24.08.2016
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Frankreich: Hoch bezahlt in der Kritik

Catherine Deneuve

Catherine Deneuve.

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Getty Images

Paris -

Gérard Depardieu ist bereits vom Sockel gefallen, seitdem er das belgische Steuerexil und die russische Staatsbürgerschaft gewählt hat. Einige Berufskollegen wie Catherine Deneuve und Fabrice Luchini stellten sich seither hinter ihn; andere greifen ihn wegen „unpatriotischen“ Verhaltens an.

Wie auch immer sie sich dazu stellen: Jetzt stehen die französischen Kinostars selber in der Kritik. Den ersten Stein warf der Kinoproduzent Vincent Maraval. In einem Beitrag in der Zeitung „Le Monde“ schreibt er, der eigentliche Skandal sei nicht Depardieus Steuerexodus. Weitgehend unbekannt sei, dass die französische Kinoindustrie immer mehr in die roten Zahlen absacke, weil die bestverdienenden Schauspieler wie Jean Reno, Marion Cotillard oder Audrey Tautou zu hohe Gagen einstrichen.

So seien neun von zehn der erfolgreichsten französischen Filme des vergangenen Jahres kommerzielle Reinfälle. Darunter seien an sich erfolgreiche Streifen wie „Asterix“, „Houba“ oder „Le Marsupilami“. Sie hatten zwar mehrere Millionen Zuschauer, waren aber am Ende doch ein Verlustgeschäft. Schuld daran sind laut Produzent Maraval Schauspieler wie Dany Boon („Willkommen bei den Sch'tis“). Er habe für die Hauptrolle im 2012 angelaufenen Film „Le plan parfait“ 3,5 Millionen Euro erhalten. „Die Kinoeinnahmen genügen nicht einmal, um die Gage dieses bestbezahlten Schauspielers zu decken“, moniert Maraval. Für seinen nächsten Film „Hypocondriaque“ verlange Boon sogar zehn Millionen Euro. Damit lasse er auch Depardieu weit hinter sich.

Die Fachzeitschrift „Telerama“ wendet zwar ein, dass nur vier der zehn erwähnten Filme im Minus endeten, wenn man veranschlage, dass sie in den nächsten Jahren zusätzliche Einnahmen aus Fernsehausstrahlungen und dergleichen verzeichnen würden.
Dieses Gegenargument zieht aber kaum, da in Frankreich hinter den zehn Großproduktionen 280 kleinere Kinofilme von vornherein mit einem Defizit rechneten. Auch sie würden von übertriebenen Gagen in den Abgrund gerissen, meint Maraval.

Der Beitrag schlug in Paris hohe Wellen und löste eine kulturpolitische Grundsatzdebatte aus. Denn die französischen Filme gehören zu den am stärksten subventionierten der Welt. Und Maraval lässt durchblicken, dass letztlich die Steuerzahler für die ungerechtfertigten Gagen ihrer Kinostars aufkämen. Nur so sei es zu erklären, dass ein Schauspieler wie Vincent Cassel in Frankreich für den Film „Mesrine“ 1,5 Millionen Euro eingestrichen habe; in den USA habe er hingegen für seine Rolle in „Black Swan“ bloß 226 000 Euro erhalten. „Sollten die Meistverdiener im französischen Film weiter mehr Geld bekommen, als sie wert sind, nur weil dies öffentliche Mittel und das einzigartige Subventionierungssystem erlauben?“, fragt Maraval.

Die Pariser Zeitung „Libération“ ist dem Produzenten dankbar, dass er „das Gesetz des Schweigens“ in Sachen Stargehälter gebrochen habe. Sie begrüßt auch seinen Vorschlag, die Gagen auf 400 000 Euro pro Film zu begrenzen, sofern öffentliche Gelder in die Produktion fließen.

Parallel zur Deckelung der Gagen stehe es zudem jedem Schauspieler frei, im Voraus eine Gewinnbeteiligung auszuhandeln, meint Maraval. So habe zum Beispiel Omar Sy bei dem Kassenschlager „Ziemlich beste Freunde“ je zehn Cents pro Kinoeintritt ausgehandelt. Das habe ihm zu einer stolzen Mehreinnahme von 1,9 Millionen Euro verholfen.