25.08.2016
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Entgleister Zug in Kanada: Feuer nach Explosion gelöscht

Die Kleinstadt Lac-Mégantic nahe Quebec ist durch die Explosion völlig verwüstet worden.

Die Kleinstadt Lac-Mégantic nahe Quebec ist durch die Explosion völlig verwüstet worden.

Foto:

dpa

Lac-Mégantic -

Bei der verheerenden Explosion eines entgleisten Tankzugs in Kanada sind nach neuen Angaben mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen. Das teilte die Polizei am Montag in einer neuen Bilanz mit. Zuvor war von fünf Todesopfern und 40 Vermissten in der Kleinstadt Lac-Mégantic die Rede gewesen, deren Zentrum durch das Unglück in der Nacht zum Samstag (Ortszeit) völlig zerstört worden war.

Fast zwei Tage nach der verheerenden Explosion eines entgleisten Tankzugs in Kanada ist der dadurch verursachte Großbrand endlich gelöscht. „Die Flammen, die Feuer sind gelöscht“, sagte der örtliche Chef der Feuerwehr, Denis Lauzon, am Sonntagabend (Ortszeit) vor Journalisten.

Zwei Tankwaggons würden vorsichtshalber weiter mit Wasser besprengt, damit sie abkühlten, führte Feuerwehrchef Lauzon aus. An den Löscharbeiten hatten sich zahlreiche Feuerwehrleute aus der Umgebung sowie aus dem US-Bundesstaat Maine beteiligt.

Daten der Black Box sichergestellt

Ein Sprecher der Provinzpolizei sagte, ein großer Teil des Unglücksortes sei den Ermittlern immer noch nicht zugänglich, weil die Feuerwehr die Bereiche noch nicht gesichert habe. Ermittler der kanadischen Behörde für Verkehrssicherheit untersuchten am Sonntag die Lokomotive und stellten Daten ihrer Black Box sicher.

Der mit Rohöl beladene Zug war in der Nacht zum Samstag (Ortszeit) führerlos durch Lac-Mégantic gerast und entgleist, woraufhin mehrere Kesselwagen explodierten. Durch das Flammeninferno wurde das Zentrum der 6000-Einwohner-Stadt völlig zerstört. Etwa 2000 Einwohner mussten ihre Häuser verlassen, einige von ihnen durften am Sonntag zurückkehren. Das Rote Kreuz richtete Notunterkünfte in mehreren Schulen der Umgebung ein.

Den kanadischen Behörden zufolge bestand der Tankzug aus 72 mit je 100 Tonnen Öl beladenen Waggons, von denen später mindestens vier explodierten. Laut dem Bahnunternehmen Montreal Maine & Atlantic hatte der Zug zunächst wegen eines Personalwechsels im 13 Kilometer entfernten Nachbarort Nantes gehalten. Trotz gezogener Bremsen sei er dann plötzlich ohne Lokführer die abschüssigen Gleise hinunter nach Lac-Mégantic gerollt, das rund 250 Kilometer östlich der Metropole Montréal liegt. Zeugen berichteten später von mindestens sechs Explosionen und einem riesigen Feuerball über der Ortschaft.

Die Identifizierung der Opfer dürfte sich schwierig gestalten, wie eine Vertreterin der Gerichtsmedizin, Geneviève Guilbault, sagte. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Leichen stark verkohlt seien. Angesichts der Schwere des Brandes sei nicht auszuschließen, dass manche Leichen gar nicht identifiziert werden könnten.

Kanadas Premierminister Stephen Harper besuchte am Sonntag das zerstörte Stadtzentrum von Lac-Mégantic. „Das ist wie ein Kriegsgebiet“, sagte er. Das Ausmaß der Zerstörung sei „unglaublich, schwer vorstellbar“. (afp)