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Einwanderung: Fachkräfte in Wartestellung

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Foto: Roland U. Neumann
Sechs Krankenpfleger aus Spanien wollen in Overath arbeiten - doch das dauert. Zunächst müssen sie ihre Universitätsabschlüsse anerkannt bekommen und einen Deutschkurs absolvieren.  Von
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Mallorca - wer den Namen der Baleareninsel hört, denkt an Urlaub. Doch dass Mallorca wie ganz Spanien mit den Folgen der Finanzkrise kämpft und dort jeder zweite Jugendliche nach der Ausbildung ohne Arbeit bleibt, wissen wenige. Sechs Mallorquiner suchen deshalb einen Job in Overath. "Es gibt auf Mallorca keine Zukunft für uns", sagt Daniel Lopez. Der 28-Jährige ist ausgebildete Pflegekraft, trotzdem hat er in seiner Heimat nur Urlaubsvertretungen übernehmen können.

Ähnlich ergeht es Maria del Pilar Oliver, Laura Gallego, Sofia Marina, Mercedes Morell und Jeronia Ramis. Sie alle haben nach ihrer Ausbildung schon in ihrem Beruf als Krankenpfleger gearbeitet, eine Festanstellung gab es aber nicht. Kennen gelernt haben sie sich bei einem Deutschkurs, den die mallorquinische Regierung für junge Menschen ohne Job anbietet. Dort wuchs der Plan, gemeinsam nach Deutschland zu gehen.


Foto: Roland U. Neumann

"Wir haben lange examinierte Pflegekräfte gesucht, nichts brachte Erfolg. Schließlich habe ich die IHK angeschrieben und um Unterstützung gebeten", erinnert sich Winfried Schönauer, Geschäftsführender Gesellschafter der Vivat GmbH in Steinenbrück. Das Seniorenzentrum hat 80 Pflegeplätze, die es laut Schönauer nicht voll belegen kann, weil es nicht genügend Fachkräfte einstellen kann. Über die IHK bekam er den Kontakt zur Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV). Zwei seiner Kollegen flogen für einen Tag nach Mallorca und führten 18 Vorstellungsgespräche. Sechs Bewerbern wurde eine Hospitanz angeboten. Aus der Hospitanz wurde schnell eine Festanstellung.

Allerdings mit Einschränkungen. "Ich bezahle jetzt sechs Leute zu 100 Prozent, die aber nur zu 20 Prozent einsetzbar sind", beschreibt Schönauer. Grund: Wie jede ausländische Arbeitskraft müssen die Spanier 80 Prozent ihrer Zeit in einen obligatorischen Deutschkurs investieren. Der wird ebenso über die EU finanziert wie die sozialpädagogische Betreuung der Neubürger. "Wir begleiten die Einwanderer bei Behördengängen, helfen bei Wohnungssuche und -einrichtung, aber auch wenn es darum geht, das Auto durch den deutschen Tüv zu bekommen", schildert Sozialarbeiterin Judith Schulte ihr Aufgabengebiet.


Foto: Roland U. Neumann

Nach sechs Wochen in Deutschland haben alle Spanier eine Wohnung gefunden, sind bei Gemeinde und Krankenkasse angemeldet und richten sich derzeit ein. "Dabei können wir von unserem Netzwerk in Overath profitieren", ergänzt Sabine Raabe von der Volkshochschule Overath/Rösrath. Die VHS ist Anbieterin des Sprachkurses, der wiederum von der VHS Bergisch Land als Träger beantragt wurde. "Es geht darum, in 730 Unterrichtsstunden den Grundwortschatz alltagstauglich zu machen, aber zugleich die berufsspezifischen Sprachkenntnisse zu vermitteln", erklärt Marjanne Meeuwsen, Abteilungsleiterin der VHS Bergisch Land. Am Ende steht eine Prüfung. Zeitgleich läuft die Anerkennung der Zeugnisse, denn obwohl die Ausbildung zum Krankenpfleger in Spanien in drei Jahren an der Universität erfolgt, werden diese Zeugnisse nicht direkt anerkannt. "Es kann sein, dass Auflagen erteilt werden oder noch eine Prüfung abgelegt werden muss", erläutert Meeuwsen. Rund acht Monate wird es dauern, bis die neuen Kollegen voll im Pflegeheim arbeiten können. Schönauer: "Das ist für uns eine lange Zeit, in der wir in Vorleistung gehen."

Die Spanier genießen indessen ihre neue Umgebung. Auch die Wohnungssuche brachte neue Erkenntnisse. "In Spanien ist jede Wohnung komplett möbliert, hier sind ja selbst die Wände nackt", berichtet Mercedes Morell. Den Umzug hat trotzdem keiner bereut.

Vermittlung von Fachkräften

Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit hat in den ersten neun Monaten des Jahres 569 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Ausland an Firmen in Deutschland vermittelt, hauptsächlich aus anderen EU-Staaten. Gesucht werden hauptsächlich Ingenieure und technische Fachkräfte, Ärzte, Pflegepersonal und Gastronomiemitarbeiter. Besonders konzentriert sich die ZAV bei der Anwerbung auf die Krisenländer Südeuropas. 2012 konnten bislang 87 neue Mitarbeiter aus Spanien gewonnen werden, darunter auch die sechs, die seit Oktober in Overath tätig sind.
In Rhein-Berg werden derzeit allein über die Arbeitsagentur noch 23 Pflegekräfte gesucht. Der tatsächliche Bedarf dürfte nach Einschätzung von Regina Wallau, Sprecherin der Bergisch Gladbacher Agentur, aber um ein Vielfaches höher liegen. (dfk)

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