25.08.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Deichbruch: Gesprengte Schiffe schließen Damm

Der dritte Lastkahn wird zum gebrochenen Elbdeich gebracht.

Der dritte Lastkahn wird zum gebrochenen Elbdeich gebracht.

Foto:

dpa

Fischbeck -

Es stinkt nach Jauche, Diesel und Kerosin. Die Sonne sticht und  Mücken stehen über den Wasserlachen am Stadtrand von Jerichow. Fischbeck 5 Kilometer, steht auf dem Ortsausgangsschild. Doch die B 107, die schnurgerade nach Norden führt, wird nach drei Kilometern von einem bleigrau glänzenden  See verschluckt.  200 Quadratkilometer, knapp halb so groß wie der Bodensee,  Dörfer wie kleine Inseln.

Seit einer Woche strömt das Wasser, seit bei Fischbeck ein Damm brach. Das Wasser kam nachts um eins, lautlos. „Zehn Minuten, um zu flüchten“, sagt Hubertus Norte. Das Wasser habe die Tore zu seinem Bauernhof in Fischbeck aufgedrückt, es sei gerade noch gelungen, ins Aut zu springen – da steckte  noch der Schlüssel.  500 Hektar Pflanzenzuchtbetrieb stehen jetzt unter Wasser. Die gesamte Jahresernte  ist vernichtet.

90 -Meter-Bresche

Norte steht an der Bundesstraße und blickt dorthin, wo Fischbeck sein müsste. Über seinem Kopf donnern ohne Unterlass Hubschrauber. Ein Ballett am Himmel. Anfliegen, Netz anhängen, abheben – zum Deich. Bei Fischbeck findet eine  der  spektakulärsten Unternehmungen im Kampf gegen das Hochwasser statt. In die rund 90 Meter große Bresche im Deich, durch die anfangs 1000 Kubikmeter Elbe-Wasser pro Sekunde ins Hinterland flossen, sollen ausrangierte Lastkähne versenkt werden – mit Sprengladungen. „Das Vorhaben ist hochriskant, so etwas hat noch keiner in Deutschland gemacht“, sagt Holger Stahlknecht,  Innenminister und Leiter des Krisenstabes  von Sachsen-Anhalt.  Der Versuch, das Loch im Damm mit sandsackgefüllten Big Bags zu schließen, ist gescheitert.  Selbst die 1,5 Tonnen schweren, an überdimensionale Einkaufstaschen erinnernden Behältnisse werden von der Strömung der Elbe bis zu 600 Meter weit fortgerissen.

Gesprengte Lastkähne

Die Region läuft voll wie eine Badewanne. Zwei gewaltige Gräben, die in  Landstraßen geschlagen wurden, können nicht genug Wasser abführen, damit die Pegel in der Seenlandschaft sinken. Stahlknecht tauft sein Vorhaben  auf „Operation: Schiffe versenken.“   Zwei Kähne hat er   bei einer Reederei gekauft, sie sollen 400 000 Euro gekostet haben. Die Summe sei angesichts der Schäden, die noch drohen, lächerlich gering, heißt es vom  Krisenstab.

Ein heftiger Doppelschlag, der erste Kahn sinkt – und liegt perfekt. Danach bugsiert ein Schubschiff den zweiten Kahn  winklig zum ersten vor den Bruch – gehalten von zwei weiteren Schiffen, damit es nicht durch die Bresche gespült wird. 20 Minuten später die zweite Sprengung. Wasser strömt noch immer durch den Deich – aber nun deutlich weniger.

Jetzt haben Experten ein drittes Schiff versenkt. Von Hubschraubern würden nun Sandsäcke zur endgültigen Abdichtung des Lecks abgeworfen, teilte der Krisenstab der Landesregierung in Magdeburg mit. Außerdem werden Container und Betonteile versenkt. Es sei nur noch eine kleine Lücke in dem Deich, sagte ein Sprecherin des Krisenstabes.

Und tatsächlich ist die Aktion geglückt. Die drei versenkten Schiffe an dem gebrochenen Elbe-Deich bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt erfüllen ihren Zweck. „Wir sind sehr zufrieden, dass das funktioniert hat“, sagte eine Sprecherin der Krisenstabes. Die Lücke im Deich sei „so gut wie geschlossen“.
Die überflutete Fläche sei innerhalb von 24 Stunden um fünf Quadratkilometer geschrumpft. 145 Quadratkilometer stehen im Elbe-Havel-Winkel aber noch immer unter Wasser.

Die Helfer, unter anderem von der Bundeswehr und dem Technischen Hilfswerk, hätten am Wochenende eine logistische Meisterleistung vollbracht, sagte die Sprecherin. Sie hätten bei dieser außergewöhnlichen Aktion eine professionelle Arbeit geleistet.
Vor dem gebrochenen Elbdeich war am Sonntag ein drittes Schiff versenkt worden. Von Hubschraubern sollten bis zum Einbruch der Dunkelheit weiter Sandsäcke zur endgültigen Abdichtung des Lecks abgeworfen werden. Schon am Samstag waren zwei Schubkähne zu der Stelle bugsiert und gesprengt worden. Der dritte Kahn am Sonntag wurde geflutet.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?