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Altenberg: Gedränge an der Kirchenpforte

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Viele Menschen besuchen zu Weihnachten die Gottesdienste der beiden Kirchengemeinden im Altenberger Dom.  Foto: Roland U. Neumann
Mehr als 5000 Menschen strömen Weihnachten in die Gottesdienste – Einige bringen sogar Klappstühle mit. Wer mit der ganzen Familie sitzen will, der muss rechtzeitig da sein.  Von
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„Religion geht ins Herz.“ Monsignore Johannes Börsch, katholischer Pfarrer in Altenberg, hat eine ganz einfache Erklärung, warum ausgerechnet an Weihnachten der Altenberger Dom so voll ist. 5000 bis 6000 Menschen strömen an Heiligabend und am ersten Feiertag in die Gottesdienste der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde.

„In diesem Jahr kommen auch noch drei Busse aus Maastricht zur Christvesper um 15 Uhr“, weiß Claudia Posche, die evangelische Pfarrerin an der Dhünn. Rund 200 Gäste zusätzlich bedeuten für ihr Team, dass eine gute Planung im Vorfeld besonders wichtig wird. Und auch wenn die Kirchengemeinden bislang von den Auflagen der Versammlungsstättenverordnung verschont geblieben sind, haben sich Posche und ihre Helfer auf den noch größeren Ansturm vorbereitet. Erstmalig können sich gebrechliche Menschen, die nicht während des Gottesdienstes stehen können, vorher telefonisch anmelden und einen Sitzplatz im Chorraum reservieren.

„Manchmal kommt eine Person und reserviert eine ganze Bankreihe, das sorgt natürlich für Unmut. Wer mit der ganzen Familie sitzen will, der muss rechtzeitig mit der ganzen Familie kommen“, findet Posche und hofft darauf, dass die Gäste einsichtig sind und auch nicht ihre mitgebrachten Klappstühle in die Fluchtwege stellen. „Es ist ja verständlich. Da haben die Leute den ganzen Tag Hektik und kommen oft genervt und mit hohen Erwartungen, dass es jetzt doch bitte festlich werden muss. Manche sind noch sehr aggressiv.“

Wenn sie von der Krabbelweihnacht im Martin-Luther-Haus in den Dom komme, sei es ihr schon passiert, dass man sie partout nicht durchlassen wollte. „Da sage ich dann immer ein bisschen scherzhaft, wenn sie mich nicht durchlassen, fängt das ganze hier nicht an“, sagt die Pastorin und schmunzelt. Ein fein ausgeklügeltes System regelt das Miteinander der beiden Konfessionen im Simultaneum Altenberger Dom auch an normalen Tagen, an Weihnachten ist es minutiös aufeinander abgestimmt. An Heiligabend beginnt die evangelische Gemeinde um 15 Uhr mit ihrer Christvesper im Dom, um 17 Uhr folgt die katholische Familienchristmette, um 19 Uhr die katholische Christmette mit Instrumentalmusik. Um 21 Uhr kommen erneut die evangelischen Christen zum Lichtergottesdienst zusammen, bevor der Tag ab 23 Uhr mit der katholischen Mitternachtsmette endet. Um die vielen Besucher reibungslos hinein und hinaus zu lassen, bedarf es guter Nerven und eines Ordnungsdienstes, der zumindest bei den evangelischen Gottesdiensten die Menschenströme kanalisiert. „Auch mit den Parkplätze ist es schon mal eng“, fügt Monsignore Börsch an, dessen Wohnung genau an der Zufahrt liegt.

Trotz aller Hektik ist auch Zeit für Gemeinsamkeiten. So liest Börsch jedes Jahr in der evangelischen Christvesper das Weihnachtsevangelium. Die Krippe gehört der katholischen Kirchengemeinde und bleibt während der Weihnachtszeit im Dom stehen, ebenso wie die geschmückten Weihnachtsbäume, die die katholische Gemeinde besorgt.

Vor dem Gottesdienst im Dom hat Claudia Posche schon zwei andere Messen gefeiert. Ihr Heiligabend beginnt um 10.30 Uhr mit einer ökumenischen Christvesper im Seniorenstift St. Pankratius in Odenthal. „Das haben wir vor zwei Jahren klein angefangen, inzwischen begleiten uns Blechbläser; und Verwandte der Bewohner sowie der Mitarbeiter kommen dazu“, berichtet sie. Ebenfalls gut besucht ist die Kleinkinderweihnachtsfeier im Gemeindehaus. Um 15 Uhr beginnt die Christvesper im Altenberger Dom, und danach geht es für die Pfarrerin noch nach Neschen zur Familienchristvesper in die Michaelskirche. „Dann ist für mich Schluss, den Lichtergottesdienst hält mein neuer Kollege Stephan Sticherling.“ Wenn sie gegen 18 Uhr am Heiligen Abend nach Hause kommt, hat ihre Schwester Ulrike, die aus Hamburg anreist, den Tannenbaum geschmückt. „Gute Freunde aus meiner Zeit in Düsseldorf kommen jedes Jahr und bringen einen Rahmapfelkuchen mit. Und das warme Essen, das liefert die Tiefkühltruhe“, erzählt Posche.

Auch für Johannes Börsch, der seinen Geburtstag „gemeinsam mit dem Herrn und unserem Kardinal am 25. Dezember feiert“, endet der Weihnachtsabend im kleinen Kreis mit Freunden. „Nach der Mitternachtsmesse feiern wir bei mir zu Hause in meinen Geburtstag hinein.“ Für Börsch bedeutet der Geburtstag, das Fasten brechen zu können, das er gemäß alter Tradition in den 40 Tagen vor Weihnachten durchgehalten hat. „Und weil es spät wird in der Heiligen Nacht, übernimmt ein Kollege die Hirtenmesse um 7 Uhr am nächsten Morgen.“

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