27.09.2016
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Erdbeben in Nepal: Überlebende kämpfen um Wasser

Wasser ist ein begehrtes und rares Gut in Nepal.

Wasser ist ein begehrtes und rares Gut in Nepal.

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dpa

Kathmandu -

Nach der Erdbebenkatastrophe in Nepal gibt es Streit um das lebensnotwendige Trinkwasser. Die ungleiche Verteilung der Hilfsgüter erhöhe das Risiko von Feindseligkeiten zwischen den Bedürftigen, warnte das UN-Büro für Katastrophenhilfe. Der deutsche Zweig des Kinderhilfswerks Unicef mahnte, die Hilfe müsse kräftig ausgeweitet werden, sonst sei eine „Katastrophe nach der Katastrophe“ zu befürchten. Inmitten von Trümmern und Elend gab es dennoch einen Hoffnungsschimmer: In Kathmandu bargen Helfer einen verschütteten Mann nach fast 82 Stunden.

Ansonsten ziehen die Bergungskräfte vor allem Tote aus den Trümmern – allein in Nepal waren es bereits mehr als 5000. Außerdem seien laut nepalesischem Innenministerium mindestens 10 000 Menschen verletzt worden. Hinzu kommen 100 Tote in Indien und China. Helfer fürchten, dass die Opferzahl deutlich steigt, wenn weitere abgelegene Regionen von Helfern erreicht werden. Die Vereinten Nationen hatten von acht Millionen Erdbebenbetroffenen berichtet.

Nach Einschätzung von Unicef droht der Bevölkerung in Nepal ein Trinkwasser-Notstand. In Bhaktapur nahe der Hauptstadt Kathmandu hätten derzeit nur 20 Prozent der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser, berichtete das UN-Kinderhilfswerk nach Schilderungen eigener Erkundungsteams aus schwer verwüsteten Orten. Außerdem würden dringend Toiletten benötigt. „Verschmutztes Trinkwasser und die teilweise katastrophalen hygienischen Bedingungen können schnell zur Ausbreitung von Krankheiten führen“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland.

Helfer berichteten von Ansätzen einer „Zwei-Klassen-Hilfe“. „Fakt ist, im Moment werden Touristen bevorzugt behandelt und viele andere fallen hinten runter“, sagte Rainer Brockhaus, Präsident des kirchlichen Bündnisses Entwicklung Hilft. „Die Hubschrauber fliegen dorthin, wo sie Geld bekommen.“

Auch aus Deutschland mehrt sich Kritik wegen der schlechten Versorgungslage. Der Beauftragte der Bundesregierung für Humanitäre Hilfe mahnte eine bessere Prävention für künftige Katastrophen in Staat an. Es müssten Evakuierungsräume geschaffen und Siedlungen gebaut werden, die Erdbeben standhalten können, forderte Christoph Strässer. Die nepalesische Regierung hatte eingeräumt, trotz Erdbebenwarnungen unvorbereitet gewesen zu sein. Ministerpräsident Sushil Koirala warb um Verständnis: Die Regierung werde aus ihren Fehlern lernen.

Ein in Berlin gestarteter Hilfsflug mit 60 Tonnen Gütern wie Zelten, Decken und Trinkwasseraufbereitungsanlagen konnte verspätet in Kathmandu landen. Grund war eine fehlende Überfluggenehmigung für Indien, weil der Luftraum zu voll war. (dpa)


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