30.07.2016
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Gesetz: Ausgeraucht in Aarhus

Als erste Gemeinde in Dänemark hat die Stadt Aarhus das Rauchen am Arbeitsplatz komplett untersagt. (Symbolbild)

Als erste Gemeinde in Dänemark hat die Stadt Aarhus das Rauchen am Arbeitsplatz komplett untersagt. (Symbolbild)

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dpa

Aarhus -

"Von der Früh, wenn ich aus dem Haus gehe bis zum Abend, wenn ich heimkomme, denke ich nur an eines", klagt Anette, eine 45-jährige Sozialhelferin aus Aarhus. Das eine, das ihr das Gemüt verdüstert, ist die Zigarette, die ihr fehlt.

Als eine von knapp 30.000 Kommunalangestellten in Dänemarks zweitgrößter Stadt ist sie vom totalen Rauchverbot betroffen, das ihre Vorgesetzten seit dem 1.März in Kraft gesetzt haben. Als erste dänische Kommune hat Aarhus das Rauchen nicht nur am Arbeitsplatz untersagt, nicht nur in öffentlichen Gebäuden, sondern überhaupt und generell. Während der Arbeitszeit wird nicht geraucht, Punktum.

Arbeitgeber dürfen keine gesundheitsschädlichen Handlungen fördern, beschloss der Stadtrat mit satter Mehrheit. Das Geld der Steuerzahler ist nicht dazu da, um Rauchpausen zu subventionieren. Rauchen sei Privatsache. Aber: "Bei der Arbeit arbeitet man. Das ist ein Arbeitsplatz, kein Rauchplatz", sagt Sozialchef Hosea Dutschke (ja: das ist der Sohn des legendären Rudi).

Und daher trifft das Verbot nun auch den Gärtner, der ganz alleine seine Beete harkt oder die Telefonistin, die früher während der Mittagspause vor das Bürohaus treten und draußen einen Glimmstängel anstecken konnte.

Nicht auf Kosten anderer

So konsequent wie die Stadt Aarhus ging noch kein dänischer Arbeitgeber zu Werk, auch wenn auch anderswo immer schärfere Regeln den Rauchern ihr Laster zunehmend vergällen. Das gesetzliche Verbot umfasst inzwischen auch Einzelbüros, die zuerst vom Zigarettenbann ausgenommen waren, und Freiluftareale vor Kindergärten, Schulen und anderen Institutionen Minderjähriger.

Viele Firmen gestatten zwar Rauchpausen, aber nicht auf Kosten der anderen. Wer für eine Zigarette nach draußen will, muss ausstempeln und sich anschließend wieder zurückmelden, was viele ungerecht finden: "die anderen gehen Kaffee trinken, und das gilt als Arbeitszeit." Die Wahrheit ist: die Raucher rauchen und trinken Kaffee.

Die Kindergärtnerin Gitte hat nur gute Erfahrungen mit dem Verbot: "Früher standen die Raucher in einer Gruppe und die Nichtraucher in einer anderen. Jetzt sind alle zusammen". Rauchen bedeute mehr Krankheitstage, und "für die Millionen dafür haben wir bessere Verwendung", sagt Gesundheitsstadtrat Thomas Meldom. Kurse fürs Abgewöhnen bietet die Stadt gratis an, was Anette nicht lockt: "Ich rauche, seit ich 16 bin und will nicht aufhören." In den sozialen Medien wüten die Betroffenen gegen die Bevormundung.

Doch die Anhänger des Verbots haben die Statistik auf ihrer Seite: in den europäischen Ranglisten über die Lebensdauer liegen die Dänen auf einem wenig schmeichelhaften Platz im hinteren Mittelfeld. Der sei, sind die Experten einig, vor allem dem legeren Umgang mit Alkohol und Nikotin geschuldet.