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Fachbegriffe: Mit Klarsicht beim Wetter

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Wie hoch ist wohl die Regenwahrscheinlichkeit beim Wetter auf diesem Bild?  Foto: dpa
Heiter bis wolkig, Luftfeuchte und Regenwahrscheinlichkeit: Wettermeldungen stecken voller meteorologischer Begriffe, die verständlich klingen, aber nur selten richtig verstanden werden. Wir lichten den Wortnebel.  Von
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Jetzt noch schnell zum Wetterbericht fürs Wochenende: „Nach Wolkenauflösung am Samstagvormittag gebietsweise sonnig, später heiter bis wolkig, meist trocken. Am Sonntag stark bewölkt bis bedeckt mit einer Luftfeuchte um 50 Prozent; das Regenrisiko liegt vormittags bei 20, am Nachmittag bei 85 Prozent.“ Haben Sie alles verstanden? Sehr schön. Dann wissen Sie ja jetzt auch, ob es sinnvoll wäre, für den Spaziergang am Sonntag einen Regenschirm einzupacken. Oder etwa nicht?

Zunächst zur Bewölkung: Das Problem beginnt schon damit, dass jeder Laie sich unter heiter, wolkig oder bedeckt Unterschiedliches vorstellt. Meteorologen nennen das Wetter „heiter“, wenn der Himmel zu zwei Achteln (also einem Viertel) von Wolken bedeckt ist. Bei einem Wolkenanteil von drei Achteln (immerhin 38 Prozent) sagen sie, es sei „leicht bewölkt“. Ist der Himmel nur zur Hälfte frei von Wolken, nennen Wetterfrösche das „wolkig“ -  eine ziemlich willkürliche Festlegung. Zudem könnte man diesen Bewölkungsgrad ebenso gut „sonnig“ nennen, wo Sonne und Wolken sich das Himmelszelt doch hälftig teilen. Erst wenn der  Himmel ein weiteres Achtel seines Blaus einbüßt, sprechen Fachleute von „bewölkt“. Nach einem weiteren Achtel ist der Himmel dann stark bewölkt, nämlich bereits zu drei Vierteln. Sonnig im meteorologischen Sinne ist übrigens nicht dasselbe wie wolkenlos. Ein sonniger Tag ist einer, bei dem der Himmel immerhin zu einem Achtel von Wolken gesprenkelt ist.

Womöglich mögen viele Menschen den Wettbericht ja so gerne, weil er viele Interpretationen offenlässt. Andreas Friedrich, ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD), räumt denn auch ein, dass so mancher Begriffe im Wetterbericht „sehr schwammig“ ist. Aber in den notgedrungen knappen Wettermeldungen – vor allem in denen für ganz Deutschland – sei es generell ein Problem, sich fachlich präzise und auch noch verständlich auszudrücken. Schon der völlig klar klingende Hinweis, „im Westen“ regne es morgen, werde in Köln sehr wahrscheinlich anders verstanden als in Dresden. Für den einen meint der Westen die Himmelsrichtung, für den nächsten Westdeutschland – ebenfalls ein eher unklares Gebilde.

Besonders heikel ist der Begriff „Regenwahrscheinlichkeit“. Im eingangs erwähnten, aber frei erfundenen Wetterbericht soll sie für den Sonntag erst 20, später 85 Prozent betragen. Was aber heißt das nun? Regnet es nun oder nicht – und wenn ja, wie viel? Vor einigen Jahren hat der Psychologe Gerd Gigerenzer vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung gemeinsam mit Fachkollegen Wetterlaien in New York, Amsterdam, Berlin, Mailand und Athen vor folgende Aussage gestellt: „Morgen beträgt die Niederschlagswahrscheinlichkeit 30 Prozent.“ Die Befragten sollten dann angeben, welche Konsequenz das am wahrscheinlichsten hat. Zur Wahl standen drei Möglichkeiten:

1.) Morgen regnet es auf 30 Prozent der Fläche im Vorhersage-Gebiet.

