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Cecilia Giménez: Berühmtheit mit schlechtem Gewissen

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Cecilia Giménez.  Foto: dpa
Im Jahr 2012 hat sich kaum eine Nachricht so schnell über die Grenzen Spaniens hinaus verbreitet wie jene von der missglückten Restaurierung eines Christus-Porträts. Ihr verunstaltetes Gemälde bringt Cecilia Giménez ins Silvester-Programm.  Von
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Madrid

Cecilia Giménez hat sich mit dem Gedanken vertraut gemacht, ein Star zu sein. „Hallo, ich bin Cecilia Giménez und eine der Berühmtheiten dieses Jahres“, sagt sie, den Besen in der Hand, während sie den Bürgersteig vor ihrem Haus in Borja fegt. Ihrem Gesicht ist kein Stolz abzulesen, eher so etwas wie Resignation. Nun gut, die ganze Welt hat über mich gelacht – machen wir also das Beste daraus.

Giménez übertreibt nicht, wenn sie sich unter die Berühmtheiten des Jahres 2012 einreiht. Kaum eine Nachricht hat sich in den vergangenen zwölf Monaten so schnell und so weit über die Grenzen Spaniens hinaus verbreitet wie jene von der missglückten Restaurierung eines Christus-Porträts, deren unfreiwillige Protagonistin Giménez ist. Berühmter als sie ist nur ihr Werk: ein mondgesichtiger Jesus, der das Zeug zur Popikone des 21. Jahrhunderts hat.

Wie so oft geht auch der Unglücksfall auf gute Absichten zurück. In der Kapelle am Rande ihres Heimatdorfes Borja in der ostspanischen Region Aragón, fiel Giménez der betrübliche Zustand eines kleinen Wandgemäldes auf. Es war das Porträt des leidenden Christus unter der Dornenkrone, 1930 vom lokalen Künstler Elías García Martínez in zwei Stunden auf die Kirchenwand gemalt. Das Werk war stark verblichen und hatte an vielen Stellen gänzlich seine Farbe verloren.

Anfang August dieses Jahres machte sich Giménez mit Pinsel und Farbe an die Ausbesserung der Schäden. Der Pfarrer war eingeweiht und hatte offenbar nichts dagegen. Giménez ist, kaum zu glauben, eine begabte Amateurmalerin. Dass die Restaurierung des Ecce-Homo trotzdem so gründlich schiefging, erklärt sie damit, dass sie ihr Werk unvollendet zurücklassen musste, um sich einige Wochen um ihren behinderten Sohn zu kümmern. Genau in diesen Wochen entdeckte ein Heimatverein den mutmaßlichen Kunstfrevel, eine Regionalzeitung wurde auf den Fall aufmerksam, dann die nationale und schließlich die internationale Presse. Als Giménez mit ihrem Sohn nach Borja zurückkehrte, war sie die Berühmtheit, die sie bis heute geblieben ist.

Jesus
Links das Bild im Original - und rechts nach der „Restaurierung“.
Foto: dapd

Cecilia Giménez ist 85 Jahre alt und eine gläubige Katholikin. Sie ist noch immer hin- und hergerissen zwischen schlechtem Gewissen, Scham und Fassungslosigkeit einerseits und einem ihr andererseits offenbar eingeborenen Sinn, die Dinge so zu nehmen, wie sie nun einmal sind. Die Scham verbietet ihr, die Kapelle mit ihrem Christus-Porträt noch einmal zu besuchen. Zugleich freut sie sich, dass Borja auf einmal Zehntausende Touristen anlockt, die nichts anderes sehen wollen als ihren Jesus.

Giménez nutzt ihre Bekanntheit. Über Ebay hat sie vor kurzem ein (gelungenes) eigenes Bild für mehr als 1000 Euro versteigert, das Geld geht an die Caritas. Sie hat sich von einer Werbeagentur als vorgebliche Kreativdirektorin einstellen und von einem Privatsender als Stargast zu einer Vorsilvestershow einladen lassen. Ihr Eingeständnis, zu den Berühmtheiten dieses Jahres zu gehören, stammt aus einem Werbevideo des Fernsehsenders. Giménez macht allen Spaß mit und wirkt unterm Scheinwerferlicht doch irgendwie fehl am Platze. Und ungemein sympathisch.

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