Odenthal
Nachrichten und Bilder aus Odenthal

Vorlesen
0 Kommentare

Findelkind: Moses ist ein kleines Ferkel

Erstellt
Foto: Privat
Die Jägerin Judith Hecker aus Odenthal zieht derzeit ein kleines Wildschwein auf. Der Frischling war in einer Garage gefunden worden, offensichtlich hatten freilaufende Hunde die Bache und ihren Nachwuchs aufgescheucht.  Von 
Drucken per Mail
Odenthal

„Mama, jetzt hast Du sechs Kinder.“ Mit diesem Satz begrüßte eine Tochter von Judith Hecker den „Familienzuwachs“. Seit Dienstagabend grunzt und quietscht es im Wohnzimmer der Jägerin. Der kleine Moses hält die ganze Familie, vor allem aber seine Pflegemutter, auf Trab.

Kein Wunder, denn das Findelkind mit dem traditionsreichen Namen ist ein etwa zehn Tage alter kleiner Keiler. Das Miniwildschwein hatte sich in eine Garage am Waldrand der Dünnerhöfe in Odenthal geflüchtet. Die Besitzer der Garage riefen Judith Hecker an, als sie das kleine Tier erblickten. „Wir nehmen an, dass die säugende Bache von Hunden aufgescheucht worden ist. Der kleine Kerl ist wohl in Panik in die falsche Richtung gelaufen und hat so den Anschluss an seine Familie verloren,“ vermutet Heckers Lebensgefährte Burkhard Thulke, der ebenfalls Jäger ist.

Die mitgebrachten Gewehre konnten die beiden Jäger direkt wieder im Auto verstauen, stattdessen versuchte Thulke mit einem Handschuh geschützt, den Frischling unter einem in der Garage stehenden Auto hervorzulocken. „Der hat mich direkt angegriffen und aus Leibeskräften gequiekt, als ich ihn schließlich hatte“, berichtet Thulke und ist beeindruckt von so viel Energie.

Die Flucht hat dem Winzling allerdings ziemlich zugesetzt. „Gestern Abend war er völlig apathisch, ich musste ihm die Flasche quasi aufzwingen“, schildert Hecker die ersten Stunden mit dem neuen Pensionsgast. Erst mitten in der Nacht bekam das Wildschwein Appetit, seitdem „trinkt er, als müsse er ganz viel aufholen“, fügt die Jägerin an. Ferkelmilch aus der Flasche ist derzeit angesagt, statt in der Erde kuschelt sich Moses auf einer Matratze im Heckerschen Wohnzimmer eng an seine Pflegemutter. „In der Nacht hat er sich in meine Haaren vergraben, da habe ich gehofft, dass die Läuse wissen, wo sie hingehören“, schmunzelt Hecker, die das kleine Tier zuvor zwar sorgfältig mit dem Läusekamm bearbeitet hatte, aber sich nicht sicher ist, alle Parasiten erwischt zu haben. Nachdem Moses die erste Nacht überstanden hat, sind Hecker und Thulke zuversichtlich, dass der Frischling es schaffen wird. Obwohl es noch etwa eine Woche dauern wird, bis Moses komplett über den Berg ist.

„Hätte man ihn nicht gefunden, wäre er jetzt tot“, ist sich Thulke sicher. Er versteht nicht, warum Hundehalter sich so schwer damit tun, ihre Vierbeiner derzeit im Wald anzuleinen. „Der Wald ist gerade eine große Kinderstube. Viele Hundehalter oder Reiter, die ich anspreche, schauen völlig verständnislos, wenn ich ihnen erkläre, dass ihr Hund, selbst wenn er nur an einem neugeborenen Rehkitz schnuppert, dafür sorgt, dass die Ricke es nicht mehr annimmt und das Kitz elendig verhungert.“ Dieses Schicksal hätte auch Moses gedroht, wenn er nicht in der Garage entdeckt worden wäre. Als Jäger, die eigentlich bestrebt sind, den Wildschweinbestand nicht ausufern zu lassen, einen kleinen Keiler mit der Flasche großzuziehen, ist für Hecker und Thulke kein Widerspruch. „Zu unserem Beruf gehört nicht nur die Jagd, sondern auch die Hege des Bestandes“, findet Thulke und schaut liebevoll auf den friedlich schmatzenden Winzling.

Alle paar Stunden braucht der kleine Kerl nun die Flasche, bis er kräftig genug ist, auf feste Nahrung umgestellt zu werden. „Das wird etwa drei Wochen dauern, dann können wir ihn auch in die Gartenlaube umziehen lassen,“ hofft Hecker. In einem halben Jahr beginnt die Suche nach einem Wildgehege, dass Moses aufnehmen will. „Auswildern können wir ihn nicht mehr, dazu ist er zu sehr auf Menschen geprägt,“ weiß Thulke. Von den auf ihn zukommenden Schwierigkeiten ahnt der kleine Keiler noch nichts, er lässt sich lieber von seinem neuen Freund abschlecken: Jagdhund Finn. Der ausgebildete Schweißhund hat sofort verstanden, dass Moses keine Beute ist. Er verteidigt den Rudelzuwachs sogar gegen Hauskatze Ninja.

AUTOR
Auch interessant
Spielen Sie auch gerne Spiele?

Ob Strategie, Karten oder einfach Glück - Brettspiele sind nach wie vor beliebt. In Odenthal wurde am Wochenende zum Vorentscheid für die Deutschen Meisterschaften im Brettspiel gespielt. Spielen Sie auch gerne Spiele?

Nachwuchs-Autoren

Szene, Lifestyle, Trends, coole Events: Schüler, Studenten und Auszubildende schreiben für junge Leute.

Anzeige
Strengere Auflagen bei Karnevalszügen

Seit zwei Jahren werden die Organisatoren bei den Karnevalszügen stärker in die Pflicht genommen und müssen sich an Aufgaben beteiligen, die früher ausschließlich die Polizei geleistet hat. Meist werden für solche Aufgaben Security-Firmen herangezogen, die das Budget der Karnevalisten zusätzlich belasten. Finden Sie das in Ordnung?

FACEBOOK
Kleinanzeigen