26.07.2016
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„Envihab“: Medizin für All und Erde

„envihab“ gilt als irdisches Schwester-Labor der Internationalen Raumstation ISS. Der Name leitet sich von „environmental habitat“ her und beschreibt ein geschlossenes Lebenserhaltungssystem.

„envihab“ gilt als irdisches Schwester-Labor der Internationalen Raumstation ISS. Der Name leitet sich von „environmental habitat“ her und beschreibt ein geschlossenes Lebenserhaltungssystem.

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Christoph Hennes

Köln -

Im Beisein von Vertretern führender Raumfahrtnationen ist am Freitag in Köln eine weltweit einzigartige Forschungsanlage eröffnet worden, die eine Brücke zwischen Weltraummedizin und klassischer Medizin auf der Erde schlagen soll. In der Großanlage „envihab“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) werden künftig die europäischen Astronauten nach ihrer Rückkehr aus dem All ihre ersten Untersuchungen absolvieren, wie das Raumfahrtzentrum mitteilte. Zudem können in dem 3500 Quadratmeter großen Forschungszentrum unter anderem Isolationsbedingungen während Langzeit-Raummissionen simuliert werden.

Studien für Mars-Missionen

„envihab“ gilt als irdisches Schwester-Labor der Internationalen Raumstation ISS. Der Name leitet sich von „environmental habitat“ her und beschreibt ein geschlossenes Lebenserhaltungssystem. Eine von insgesamt acht Forschungseinheiten in der Großanlage ist eine Zentrifuge, die die Beschleunigung eines Menschen bis zur sechsfachen Schwerkraft erlaubt. Mit einem weltweit neuartigen Roboterarm sind während der Beschleunigungsfahrt Ultraschall-Bilder der liegenden Testperson möglich.

Zur Ausstattung gehören auch ein Gerät zur Magnetresonanztomographie sowie eine Druckkammer, in der Höhen bis zu 5500 Meter simuliert werden können. Dies ermöglicht unter anderem medizinische Studien im Vorfeld möglicher künftiger Mars-Missionen. Diese und weitere Module von „envihab“ sind innerhalb des Gebäudes räumlich eng miteinander verknüpft.

Durch Langzeitstudien in der DLR-Großforschungsanlage sollen künftig auch Knochen- und Muskelabbau bei bettlägrigen Patienten erforscht werden - und damit auch geeignete medizinische Gegenmaßnahmen. Diese wiederum sollen auch Raumfahrern zugute kommen, die nach Langzeitaufenthalten im All mit Muskelabbau als Folge der Schwerelosigkeit zu kämpfen haben.

“In dieser Kombination und mit diesen Möglichkeiten ist das 'envihab' weltweit einzigartig“, erklärte der Leiter des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin, Rupert Gerzer. Neben den Astronauten hätten die an der Großanlage tätigen Wissenschaftler auch die Menschen auf der Erde im Blick. „Was den Astronauten leistungsfähig erhält, hilft auch dem Patienten am Boden - und umgekehrt.“ (afp)



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