25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Ausstellung: Die Evolution der Handtasche
19. April 2013
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Ausstellung: Die Evolution der Handtasche

Auch im Bundestag mit dabei: der rote Longchamps-Shopper von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Auch im Bundestag mit dabei: der rote Longchamps-Shopper von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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dpa

München -

Wenn Angela Merkel an die zweite Maiwoche 2011 zurückdenkt, fällt ihr vielleicht die Bundestagssitzung ein, in der die EU-Finanzhilfen für Portugal beschlossen wurden. Oder ihr Treffen mit dem damaligen Präsidenten Südkoreas. Für Schlagzeilen und viele Fotos sorgte sie aber auch mit etwas anderem: Am 9. Mai 2011 zeigte sich Angela Merkel zum ersten Mal mit einer großen orangefarbenen Handtasche.

„Merkel mit neuer Frühlingstasche!“, zeigte sich die „Bild“-Zeitung und mit ihr viele andere Medien begeistert. Die Tasche, ein sogenannter Shopper der französischen Firma Longchamps, Neupreis etwa 300 Euro, wurde in der Folgezeit eingehend diskutiert und analysiert. „Erfrischend trendy“, lobte die „Bunte“, eine Modedesignerin fand es „toll“, dass die Kanzlerin „bei der Tasche Farbe bekennt“, und ein Psychologe erläuterte, was die Wahl des Accessoires über Angela Merkels Persönlichkeit verrate – „Trägerinnen von großen Shoppern gelten als strukturiert, selbstbestimmt und ehrgeizig“. Dass eine große Handtasche einfach praktisch ist, vor allem, wenn man in ihr Dokumente verstauen will, spielte in der Diskussion kaum eine Rolle. Wenn es um Handtaschen geht, steht nur selten ihre Funktion im Vordergrund. Stattdessen wird sie mindestens als modisches Statement betrachtet, gerne aber auch als Mittel, der eigenen Stimmung Ausdruck zu verleihen.

Wie weit damit die Evolution der Handtasche vorangeschritten ist, lässt sich derzeit in München besichtigen. Eine Sonderausstellung des Bayerischen Nationalmuseums widmet sich dem Thema Taschen als Teil europäischer Kulturgeschichte. Die gut 300 Ausstellungsstücke sind chronologisch angeordnet, vom „Stielbeutel“ des 16. Jahrhunderts bis zur aktuellen Frühjahrskollektion. Während bei modernen Taschen wie der „Boy Chanel“, einer Schultertasche in Jeansoptik mit Metallkette, modische Aspekte im Vordergrund stehen, war ein Stielbeutel in erster Linie funktionell. Den runden Holzgriff, an dessen Ende fünf schlauchartige Lederbeutel angenagelt sind, trugen im frühen 16. Jahrhundert Männer. Weil damals jedes Territorium eine eigene Währung hatte, bot es sich für Reisende an, verschiedene Münzen dabei zu haben – gut sortiert im Stielbeutel. Später traten Geldstrumpf und Geldkatze an seine Stelle, also entweder ein elastischer Schlauch oder ein breiter Ledergürtel. Heute spielt der Transport von Geld, von überzeugten Brustbeutel-Trägern abgesehen, nur noch eine untergeordnete Rolle. Ebenso tragen nur noch wenige Männer Taschen.

Chaos oder strenge Ordnung

„Hinter jeder Tasche steckt auch eine gesellschaftliche Entwicklung“, sagt die Direktorin des Bayerischen Nationalmuseums, Renate Eikelmann. Der Aufstieg des Postwesens etwa brachte sogenannte Brieftaschen in Kuvertform mit sich. Als die Menschen im 19. Jahrhundert mobiler wurden, entwickelte sich die Gattung Reisetasche. Und als Frauen vermehrt arbeiten gingen, wurden ihre Taschen größer.

Die Handtasche, wie wir sie heute kennen, aus Leder und mit einem Henkel, entstand um 1900. Heute soll eine durchschnittliche Damenhandtasche 2,3 Kilogramm wiegen. Was in ihr transportiert wird, ist immer wieder Gegenstand von Studien: Ob Chaos oder strenge Ordnung im Inneren herrscht, soll angeblich viel über das Innenleben der Trägerin aussagen. Insgesamt 76 Tage ihres Lebens soll eine Frau damit verbringen, nach Gegenständen in ihrer Tasche zu kramen. Deutsche Frauen, so haben es Studien geklärt, sollen durchschnittlich 20 Exemplare besitzen. Übertroffen werden sie von den Italienerinnen, die im Schnitt etwa 60 haben.

In München ist auch ein Modell der französischen Luxusmarke Hermés ausgestellt: die „Kelly Bag“. Ihren Namen verdankt sie der Schauspielerin Grace Kelly, die sich oft mit ihr fotografieren ließ. Auch Angela Merkel scheint ein Faible für ihren orangefarbenen Shopper zu haben. Ihrer Premiere vor zwei Jahren folgten viele weitere gemeinsame Auftritte. Noch ist aber nicht bekannt, dass Longchamps der Kanzlerin mit einer „Merkel Bag“ für die Aufmerksamkeit gedankt hätte.