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Gelsenkirchen: Friedhof für Schalke-Fans

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"Gelsenkirchen ein Leben lang" - und womöglich noch länger. Zwei Fans von S04 posieren vor dem Schalke-Fan-Feld.  Foto: dapd
Ein Leben lang keine Schale in der Hand, aber nach dem Ableben eine unterirdische dritte Halbzeit auf dem weißblauen Fan-Friedhof in Stadionnähe: Für Anhänger des FC Schalke 04 wird dies ab Dezember möglich sein.
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Gelsenkirchen

Schalke 04 ist Hans-Peter Gerkings ganz große Liebe. Dass er seinem Verein ein Leben lang treu bleiben wird, steht für den 56-Jährigen schon lange außer Frage. Ihr Mann sei schließlich „Schalker ohne Ende“, sagt seine Frau Iris und lächelt. Ihre Worte sind dabei durchaus wörtlich zu nehmen. Denn Gerking hat beschlossen, seinen Königsblauen auch über den Tod hinaus verbunden zu bleiben. Er ist der Erste, der sich auf dem neuen „Schalke Fan Feld“ auf einem Friedhof unweit des Schalker Stadions ein Grab reserviert hat.

Noch wird an der Harpenstraße gegraben und gemauert. Doch die Gestalt des Grabfeldes ist bereits jetzt zu erkennen: Wenn alles fertig ist, soll es einmal wie ein Stadion aussehen - mit Rollrasen, blau-weiß gespritzten Pflanzen, Toren und einem großen Schalke-Emblem in der Mitte der Anlage.

Voraussichtlich Anfang Dezember soll das Grabfeld, das mit seinen 4.000 Quadratmetern etwa halb so groß wie ein Fußballfeld ist, offiziell eröffnet werden. Doch schon jetzt ist die Nachfrage enorm. „Die Zahl der reservierten Grabstellen geht auf den dreistelligen Bereich zu“, sagt Ender Ulupinar, der Geschäftsführer der Schalke Fan Feld GmbH und Betreiber der Grabstätte. Damit wäre die Nachfrage deutlich höher als bei einem ähnlichen Projekt für HSV-Fans in Hamburg.

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Auch Ulupinar selbst ist bereits seit Jahrzehnten „ein bescheuerter Schalker“, wie er sagt. Früher einmal war er Balljunge bei den Königsblauen, in den 1990er Jahren war er als Vertragsamateur bei dem Gelsenkirchener Verein beschäftigt. „Fußball war immer ein Thema bei uns zu Hause“, sagt Ulupinar.

Das Fanfeld betreibt er denn wohl auch weniger aus wirtschaftlichen Gründen. „Normale Menschen würden sagen: Ich baue mir ein Haus. Ich baue ein Fanfeld“, sagt er und schiebt hinterher: „Reich werde ich dadurch nicht.“ Gelder in Millionenhöhe müsse er investieren, damit das Grabfeld überhaupt erst eröffnet werden könne.

Doch Ulupinar ist von seinem Projekt überzeugt. Fünf Jahre lang hat er Klinken geputzt und Bretter gebohrt, bis er alle Genehmigungen für sein Vorhaben zusammen hatte und das Gräberfeld nur etwa 500 Meter Luftlinie vom Schalker Stadion entfernt bauen konnte.

Gerking erfuhr von dem Projekt beim Zeitunglesen, in der Badewanne. Er hängte sich ans Telefon und reservierte ein Grab und für seine Frau gleich eines mit. „Und unseren künftigen Nachbarn kennen wir auch schon. Das ist kein Schlechter“, sagt Gerking und lacht.

Bei 1904 Gräbern ist Schluss

Bis zu 1904 Gräber darf Ulupinar bauen - 1904, das Gründungsjahr des FC Schalke 04. Doch derzeit sind erst einmal 731 Grabstellen geplant. Wer eines der Gräber reservieren will, zahlt dafür 1.250 Euro sowie noch einmal 125 Euro jährlich für die Grabpflege. Schließlich solle die spätere Ruhestätte auch vor der Nutzung in einem ordentlichen Zustand gehalten werden, sagt Ulupinar. 5.406 Euro fließen dann noch einmal an die Friedhofsgenossenschaft, wenn das Grab belegt wird.

Die ersten Bestattungen in dem neuen Feld sind bereits jetzt geplant. Eine Urne steht bereit und ein Ehepaar soll umgebettet werden. „Ein ehemaliger Spieler, der 60 Jahre lang Mitglied bei Schalke war“, erläutert Ulupinar.

Die meisten derjenigen, die bereits ein Grab reserviert oder vorreserviert haben, kommen nicht aus Gelsenkirchen, wie der Betreiber sagt. Doch das wundert Ulupinar nicht. „Wie oft geht man denn auf einen Friedhof?“, fragt er und schiebt die Antwort gleich hinterher: „Am Anfang meistens ein bisschen häufiger, später dann eher selten.“ Echte Schalke-Fans strömten aber jedes Jahr zu 17 Bundesligaspielen und dem ein oder anderen Pokal-, Europa- oder Champions-League-Spiel ins Gelsenkirchener Stadion. Und jedes Mal könnten sie dann noch einen kurzen Abstecher zum Schalke Fan Feld machen.

(dapd)

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