuten für 24 Wassertaschen und 140 Wasserlatten hineingefräst. Zusammengehalten werden die beiden Bohlenlagen von 200 Bolzen. Da hat der Schreiner eigens Schwarzstahl besorgt, auch hier eng am 300 Jahre alten Vorbild orientiert.

Schauen und Essen

Pfingstmontag ist Mühlentag: Am 20. Mai öffnen Mahlbetriebe in ganz Deutschland ihre Türen, und auch an Agger, Sieg und Bröl gibt es einiges zu entdecken. Mühlen, Hämmer und Wasserkraftanlagen gewähren Einblicke in das einstige Handwerkerleben. Mit dabei sind die Gammersbacher Mühle in Lohmar, die Herfterather Mühle in Much, Göpelmühle und Wasserrad im Museumsdorf Altwindeck sowie die Mittelirsener Walzenmühle, ebenfalls in Windeck.

Als Höhepunkte können mancherorts Vorführungen des Mahlbetriebes, der Hammertechnologie oder der Wasserkraftnutzung bestaunt werden. Mit dem umfangreichsten Programm warten die Lohmarer auf: Die Gammersbacher Mühle (Abzweig Burg Schönrath) ist mit ihrer weiträumigen Hofanlage mit Wasserrad und technischer Mühlenausstattung vollständig erhalten. Vor Ort werden Gäste bewirtet, Besichtigungen des Betriebes sind möglich, es gibt Ponyreiten, Bogenschießen und selbstgebackenes Brot. Mahlvorführungen finden um 13 und um 16 Uhr statt.

Ein Restaurant ist heute die Herfterather Mühle (Herfterath 61) in Much. Am Montag werden stilecht „Mühlengerichte“ serviert. Gegenstände des alten Handwerks sind zudem im Gelände ausgestellt. An der Oberen Sieg hat das Heimatmuseum Windeck (im Thal Windeck) für Besucher von 14 bis 18 Uhr geöffnet, das Wasserrad ist in Betrieb, die Göpelmühle kann besichtigt werden.

Unter Denkmalschutz steht die Mittelirsener Walzenmühle (Mühlengraben 1) in Windeck. Bei ihr werden Besichtigungen und Führungen angeboten, der Mahlbetrieb mit Wasserkraft wird laufen – und zu essen gibt es auch etwas.

Eine Übersicht mit allen teilnehmenden Mühlen und Aktionen:

www.muehlenregion-rheinland.lvr.de

Verbunden sind die Seitenplatten des Mühlrades durch acht kräftige Eichenbalken. In deren Zentrum wird der Achsblock eingespannt. Der besteht aus zwei rechtwinkligen Eichenbalken, in deren Mitte die Achse eingespannt wird. Achse und Achsblock übernimmt Hollatz vom uralten Vorbild, wobei die Eichenbalken noch aus der Zeit stammen, in der das alte Rad gebaut wurde. Die Achse sei ebenso wie die Lager mindestens einmal erneuert worden, meint der Experte.

Bis zur endgültigen Montage wird Hollatz die beiden Scheiben des Mühlrades mit einem Kran noch einmal auseinandernehmen. Dann werden Löcher für 22 Stahlstangen gebohrt, die am Ende die beiden Scheiben des Rades zusammenhalten. Für die endgültige Montage sind einige helfende Hände nötig, die die Bretter der Wassertaschen zwischen die Scheiben dirigieren. Am Ende wird dann der alte Achsblock ins Zentrum des Rades gespannt.

Seinen Platz soll das Rad aus leuscheid in einer alten Mühle in Gummersbach-Hanfgarten bekommen. Dorthin will Steffen Hollatz das Rad mit einem Anhänger für riesige Kabeltrommeln bringen, den er von einer Elektrofirma leiht. Bis das Rad in neuen Achslagern nach dem Willen seines Besitzers Strom erzeugt, werden noch ein paar Monate vergehen. Erst einmal müsse das Fundament fertiggestellt werden, erklärt der Zimmerer.

Außerdem habe er noch jede Menge Respekt vor dem Wassern. Wenn sich die uralten Eichenbohlen und -bretter ausdehnten, werde es kräftig krachen. Hollatz ist zuversichtlich, dass sich sein Rad weitere Jahrhunderte drehen wird.

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