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Odenthaler Archiv: Das Gedächtnis der Gemeinde

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Regale voller Bücher, die man nur vorsichtig in die Hand nehmen kann – auch das fanden die Helfer im Dachgeschoss vor.  Foto: Roland U. Neumann
Ein Team von Ehrenamtlern hat das Odenthaler Archiv aufgeräumt und den Bestand neu erfasst. Zusammen hat die Gruppe das Archiv benutzerfreundlicher gestaltet. Nun gibt es auch einen Lese- und einen Bildschirmarbeitsplatz.  Von
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Augias – der Name jenes legendären Königs der griechischen Mythologie ist Programm für das Odenthaler Gemeindearchiv. In der Sage konnte Herakles den Stall des Augias erst dadurch an einem Tag ausmisten, dass er gleich zwei Flüsse durch ihn leitete. In der Realität ist nach dem König Augias die Archivsoftware benannt, die auf Laptop und PC installiert ist. Ausgemistet wurde in den vergangenen Wochen und Monaten in Odenthal ebenfalls reichlich, auch wenn die Dhünn dafür nicht umgeleitet werden musste. Das hätte das Ehrenamtler-Team um Professor Dietrich R. Quanz auch vor größere Probleme gestellt, denn die Archivräume befinden sich im Dachgeschoss der alten Volksschule.

„Wir haben ausgesehen, als kämen wir aus dem Kohlenkeller“, berichtet Quanz. Kartons und Regale wurden vom Staub der Jahrzehnte befreit, kistenweise Akten und Bücher gesichtet und sortiert. Im Geschäftszimmer gibt es jetzt einen Leseplatz, den auch Gruppen nutzen können, in der Bibliothek steht ein zweiter Bildschirm-Arbeitsplatz zur Verfügung. Im Magazin lagern griffbereit die Kartons zum Findbuch, das der ehemalige Gemeindedirektor Hans Klein nach seiner Pensionierung angelegt hatte, während nebenan die Bauakten gerade nach Orten sortiert werden. Begeh- und nutzbar ist das Archiv bereits geworden. Nur die Rumpelkammer bleibt den Besuchern noch verborgen. Hier, wo nach dem Einsetzen neuer Fenster die Glaswolle in Fetzen von der Decke hängt, lagern alte Kronleuchter und Hirschgeweihe aus dem Herzogenhof, fristen ein ausgestopfter Auerhahn sowie ein aus Holz geschnitzter bergischer Löwe ihr Dasein in einem Pappkarton. Eine stattliche Anzahl von Kunstwerken hat Walter Jansen, der Kulturbeauftragte der Gemeinde, bereits gesichtet. Aussortiert wurde lediglich ein mumifizierter Mauersegler, der eindeutig nicht zum Inventar gehörte.

Stolz präsentierten Dietrich Quanz, Richard Pyka, Norbert Franz, Horst Ball, Volker Fasbender und Peter Krüger-Wensierski Bürgermeister Wolfgang Roeske das Ergebnis ihrer Arbeit.
„Ich bin total beeindruckt, was die Gruppe in so kurzer Zeit geleistet hat, um das Gedächtnis der Gemeinde zu bewahren“, freute sich Roeske. Archivpflege sei zweifellos Aufgabe der Gemeinde, allerdings fehle dafür zurzeit das Geld und damit auch das Personal. „In kleinem Rahmen“ versprach er jedoch weiterhin Unterstützung der Gemeindeverwaltung.

Computer und Software wurden zur Verfügung gestellt, und die Glaswolle in der Rumpelkammer soll demnächst verkleidet werden. Fachlich und ideell wird der Aufbau des Odenthaler Archivs zudem vom Landschaftsverband Rheinland begleitet.
Jeder der Ehrenamtler hat sein Spezialgebiet. Wensierski-Krüger zum Beispiel, angehender Geschäftsführer der Goethegesellschaft Köln, begeistert sich vor allem für die Anfänge des heutigen Kommunalwesens, die die Franzosen gelegt haben. Durch Zufall fand er beim Aufräumen und Sortieren den zweisprachig verfassten kaiserlichen Erlass Napoleons aus dem Jahre 1809, der falsch abgeheftet worden war und sich unter anderem auch mit der Einrichtung von Archiven beschäftigt.
Mit einem weiteren Zufallsfund hat sich Herbert Brühl intensiv befasst. Der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger hat ein stattliches Konvolut an Tonscherben begutachtet, das in einem Karton unter der Dachschräge gelegen hatte. „Die Scherben belegen einen Wohnplatz, der vom 8. bis zum 18. Jahrhundert genutzt worden ist“, sagt der 77-Jährige.

Dabei ist sein Interesse an der Geschichte der Gemeinde buchstäblich unterirdisch. Vor allem das Früh- und Hochmittelalter seien im Odenthaler Untergrund „unheimlich lebendig“, freut er sich. Manchmal stoße man schon 40 Zentimeter unterhalb des Mutterbodens auf das einstige Wohnniveau. Mit dem archäologischen Reichtum Kölns seien aber allenfalls die Verhältnisse in Altenberg zu vergleichen: „Da gräbt man ein Loch, und schon ist man drin in der Geschichte.“

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