2.) Morgen regnet es 30 Prozent der Zeit (also über 7 Stunden lang).

3.) Es wird an 30 Prozent der Tage regnen, die sich durch die gleiche Wetterlage auszeichnen wie der morgige Tag.

Die meisten New Yorker wählten die dritte Antwort, während diese Lösung den Europäern abwegig vorkam. Sie bevorzugten öfter die zweite Möglichkeit, also den Tagesanteil, den es wohl insgesamt regnen würde. Recht aber hatten die Amerikaner. Sie waren bereits seit vierzig Jahren an die Angabe von Regenwahrscheinlichkeiten gewöhnt, während Deutsche diesen Ausdruck erst seit 1990 zu hören bekommen.

Um es noch einmal festzuhalten: Eine Regenwahrscheinlichkeit von 30 Prozent ist nicht etwa das Ergebnis einer Abstimmung unter Wetterexperten, wie eine Frau in der erwähnten Umfrage meinte. Sie bedeutet schlicht, dass es an drei von zehn Tagen mit der gleichen Wetterlage regnen wird – und zwar mindestens einmal. Über Dauer und Menge des Regens ist damit noch nichts gesagt. Es kann zwei Stunden lang wie aus Kübeln gießen oder für eine Minute tröpfeln. Wird die Niederschlagsmenge miterwähnt, zum Beispiel als Angabe „2 Millimeter“, dann können etwa zwei Liter Regen pro Quadratmeter fallen – aufs Jahr hochgerechnet ein für viele Gegenden hierzulande durchschnittlicher Wert.    

Beim Deutschen Wetterdienst weiß man selbstredend, dass Regenwahrscheinlichkeit ein heikler Begriff ist, der „von der Mehrheit der Deutschen nur schwerlich verstanden“ wird, sagt Andreas Friedrich. „Deshalb verwenden wir ihn auch nicht offiziell“, außer gegenüber der Versicherungswirtschaft, die mit Wahrscheinlichkeiten umzugehen weiß. Und das von manchen Wetter-Moderatoren im Radio – vor allem im Sommer –  gerne verwendete Wort Regen-Risiko „benutzen wir sowieso nicht“, fügt der Meteorologe hinzu.

Generell seien alle DWD-Mitarbeiter gehalten, das zu erwartende Wetter nicht zu bewerten. Unerwünscht sind zum Beispiel Aussagen wie „Morgen Sonne, Gott sei Dank!“ oder „Leider Regen am Wochenende“. Denn während die meisten Menschen langanhaltendes schönes Wetter freue, kann es Friedrich zufolge „für manche existenzbedrohend sein“, zum Beispiel für Bauern nach der Aussaat, die dringend Regen brauchen, damit die Feldfrüchte gut gedeihen. Normaler Regen ist kein Risiko, sondern lässt Wälder wachsen, reinigt die Luft und kühlt im Sommer überhitzte Städte.

Auch Thomas Leisner kennt das Problem rund um häufig verwendete meteorologische Begriffe. „In der Tat haben selbst meine Studenten manchmal Schwierigkeiten damit“, sagt der Umweltphysiker, der am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erforscht, wie sich Wolken bilden. Eine dieser so vertraut klingenden Begriffe ist Luftfeuchte. Sie bezeichnet den Anteil des Wasserdampfes am gesamten Gasgemisch der irdischen Atmosphäre. Wasserdampf im wissenschaftlichen Sinne ist nämlich ein Gas und deshalb unsichtbar. Deshalb sind Nebel oder Wolken physikalisch gesprochen auch keine Dampfgebilde, denn sie bestehen aus schwebenden Wassertröpfchen. Deshalb zählt das Wolken- oder Nebelwasser ebenso wenig zur Luftfeuchte wie die Wasserkristalle in Eiswolken

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