Olympia 2012
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Hockey-Herren: Erst das Gold, dann die wüste Party

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Unsere Gold-Jungs: Die Hockey-Herren haben gegen die Niederlande Gold gewonnen. Foto: Getty Images
Für zwei Dinge sind Deutschlands Hockey-Herren bekannt: Sie gewinnen gerne: Am Samstagabend gab es schon zum vierten Mal Olympiagold. Und sie feiern gerne: Dieses Mal musste die MS Deutschland dran glauben.  Von
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London

Sie haben es wieder getan. Erst gewonnen, dann gefeiert. Für beides sind die deutschen Hockey-Herren bekannt. Am Samstagabend wurde die Mannschaft von Bundestrainer Markus Weise in London zum zweiten Mal in Folge Olympiasieger. Ein disziplinierter Kraftakt, ein gut aufgelegter Torhüter Max Weinhold und ein Überraschungs-Doppel-Torschütze Jan Philipp Rabente waren nötig, um die in der Vorrunde überragenden Holländer mit 2:1 zu bezwingen.

Die deutsche Hockey-Mannschaft feiert ihren Triumph.
Die deutsche Hockey-Mannschaft feiert ihren Triumph.
Foto: dapd

Es war der vierte deutsche Olympiasieg nach 1972, 1992 sowie 2008, der Kölner Stürmer Christopher Zeller, einer der zehn Spieler, die nun zwei Goldmedaillen ihr Eigen nennen dürfen, sagte: „Noch niemand im deutschen Hockey hat das geschafft. Man ist jetzt in einem sehr auserlesenen Kreis. Diese harte Arbeit, die wir da reingesteckt haben, wenn man da das Maximum rausholt, das ist ein Gefühl, das kann man niemandem vermitteln.“

Markus Weise, der Trainer hinter den Erfolgen, führte 2004 schon die deutschen Damen zum Olympiasieg und feierte nun mit den Herren zum zweiten Mal den größten aller Triumphe. Er tat das wie gewohnt mit rotzigem Understatement. Seine Gefühle? Wen interessierten schon seine Gefühle? Der Trainer steht nicht gern im Mittelpunkt, das entspricht nicht seinem Führungsstil. Er lässt mitdenken, mitentscheiden, mitmachen. Deshalb will er jetzt nicht gelobt werden, sondern lieber selbst loben. „Meine Jungs haben einen sehr schweren Job gehabt heute, aber sie haben ihn erledigt, ich bin stolz auf sie“, sagt er. Schon im EM-Finale im vergangenen Jahr in Mönchengladbach besiegte Deutschland Holland mit 4:2. Nach der Pleite in London scherzte Trainer Paul van Ass: „Wir haben besser gespielt als bei der EM, aber es war nicht ausgemacht, dass die Deutschen auch so viel besser spielen würden.“ In der Vorrunde hatte sein Team die Deutschen noch mit 3:1 bezwungen. Weises Mannschaft lief erst beim 4:2 im Halbfinale über Australien zu Hochform auf. Die Holländer schickten die Briten mit einem 9:2 ins Spiel um Platz drei, das Australien mit 2:1 gewann.

Was aber haben die Deutschen den anderen großen Hockeynationen voraus? Den Willen, sagen viele. Darunter Max Weinhold (siehe Interview) und Abwehrspieler Philipp Zeller, neben dessen Bruder Christopher sowie Timo und Benjamin Wess zwei von fünf Rot-Weiß-Köln-Spielern, die nun Doppelolympiasieger sind. „Viele verwechseln wünschen und wollen“, so erklärt es Weise.

Benjamin Wess hat noch einen anderen Vorteil ausgemacht, er sagt: „Wir sind nicht ausrechenbar. Wir haben unsere Stars, aber jeder kann für den X-Faktor sorgen.“ Der große Unbekannte für den X-Faktor war am Samstag Jan Philipp Rabente von Uhlenhorst Mühlheim. Ein defensiver Mittelfeldspieler, 25 Jahre alt, in 77 Länderspielen hatte er vorher nur sechs Tore geschossen. Im olympischen Finale traf er gleich doppelt.

Kurz vor der Pause zirkelte er sich sehenswert durch die holländische Abwehr und beförderte den Ball im Fallen ins Tor. Christopher Zeller, vor vier Jahren der deutsche Sieg-Torschütze, sagte: „Wie er da die Holländer frisch macht und das Ding reinschippt, das war ein krasser Moment, Hut ab vor der Leistung.“

Matchwinner Jan Philipp Rabente (r.) schoß die beiden Treffer.
Matchwinner Jan Philipp Rabente (r.) schoß die beiden Treffer.
Foto: dpa

In der zweiten Halbzeit gelang Mink van der Weerden nach einer kurzen Ecke allerdings der Ausgleich (54.). Der Sieg der Deutschen geriet noch einmal in Gefahr – bis Jan Philipp Rabente kurz vor Schluss das 2:1 erzielte, das nicht hätte zählen dürfen (siehe integrierte Meldung). Er kam von der Bank, sorgte erst links vor dem Tor der Holländer mit einer Aktion für Gefahr, an deren Ende er sich hinter der Torlinie wiederfand. Von dort kehrte er nicht auf direktem Weg ins Feld zurück, sondern rannte hinter dem Tor vorbei auf die rechte Seite. Als er dort ankam, musste er nur noch den Schläger hinhalten.

„Es ist nicht meine Hauptaufgabe in dem Team, Tore zu schießen“, sagt Rabente später. „Heute ist es mir zweimal geglückt, das macht mich unfassbar stolz. Viel wichtiger ist aber, dass wir die Goldmedaille gewonnen haben, nicht, wer die Tore schießt.“ Beim zweiten Treffer habe er einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Fleck gestanden. „Jeder von uns hätte den reingemacht.“ Sechs Minuten waren danach noch zu spielen. Die Deutschen lieferten sechs Minuten disziplinierte Abwehrarbeit – dann stand ihr Sieg fest.

In den frühen Morgenstunden des Sonntags löste sich die Disziplin in einem Gemenge aus Euphorie und Alkohol auf. Vor vier Jahren in Peking hatten die Hockeyspieler das deutsche Haus demoliert, diesmal überstand die in London vor Anker liegende MS Deutschland die Party nicht ohne Schrammen. Am Tag danach entschuldigten sich die Spieler bei Schiffskapitän Andreas Greulich für die Verwüstung. Er bekam einen Schläger und ein signiertes Trikot. Den finanziellen Schaden wird der DHB übernehmen.

In diesen Nachrichten fast ein wenig unter ging die Meldung, dass der Siegtreffer der deutschen Hockey-Männer irregulär war. Torschütze Jan Philipp Rabente hatte vor seinem Tor zum 2:1 in der 64. Minute des Endspiels gegen die Niederlande das Spielfeld verlassen und war hinter dem Tor des Gegners herumgelaufen, bevor er auf der anderen Seite das Feld wieder betrat und die Kugel ungedeckt über die Linie schob. Laut Regel 9, 14 ist es verboten, hinter dem Tor zu laufen. Glücklicherweise für das deutsche Team haben weder die Schiedsrichter noch der Video-Umpire, noch die niederländischen Gegenspieler den Verstoß moniert. Bundestrainer Markus Weise, nach dem Spiel darauf hingewiesen, sagte: „Das ist mir so was von egal.“ (dapd)

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Susanne Rohlfing hat die beiden Olympia-Teilnehmer Leena Günther und Max Hoff ein Jahr lang begleitet.

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